Furunkel L02.92

Zuletzt aktualisiert am: 03.03.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Furunculus; Furunculus vulgaris; Staphylodermia follicularis et perifollicularis profunda; Staphylodermia follicularis profunda; Staphylodermia follicularis profunda necroticans

Definition

Bakteriell induzierte, Korium und Subkutis erfassende (tiefe Follikulitis), schmerzhafte abszedierende Entzündung eines Haarfollikels mit narbiger Abheilung. Als Furunculus maligna wird der Milzbrandkarbunnkel mit ausgedehnter zentraler Nekrose bezeichnet.

Ätiopathogenese

Meist Infektion mit Staphylococcus aureus, vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten. Entwicklung aus einer Follikulitis.

Lokalisation

Bevorzugt Nacken, Gesäß, Oberschenkelinnenseite, äußerer Gehörgang, Oberlippe.

Klinisches Bild

Zunächst kleine Pustel mit gelblichem Inhalt (Follikulitis), daraus Entwicklung eines entzündlich geröteten Knotens mit Ödem der Umgebung ( Perifollikulitis) und verkrusteter Oberfläche. Druck- und Spontanschmerz. Nach einigen Tagen Fluktuation als Zeichen der Einschmelzung. Entleerung von Eiter, Abstoßen eines Gewebepfropfes mit sofortigem Nachlassen des Schmerzes. Der Defekt wird mit Granulationsgewebe aufgefüllt, nach Abheilen bleibt eine kleine eingezogene Narbe zurück.

Komplikation

  • Regionale Lymphangitis, Lymphadenitis
  • bei Nasen- und Oberlippenfurunkel: infektiöse Thrombose des Sinus cavernosus und thrombophlebitische Sepsis möglich (sehr seltene Komplikation)
  • Rezidivierende Furunkelbildung (s. u. Furunkulose) bei immunologisch gestörten Patienten.

Therapie allgemein

Ruhigstellen des betroffenen Körperabschnittes, Hochlagern so weit möglich. Kein Drücken am Furunkel! Bei Gesichtsfurunkel: Bettruhe, Sprechverbot, sowie Umstellung auf weiche, passierte Kost.

Externe Therapie

  • "Zugsalbe" wie 10, 20 oder 50% Ichthyol-Salbe. Am Hals, im Gesicht und am Genital sollten Schieferölsulfonate allerdings nur bis zu 20% angewendet werden.
  • Feuchte Umschläge zu Beginn mit antimikrobiell wirkenden Zusätzen wie Polihexanid (Serasept, Prontoderm), verdünnte Kaliumpermanganat-Lösung (hellrosa), Chinolinol (z.B. Chinosol 1:1000) oder R042 , Polyvidon-Jod-Lösung (z.B. Betaisodona Lösung). Zudem 0,5% Clioquinol in Lotio alba R050 oder Clioquinol-Salbe (Linola-Sept), auch Umgebung mitbehandeln.
  • Inzision ist im Regelfall nicht notwendig, evtl. bei deutlicher Fluktuation des Abszesses vorsichtige Stichinzision und Drainage der Abszesshöhle. Spülung mit Polihexanid Lsg. oder Polyvidon-Jod-Lösung (z.B. Betaisodona Lösung) Einlage eines mit Polyvidon-Jod-Salbe getränkten Mullstreifens.

Bestrahlungstherapie

Rotlicht- oder Kurzwellenbestrahlung können zur Furunkelreifung eingesetzt werden.

Interne Therapie

Jeder Furunkel, insofern nicht nur leichte Varianten, sollte mit einer systemischen Antibiose (penicillinasefeste Penicilline) abgedeckt werden. Furunkel im Gesicht unterliegen wegen möglicher aufsteigender Infektionen (Sinusthrombose) einer besonderen Vorsicht.
  • Intravenöse antibiotische Therapie: Bei Gesichtsfurunkeln ist intravenöse Antibiose z.B. mit Oxacillin (z.B. InfectoStaph) zu bevorzugen: Erwachsene 2-4 g/Tag i.v. in 4-6 ED, Kinder 1-6 Jahre 1-2 g/Tag i.v. in 4 ED, Säuglinge über 3 Monate 4mal/Tag 20 mg/kg KG, Säuglinge bis 3 Monate 3mal/Tag 20 mg/kg KG, bei Neugeborenen und Frühgeborenen ist die angegebene ED nur 2mal/Tag zu verabfolgen.
  • Perorale antibiotische Therapie: Erwachsene, Jugendliche, Kinder ab 6 Jahre InfectoStaph Kps. 2-3 g/Tag in 4-6 ED. Kinder 1-6 Jahre 2 g/Tag in 4 ED. Bei schweren Infektionen Verdoppelung der Dosis möglich.
  • Bei Verdacht auf Penicillin-Allergie auf Erythromycin (z.B. Monomycin Kps.) ausweichen: Erwachsene, Kinder über 8 Jahre: 4mal/Tag 250 mg oder 2mal/Tag 500 mg p.o. Säuglinge, Kleinkinder: Monomycin-Saft/-Säuglingssaft 30-50 mg/kg KG/Tag in 3-4 Einzelgaben zu den Mahlzeiten.
  • Alternativ das besser magenverträgliche Roxithromycin (Rulid Filmtbl.): Erwachsene, Jugendliche (über 40 kg) 2mal/Tag 150 mg p.o. oder 1mal/Tag 300 mg p.o. Bei fortgeschrittener Lebererkrankung Dosis halbieren. Kinder, Säuglinge erhalten Rulid junior Btl. 30-50 mg/kg KG/Tag in 3-4 ED vor den Mahlzeiten.
  • Bei Resistenz gegen genannte Antibiotika auf Vancomycin ausweichen: Erwachsene 4mal/Tag 0,5 g i.v. oder 2mal/Tag 1,0 g i.v., Kinder > 1 Jahr 40 mg/kg KG in 2-4 ED, Säuglinge < 1 Woche 20 mg/kg KG in 2 ED, Säuglinge > 1 Woche 30 mg/kg KG in 3 ED.

Naturheilkunde

Alternativ: Drainage mit Ringelblumen-Urtinktur verdünnt in Ringer-Lösung (1:20).

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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