Tormentillae rhizoma; Tormentillwurzelstock;

Zuletzt aktualisiert am: 10.03.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Tormentilltinktur

Definition

Tormentillwurz ist Stammpflanze von Tormentillae rhizoma, der offizinellen Zubereitung des getrockneten Rhizoms (Ph.Eur.8, ÖAB, Monographie der Kommission E). Das Rhizom wird v.a. im Frühjahr oder im Herbst (kurz vor oder kurz nach der Blüte) ausgegraben, in der Sonne getrocknet und zerkleinert. Medizinisch wird das zerkleinerte Rhizom entweder als alkoholischer Auszug (Tinktur), oder als Tee genutzt.
 

 

Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffe sind bis zu 25% Catechingerbstoffe (Tormentillgerbsäure,Tormentillrot) Tormentol der rote Farbstoff, das Glykosid Tormentillin, das Pseudosaponin Tormentosid, Flavonoide, Phenolkarbonsäure, Saponine, Harz, Gummi und ätherische Öle.

Wirkungen

Adstringierend, antibakteriell (Staphylokokkus aureus) und antiviral (Herpes-simplex-Viren). Die im Rhizom enthaltenen Gerbstoffe v.a. die Ellagitannine wirken antiinflammatorisch durch Hemmung der Cyclooxigenase-1 und -2, der Hyaluronidase, der neutrophilen Elastase und der Mastzellgranulation. Weiterhin wirken sie antioxidativ, neutralisieren Superoxid-Anionen und reduzieren die Lipidperoxidation. In einem UV-Erythemtest konnte eine 2% Tormentillae rhizoma-haltige Creme eine ähnlich starke Reduktion des Erythems bewirken wie eine 1% Hydrocortison-Creme. In einer kleinen klinischen Anwendungsstudie konnte bei Patienten mit atopischem Ekzem eine deutliche Besserung der behandelten ekzematisierten Haut erzielt werden.  

Anwendungsgebiet/Verwendung

Extern: Entzündungen der Schleimhaut v.a. des Mund-und Rachenraumes, habituelle oder Bednar`sche Aphthen.  Einzelne Berichte exitieren über positive Effekte beim oralen Lichen planus.

Intern: Durchfallerkrankungen; auch bei Virus-bedingten Durchfallerkrankungen des Kindes

Anwendungen:
Extern: Teeanwendungen; Tinctura  tormentillae als alkoholischer Extrakt; Spülungen oder Pinselungen bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Gingivitis, Pharyngitis. 2% Potentilla-officinalis-Extrakt in einer gut streichfähigen Ö/W Grundlage beim atopischen Ekzem. 
Intern: bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen

 

Unerwünschte Wirkungen

Bei oraler Einnahme  Magen-Darm-Beschwerden

Kontraindikation

Überempfindlichkeiten gegen die Inhaltsstoffe. Keine Anwendungen bei Personen <18 Jahren.
 

Rezeptur(en)

Tinctura tormentillae kann als Fertigprodukt oder als magistrale Rezeptur z.B. als kombiniertes Tormentill-Myrrhe-Adstringens (NRF 7.1.) rezeptiert werden.

Rp: Tinctura tormentillae 15,0
       Tinctura myrrhae      15,0
S: unverdünnt zum Einpinseln auf entzündliche Stellen z.B. bei habituellen Aphthen. Zum Gurgeln 15-20 Tropfen der Tinktur auf 1 Glas Wasser.  
 

Hinweis(e)

Im Mittelalter war Tormentillae rhizoma das wichtigste Heilmittel zur Behandlung von Diarrhoe bei Ruhr und Cholera. 

Literatur
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  1. Ammon H et al (2014).  Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH Berlin/Boston S 1447-1448

  2. Fecka I et al. (2015) Quantification of tannins and related polyphenols in commercial products of tormentil (Potentilla tormentilla). Phytochem Anal 26:353-366.

  3. Hoffmann J et al. (2016) Gerbstoffe aus Potentilla officinalis wirken entzündungshemmend im UV-Erythem-Test und bei Anwendung auf atopischer Haut. J Dtsch Dermatol Ges 14:917-923.
  4. Latte KP (2006) Potentilla erecta. Das aufrechte Fingerkraut. Z Phytother 27: 198-206
  5. Subbotina MD et al./2003) Effect of oral administration of tormentil root extract (Potentilla tormentilla) on rotavirus diarrhea in children: a randomized, double blind, controlled trial. Pediatr Infect Dis J 22:706-711.

  6. Volodina EV et al. (1997) The combined treatment of lichen ruber planus of the mouth mucosa. Stomatologiia (Mosk) 76:28-32.
  7. Kommission E: Tormentillae rhizoma.
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