Rosskastanie

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Aesculus hippocastanum; Gichtbaum; Kastanie; Pferde- und Saukastanie

Definition

Die Rosskastanie ist ein bis zu 35 m hoher, sommergrüner Baum mit dichter gewölbter Krone und kräftigem Stamm, der bis zu 200 Jahre alt werden kann. Im Frühjahr bilden sich dicke, kegelförmige, klebrige Knospen. Die großen Blätter sind 5- bis 7-fach gefingert und sitzen an langen Stielen. Im September/Oktober reifen die Früchte.

Aesculus hippocastanum ist Stammpfllanze der offinellen Zubereitungen von:

  • Hippocastani semen dem Rosskastaniensamen
  • Flores Hippocastani den Rosskastanienblüten
  • Hippocastani folium (Folia Hippocastani) den Rosskastanienblätter
  • Oleum Hippocastani dem Rosskastastanienöl
  • Cortex Hippocastani der Rosskastanienrinde. 

Allgemeine Information

Die Rinde wurde früher zur Behandlung von Fieber verwendet. Äußerlich werden Blüten und Blätter in unterschiedliche Zubereitungsformen bei schmerzhaften Verletzungen/Verstauchungen, Blutergüssen, Ödemen, Krampfadern, Schmerzen der Wirbelsäule, Kreislaufbeschwerden, Herzklopfen und Fließschnupfen eingesetzt.

Eine Paste aus den Samen soll bei Gicht und rheumatischen Beschwerden helfen (Gichtbaum).

Extrakte aus den Samen werden auch heute in der Medizin verwendet. Sie enthalten ein Gemisch aus pflanzlichen Wirkstoffen, wobei Aescin, ein Komplex biologisch aktiver Triterpensaponine, der bekannteste Hauptwirkstoff ist. Aescin wird gefäßabdichtende, venentonisierende und antiödematöse Wirkungen zugeschrieben. Eine ebenfalls venentonsierende Wirkung wird dem Aesculin zugeschrieben, einem glykosidischen Cumarinderivat. Präparate aus Rosskastanienextrakt werden bei kardialen und venösen Ödemen sowie bei Schmerzen und Schweregefühl in der unteren Extremität verordnet. Die Wirksamkeit konnte in verschiedenen Studien belegt werden.

Bereits im 19. Jahrhundert wurde über die Fluoreszenz von Aesculin, berichtet. 1929 beobachtete der deutsche Chemiker Paul Krais, dass Textilwaren (Wolle- und Flachsfasern) nach Behandlung mit Aesculin optisch aufgehellt erschienen. Vom Aesculin abgeleitet wurde 4-Methylumbelliferon, der erste industriell hergestellte optische Aufheller. 

Sog. Gletschersalben gegen Sonnenbrand können Extrakte aus ihren Knospen enthalten.

"Chestnut Bud" heißt die Essenz aus Rosskastanien-Knospen in der Bachblütentherapie

 

Therapie allgemein

Präparate: Aescorin® N Salbe, Anisan® Hämorrhoidal-Salbe S, Arthrodynat® Salbe, Augentropfen Stulln® mono, Intradermi® Fluid N, Trauma-cyl-Salbe, Varicylum® S Salbe, Venen-Fluid, Venostasin® N Salbe, Venotrulan® Salbe

Hinweis(e)

Blätter, Rezepte für Kastanienblätter-, -blüten- und -rindentees, Kastanienblütenessenz (als Badezusätze), Kastaniengeist, Kastanienextrakt, -tinktur und -brei sind in Reformhäuser und Apotheken zu erhalten.

Allergologisch spielen die Pollen der Kastanien keine wesentliche Rolle.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Suter A et al. (2006) Treatment of patients with venous insufficiency with fresh plant horse chestnut seed extract: a review of 5 clinical studies. Adv Ther 23: 170-190

Weiterführende Artikel (3)

Aescin; Hippocastani folium; Hippocastani semen;
Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017