Phytotherapeutika

Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Arzneipflanzen

Definition

  • Definitionsgemäß (nach ESCOP = European Scientific Cooperative on Phytotherapy, s.u. Phytotherapie) sind Phytotherapeutika-Arzneimittel, die als aktive Bestandteile ausschließlich "Pflanzen, Pflanzenteile oder Pflanzenbestandteile oder Kombinationen davon, in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand enthalten. Phytotherapeutika sind somit Stoffgemische und nicht Einzelsubstanzen. Ihre Wirkung resultiert aus der Summe ihrer Inhaltsstoffe. Eine chemische Isolierung eines einzelnen Arzneistoffs erfolgt nicht.
  • Klassische dermatologische Phytotherapeutika sind oder waren z.B. die verschiedenen Teere (Holzteere: Pix betulina, Pix fagi, Pix juniperi, Pix pinaceae oder Steinkohlenteer: Pix lithanthracis bzw. deren Extrakte - LIquor carbonis detergens), Ichthyol, Podophyllin oder das heute nicht mehr verwendete Antipsoriatikium Chrysarobin.
  • Eine Reihe aktueller Arzneistoffe sind zwar pflanzlichen Ursprungs, z.B. die Zytostatika Vincristin, Vinblastin, Taxol, Digitoxin und Atropin, jedoch keine Phytotherapeutika im engeren Sinne, da nur das Isolat oder seine chemische Abwandlungen arzneilich verwendet wird.

Unerwünschte Wirkungen

Mitchell und Rook führen in ihrem Werk "Botanical Dermatology" > 10.000 Arten von Arzneipflanzen auf, die als Ursache einer irritativen oder allergischen Kontaktdermatitis(-ekzem) beschrieben wurden. In Europa sind > 250 kontaktsensibilisierende Pflanzenfamiklien bekannt, worüber > 200 aus der Familie der Korbblütler (Kompositen) kommen. Hierbei spielt ihr Gehalt an Sesquiterpenlaktonen eine entscheidende Rolle. Allergologisch weiterhin relevant sind:

Hinweis(e)

  • Monografien erarbeiten z.B. der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (Committee for Herbal Medicinal Products, HMPC) die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) und die WHO. Weiterhin werden Materialsammlungen versch. Verbände (z.B. auf europäischer Ebene die Euro-Monografien der "European Scientific Cooperative on Phytotherapy - ESCOP") berücksichtigt. In den Staaten der EU müssen pflanzliche Fertigarzneimittel grundsätzlich, wie andere Fertigarzneimittel auch, gemäß den Bestimmungen des Arzneimittelrechts vor der Vermarktung behördlich zugelassen werden. Dazu sind Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachzuweisen.
  • Die Qualität der klinischen Studien wird zumeist nach einem "level of evidence, LOE" von A-D klassifiziert.
    • A = höchster Level mit randomisierten, klinisch kontrollierten Studien und Kohortenstudien
    • B = schlüssige, retrospektive oder untersuchende Kohortenstudien, Fallkontrollstudien, sowie Anschlussstudien aus A
    • C = Fallbeschreibungen oder Anschlussstudien aus B
    • D = Expertenmeinung ohne wissenschaftlichen Hintergrund, reine Laborforschung.
  • Die Entscheidung, welches Präparat verordnet wird, hängt von deren persönlicher Sicht auf Krankheit, Krankheitsmechanismen und auf die Heilpflanzen bzw. deren Wirkstoffe ab.
  • Ausgewählte, dermatologisch relevante Phytotherapeutika:

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Arberer W (2008) Kontaktallergie und Arzneipflanzen. JDDG 6: 15-24
  2. Mitchell JC et al. (1979) Botanical Dermatology. Vancouver, Greengrass

Verweisende Artikel (2)

Cytochrom-P450-Enzyme; Phytotherapie;
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