Petasitidis rhizoma

Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Synonym(e)

Butterbur (engl.); Kraftwurz; Pestwurzelstock; Petasides hybridus extract (INCI); Radix Petasides

Definition

Petasitidis rhizoma, auch Pestwurzwurzelstock genannt, ist eine Droge, die in pflanzlichen Arzneimitteln u.a. zur Behandlung von akuten und krampfartigen Schmerzen im Bereich der ableitenden Harnwege bes. bei Nephrolithiasis (Kommission E); weiterhin wird die Droge zur Migräneprophylaxe angewendet. In einzelnen Ländern (z.B. in der Schweiz) ist die Droge zur Behandlung der allergischen Rhinitis zugelassen.  

Inhaltsstoffe

Pestwurzelstock enthält Sesquiterpene wie Petasin, Neopetasin und Isopetasin, Schleimstoffe und toxikologisch bedenkliche Pyrrolizdinalkaloide mit 1,2 ungesättigtem Necingerüst und deren N-Oxide. Diese sind allerdings in Fertigarzneimitteln in so geringem Maße vorhanden, dass sie unter der Nachweisgrenze von 0,1 ppm liegen und zu vernachlässigen sind.

Wirkungen

Petasitidis rhizoma wirkt entzündungshemmend, krampflösend und schmerzlindernd. Darüber hinaus hemmt es die Leukotriensynthese und der Synthese des Enzyms COX-2.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Petasitidis rhizoma wird zur Prophylaxe einer Migräne und zur symptomatischen Behandlung einer akuten, allergischen Rhinitis (Zulassung in der Schweiz) eingesetzt. Weitere Indikationen sind Asthma bronchiale und akute und krampfartige Schmerzen im Bereich der ableitenden Harnwege (v.a. bei Nephrolithiasis).

Eine klinische, Plazebo-kontrollierte  Studie an 60 Patienten belegte die Wirksamkeit des Extraktes (50 mg Rhizomextrakt/Tag) in der Migräneprophylaxe.

Petasine, bizyklische Sesquiterpenalkohole, als auch der Gesamtextrakt  aus den Pestwurzblättern wirken blockierend auf die Freisetzung versch. Entzündungsmediatoren wie z.B. Beispiel Histamin. Dieser Effekt bildet die pahtogentische Gundlage für die Verbesserung der Symptome der allergischen Rhinitis. Nachweislich ist weiterhin eine Synthesehemmung von Leukotrienen. In einer randomisierten doppelblinden klinischen Studie an 125 Heuschnupfen-Patienten erwies sich ein Extrakt aus Pestwurzblättern gleich wirksam wie das Antihistamikum Cetirizin. Auf Grund einer relativ kurzen Halbwertzeit der Droge muss diese 4x/Tag eingenommen werden (Tesalin® ein Extrakt aus Petwurzelblättern ist in der Schweiz für die Indikation Rhinitis allergica zuglassen.

Topische Formulierung des Extraktes in einer Lipolotion sind bei atopsichem Ekzem in Erprobung. 

Kosmetik: Wurzelextrakte der Pflanze finden unter der Bezeichnung Petasides hybridus extract zur Pflege der Haut  Verwendung. 

Dosierung

Die Tagesdosis der Droge liegt zwischen 4,5 und 7 g. Sie sollte den Wert von 1 ug Pyrrolizidalkaloide mit 1,2 ungesättigtem Necingerüst einschließlich N-Oxide nicht überschreiten. 
Die Anwendungsdauer sollte 4 bis 6 Wochen im Jahr nicht überschreiten.

Unerwünschte Wirkungen

In wenigen Einzelfällen wurde von Leberschäden und lebertoxischen Reaktionen berichtet. Da die Erkenntnisse nicht gesichert sind und aus diesem Grund nicht als offizielle Nebenwirkung betrachtet wird, sollte bei einer vorher bestehenden Leberschädigung dennoch prophylaktisch von einer Anwendung abgesehen werden. 

Kontraindikation

Bei einer bestehenden Schwangerschaft oder während der Stillzeit sollte von einer Einnahme abgesehen werden. Kinder < 12 Jahre (für diese Altersgruppe liegen keine Erfahrungen vor).

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt.

Handelsnamen

Petadolex Kps (1-1-1/Tag p.o. oder 2-0-2)

Literatur
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  1. Chang LL et al. (2002) Effects of S-petasin on
    corticosterone release in rats. Chin J Physiol 45:137-142.

  2. Lee KP et al.(2015) Therapeutic effects of s-petasin on disease models of asthma and peritonitis.
    Biomol Ther (Seoul) 23:45-52.

  3. Shih CH et al. (2011)  S-Petasin, the Main Sesquiterpene
    of Petasites formosanus, Inhibits Phosphodiesterase Activity and Suppresses Ovalbumin-Induced Airway Hyperresponsiveness. Evid Based Complement Alternat Med 2011:132374.

  4. Thomet OA et al. (2001)  Differential inhibition ofinflammatory effector functions by petasin, isopetasin and neopetasin in human eosinophils. Clin Exp Allergy 31:1310-1320.

  5. Wang ZH et al. (2015)  Cytotoxic effect of s-petasin and iso-s-petasin on the proliferation of human prostate cancer cells. Anticancer Res 35:191-199.

  6. Schilcher H (2016) In: Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag München, S. 244 f.

 

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