Johanniskraut

Zuletzt aktualisiert am: 27.11.2017

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Synonym(e)

Bockskraut; Elfenblut; Herrgottsblut; Hypericum perforatum; Hypericum perforatum L.; Johanniskrautöl; Mannskraft; Mariabettstroh; St. John's Wort; Teufelsfluchtkraut

Definition

Johanniskraut oder Hypericum perforatum L. ist eine Pflanze aus der Fam. Hypericeae. Hypericum perforatum L. ist Stammpflanze der offizinellen Zubereitung (DAC86) von Hyperici herbae dem Johanniskraut.

Nach EB6 sind die Blüten von Hypericum perforatum als Ausgangsprodukte für das offizinelle Oleum Hyperici

Inhaltsstoffe von Hyperici herbae: In den Gewebslücken der Pflanze findet sich der rote Farbstoff Hypericin, ein Anthracenderivat;  weiterhin: Hyperforin, FlavonoideGerbstoffe (etwa 10%), ätherische Öle (0,5-1%) mit den Terpenen (alpha-Pinen, Myrcen).

Wirkungen

Intern: Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend, antidepressiv und angstlösend.

Extern: Die versch. Applikationsformen wirken antiinflammatorisch, antioxidativ, antibakteriell und antiviral. Die enthaltenen Gerbstoffe haben eine adstringierende Wirkung. Weiterhin scheint der Extrakt in Keratinoztytenkulturen eine stimulierende Wirkung zu haben. Die unterschiedlichen Effekte bedürfen weiterer differenzierter Untersuchungen.  

Indikation

 

Intern: Depressive Verstimmungszustände, nervöse Unruhe oder Angst.

Extern:

  • Dermatitis solaris: Oleum Hyperici (Johanniskrautöl) auch als Rotöl bezeichnet, wird als Wundheilmittel bei Verbrennungen 1. Grades und Dermatitis solaris ueingesetzt.
  • Atopisches Ekzem: Eine positive, randomisierte, Plazebo-kontrollierte Studie Halbseiten-Vergleichstudie liegt zum atopischen Ekzem mit einer 1,5% Creme-Applikation vor (Schempp 2003).  
  • Weiterhin als Öl oder Salbe zur Pflege spröder Haut oder alten Narben, Muskelrissen und Blutergüssen.

Komplikation(en)

Hellhäutige Menschen sollten während der Einnahme starke Sonnenbestrahlung oder auch Solarien meiden. Es kann eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Lichteinstrahlung entstehen. Diese kann noch durch die Applikation von Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ verstärkt werden. Eine erhöhte Photosensitivität kann auch bei lokaler Applikation auftreten. 

Dosierung und Art der Anwendung

Intern: Übliche Einnahmen als Tee, Kapsel, Tabletten Tropfen oder Pflanzensaft.

Teezubereitung: 1 ½ Teelöffel des Krautes mit einer Tasse Wasser überbrühen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Morgens und abends eine Tasse trinken. Anwendung möglichst über mehrere Wochen, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Extern: Äußerliche Anwendung als Johanneskrautöl (Oleum Hyperici); weiterhin in Salbenform.

 

Unerwünschte Wirkungen

Lichtsensibilisierung insbes. durch Hypericin, in der Tiermedizin bekannt als Hyperizismus. Im humanmedizinischen Bereich sind phototoxische Reaktionen beschrieben, u.a. Pseudoporphyrien.

Wechselwirkungen

Plasmaspiegel von Digoxin, Phenoprocoumon, Amitriptylin werden beeinflusst.

Kontraindikation

Systemisch:  Kinder < 12 J. Bekannte Lichtempfindlichkeit, schwere depressive Episoden, gleichzeitige Einnahme von Ciclosporin A, Tacrolimus u.a., Proteasen-Hemmstoffe in der HIV-Behandlung,  Imatinib u.a. Zytostatika, Antidepressiva (s.a. Einnahme von Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ).

 

Präparate

Arthrodynat® Salbe, Bedan-Creme® Befelka®-Oel, Buenoson® N-Salbe, Dolo-cyl® Öl - Muskel- und Gelenköl, Jarsin® Tabl. 300-750, Johanniskraut-ratiopharm®, Kytta-Salbe®, Phönox Kalophön-Salbe, Rhoival® Tee

 

Hinweis(e)

Johanniskraut hemmt nachgewiesen das Cyp3A4 (s.u. Cytochrom-P450-Enzyme). Dies führt dazu, dass seine Substrate verlangsamt abgebaut werden (Verlängerung der Wirksamkeit).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Apaydin EA et al.(2016)  A systematic review of St. John's wort for major depressive disorder. Syst Rev 5:148.
  2. Becker LC et al. (2014) Amended safety assessment of Hypericum perforatum-derived ingredients as used in cosmetics. Int J Toxicol. 33(3 Suppl):5S-23S.
  3. Golsch S et al. (1997) Reversible Erhöhung der Photosensitivität im UVB-Bereich durch Johanniskrautextrakt-Präparate. Hautarzt 48: 249-252
  4. Huang LF et al. (2014)  Hypericin: chemical synthesis and biosynthesis. Chin J Nat Med 12:81-88.
  5. Reichling J et al. (2003) St. John's Wort (Hypericum perforatum L.)--multicompound preparations versus single substances. Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd 10(Suppl1): 28-32
  6. Saller R et al. (2003) St. John's Wort (Hypericum perforatum): a plurivalent raw material for traditional and modern therapies. Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd 10(Suppl1): 33-40
  7. Schempp CM et al. (2003) Randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie, Halbseitenversuch Topical  treatment of atopic dermatitis with Hypericum cream. A randomised, placebo-controlled, double-blind half-side comparison study. Hautarzt 54: 248-253  
  8. Schulz V (2001) Incidence and clinical relevance of the interactions and side effects of Hypericum preparations. Phytomedicine 8:152-160.
  9. Wölfle U et al. (20149 Topical application of St. John's wort (Hypericum perforatum). Planta Med 80(2-3):109-120.
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