Dimeticon

Zuletzt aktualisiert am: 01.03.2018

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Synonym(e)

Dimeticone; Polydimethylsiloxan; Silikonöl

Definition

Langkettiges, chemisch inertes, klares Silikonöl, das sich nicht in Wasser oder Fett löst.  Als solches ist Dimeticon eine sehr stabile Substanz, die im Körper ausschließlich physikalisch wirkt und keinerlei chemische Reaktionen eingeht. Bestandteil von verschiedenen Salbengrundlagen. Produkte auf der Basis von Silikonen ersticken z.B. Läuse, indem sie in deren Atemöffnungen eindringen. Die derzeit zuvgelassenen Dimeticon-haltigen Pedikulozide sind alle als Medizinprodukte zugelassen. Sie unterscheiden sich in der Art des eingesetzten linearen Polydimdethylsiloxans. 

Wirkungen

  • Systemische Applikation: Hemmung und Auflösung von Blähungen und Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt durch Verringerung der Oberflächenspannung von Gasblasen, wodurch diese zerfallen (Vermeidung eines Blähbauches; Vermeidung von Gasschatten bei radiologischen und sonographischen Untersuchungen). Die frei werdenden Gase können dann von der Darmwand aufgenommen oder durch die Darmbewegungen Richtung Anus befördert und ausgeschieden werden.
  • Externe Applikation: Ausbildung eines luftdichten Filmes auf der Haut und an den Haaren. Hierdurch kommt es bei antiparasitärer Therapie zur Verstopfung der Atmungsöffnungen von Kopfläusen und Nissen oder anderen Parasiten, so dass diese ersticken.
  • In Cremes dient Dimeticon zum Hautschutz; es verbessert weiterhin das Hautgefühl für eine Creme.  

Indikation

Dermatologisch: Pediculosis capitis

Gastroenterologisch: Hemmung und Auflösung von Blähungen und Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt;

Dosierung und Art der Anwendung

  • Bei Pediculosis capitis:
  • Anwendung einer 4% Dimeticon-Applikation (EtoPril®): Auftragen auf Kopfhaut und Haare, kräftig einmassieren und mindestens 8 Stunden belassen. Anschließend mit einem Shampoo auswaschen und Läuse und Nissen mittels Nissenkamm auskämmen.
  • Anwendung einer 100% Dimeticon Applikation (Jacutin Pedicul®): Auf das trockene Haar auftragen und vollständig verteilen. 10 min. einwirken lassen. Haare mit einem dichten Kamm Strähne für Strähne auskämmen. Anschließend mit einem üblichen Haarshampoo  1-2x gründlich auswaschen. Prozedur nach 8-10 Tagen wiederholen.
  • Bei Blähungen:
  •  Zu oder nach den Mahlzeiten ein bis zwei Kautabletten einnehmen.

Rezeptur(en)

Präparate

  • Etopril (4% Dimeticon)
  • Nyda (ca. 90% Gemisch verschiedener Dimeticone)
  • Jacutin Pedicul Fluid (100% Dimeticon)

 

Hinweis(e)

Bei dem Dimeticon-Cyclometicon-haltigen Kopflausmittel Etopril wird vor einer hohen Entflammbarkeit gewarnt. Haare können mit dieser Substanzkombination leicht und heftigst brennen und sind kaum löschbar. Bei dem ausschließlich Dimeticon-haltigen Jacutin Pedicul Fluid besteht laut Hersteller kein erhöhtes Brandrisiko.

Begleitende Maßnahmen bei Kopfläusen:

  • Bettwäsche, Leibwäsche, Schlafanzüge und Handtücher wechseln.
  • Kleidung, Kuscheltiere, Schals und Gegenstände auf die Kopfläuse über direkten Kontakt gelangt sein könnten, für 3 Tage in einem Plastikbeutel fest verschließen und bei Raumtemperatur aufbewahren.
  • Kämme, Bürsten und Haarschmuck in heißer Seifenlösung reinigen.
  • Polster, Kissen, Decken,Teppichböden von lose anhaftenden Haaren per Staubsauger reinigen.     

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

 

  1. Ferrara Pet al. (2013)  Efficacy and Safety of Dimeticone in the Treatment of Lice Infestation through Prophylaxis of Classmates. Iran J Public Health 42:700-706
  2. Ihde ES et al. (2015) Safety and efficacy of a 100% dimethicone pediculocide in school-age children. BMC Pediatr 15:70
  3. Speare Bvsc R (2013) A single application of dimeticone is superior to two applications of permethrin in ridding head lice. J Pediatr 163:1531-1533

 

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