Chinin

Zuletzt aktualisiert am: 23.11.2016

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Definition

Alkaloid der Chinarinde. Ursprünglich wurde Chinin aus dem Chinarindenbaum gewonnen. Ältestes Antimalariamittel, aber Ende der fünfziger Jahre durch das wirksamere und besser verträglichere Chloroquin ersetzt.

Halbwertzeit

10–16 h

Wirkungen

Hemmung der Nukleinsäuresynthese durch Komplexbildung mit der DNA. Allgemeines Protoplasmagift, wirksam gegen Blutschizonten (ungeschlechtliche Form) aller vier Erreger der Malaria und Gametozyten von Pl. vivax und Pl. malariae.

Wirkungsspektrum

Alle humanpathogenen Plasmodium spp., incl. multiresistenter Erreger.

Indikation

  • Malaria: Malariaformen durch gegenüber Chloroquin und synthetischen Antimalariamitteln resistente Stämme, insbes. bei komplizierten Formen der Malaria tropica.
  • Wadenkrämpfe, z.B. Krampfzustände in den Beinen, die in Verbindung mit Diabetes mellitus, Varikosis, Thrombophlebitis, Arteriosklerose, Gelenkerkrankungen u. statischen Fußdeformitäten auftreten.

Eingeschränkte Indikation

Schwangerschaft (in hohen Dosen embryotoxisch: Augendefekte und Taubheit), SA-Block, AV-Block, Schenkelblock.

Dosierung und Art der Anwendung

  • Malariatherapie (Chininum hydrochloricum):
    • Erwachsene: 4-6mal/Tag 250 mg p.o. über 1 Woche.
    • Kinder: 3mal 10 mg/kg KG/Tag p.o. über 1 Woche.
  • Therapie multiresistenter Erreger:
    • Erwachsene: 4-6mal/Tag 250 mg p.o. über 1 Woche plus Tetracyclin 4mal 250 mg/Tag über 1 Woche.
    • Kinder: 3mal 10 mg/kg KG/Tag über 4 Tage, dann 3mal 15 mg/kg KG/Tag über 4 Tage.
    • Schwangere: 4-6mal/Tag 250 mg p.o. über 1 Woche.

Merke! Vor Therapiebeginn Bestimmung der Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase!

Unerwünschte Wirkungen

Chinchonismus (Ohrensausen, reversible Hörverluste, Sehstörungen, Übelkeit, Durchfälle, Kopfschmerzen), gastrointestinale Störungen, allergische Reaktionen, photoallergische Reaktionen, neurotoxische Störungen, Schwächung der körpereigenen Abwehr, Hypoglykämie, Atemdepression, Blutbildstörungen, Teratogenität, Blutzuckerabfall, Photosensibilisierung, Arrhythmien, Hypotonie, Erblindung.

Merke! Eine kumulative GD von 8 g führt zu toxischen NW (Chinchonismus) mit Störungen im Bereich des VIII. Hirnnervs und Beeinträchtigung des Sehvermögens!

Wechselwirkungen

S. Tabelle 2.

Kontraindikation

Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Gefahr der hämolytischen Anämie), Myasthenia gravis, Stillzeit, Tinnitus, Vorschädigung des N. opticus, Chininüberempfindlichkeit.

Präparate

Chininum hydrochloricum, Limptar N

Hinweis(e)

Die Chinarinde (auch Fieberrinde, Jesuitenpulver) wurde bereits in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts von spanischen Missionaren aus Peru nach Europa.   

Tabellen

Wesentliche Wechselwirkungen von Chinin

Antazida

Chinin-Toxizität ↑

Antikoagulantien, orale

Blutungsneigung ↑

Chinidin

Photosensibilisierung

Ciclosporin A

Ciclosporin A-Wirkung ↓

Herzglykoside

Glykosid-Spiegel ↑

Mefloquin

Krampfanfälle, Einnahme 12 Std. nach Chinin

Muskelrelaxantien

muskelrelaxierende Wirkung ↑

Pyrimethamin

Chinin-Toxizität ↑

Weiterführende Artikel (3)

Chinarindenbaum; Chloroquin; Malaria;
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