Berberin

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

5,6-Dihydro-9,10-dimethoxybenzo[g]-1,3-benzodioxolo[5,6-a]chinolizinium-Chlorid; berberine (engl.); CAS-Nr.: 2086-83-1; Natural Yellow 18

Definition

Alkaloid (Isochinolinderivat)  das u.a. in der Wurzel der gewöhnlichen Mahonie (Mahonia aquifolium) nachweisbar ist.

Berberin ist der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff von Radix und Cortex mahoniae.  

Weiterhin findet sich das Alkaloid u.a. in der Jamaikanischen Wurmrinde, in der Rinde von Xanthoxylum clava Herculis L. (Fam. Xanthoxyleae) nach Perrins, in Podophyllum peltatum, in der westafrikanischen Abeocouta-Rinde, in den Wurzeln von Hydrastis canadensis L. und in dem Ceylonischen Colomboholz.

Berberin wird in zahlreichen Ländern in unterschiedlichen Indikationen angewendet. Seine Wirkungen werden als antidiarrhoisch, antibakteriell, antifungal, und antiprotozoal beschrieben (Chen C et al. 2014). Berberin wird im Körper über Cytochrom P450 demethyliert und glucuronidiert sowie über Galle und Intestinaltrakt ausgeschieden. 

Wirkungen

Im Einzelnen wurden folgende Indikationen beschrieben:  

Einsatz bei neurologische Erkrankungen: Die exzessive Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies in neurogenem Gewebe ist einer der wichtigsten pathogenetischen Faktoren für neurodegenerative Erkrankungen. Ein therapeutisches  Potenzial von Berberin wird bei verschiendenen neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und Morbus Huntington gesehen.  

Antimikrobielle Wirkung: Gegenüber Bakterien und Amöben wirkt Berberin antiseptisch. Die Substanz zeigt schwache antibiotische Wirkungen wirkt gegen Helicobacter pylori. Weiterhin ist eine antivirale Wirkung (z.B. gegenüber Hepatitis-B-Viren) nachweisbar.

Antiabetische Wirkung: Berberin erhöht die Expression des Insulinrezeptors an der Oberfläche von Zellen. Dadurch wird der Gehalt an Glucose im Blut reduziert. Der Mechanismus ist grundlegend anderer Natur als derjenige von Metformin oder Rosiglitazon.

Antitumoröse Wirkung: Experimentell zeigt Berberin gegenüber verschiedenen Tumorzelllinien ein anti-neoplastisches Potenzial. Berberin wirkt apoptotisch.

Antiphlogistische Wirkung: Berberin deaktiviert Enzyme wie N-Acetyltransferase, Cyclooxygenase-2 (COX-2) und Topoisomerasen. Beberin wirkt als Radikalfänger.

Kardiale Wirkungen: Berberin wirkt antiarrhythmisch, indem es spezifisch Kaliumkanäle blockiert.

Lipidstoffwechsel: Berberin senkt den Cholesterin-Gehalt im Blut. Die Substanz ist als effizient in der Behandlung der Hyperlipidämie anzusehen; eine Kombination mit Simvastatin wirkt gegenüber einer Monotherapie additiv und ist möglich (Dong H et al. 2013)

Antipsoriatischer Effekt: Berberin wirkt antipsoriatisch (s.u. Psoriasis). Die ebenfalls in Mahoniae cortex und radix vorkommenden Benzylisoquinolinalkaloide Berbamine and Oxyacanthin scheinen eine stärkere antipsoriatische Wirksamkeit zu haben (der Gesamtextrakt ist  z.B. Rubisan® Creme und Salbe enthalten).

 

 

Literatur
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  1. Ahmed T et al.,(2015) Berberine and neurodegeneration: A review of literature. Pharmacol Rep 67:970-979.
  2. Chen C et al.(2014)Effects of berberine in the gastrointestinal tract - a review of actions and therapeutic implications. Am J Chin Med 42:1053-1070. 
  3. Dong H et al. (2013) The effects of berberine on blood lipids: a systemic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Planta Med 79:437-446.
  4. Kulkarni SK et al. (2010) Berberine: a plant alkaloid with therapeutic potential for central nervous system disorders. Phytother Res 24: 317–324
  5. Kumar A et al. (2015) Current knowledge and pharmacological profile of berberine: An update. Eur J Pharmacol 761:288-297. 
  6. Kuo C. L. et al. (2004) The anti-inflammatory potential of berberine in vitro and in vivo. Cancer Lett 203: 127–137
  7. Singh IP et al. (2013) Berberine and its derivatives: a patent review (2009 - 2012). Expert Opin Ther Pat 23:215-231. 
  8. Stermitz FR et al. (2000) Synergy in a medicinal plant: Antimicrobial action of berberine potentiated by 5′-methoxyhydnocarpin, a multidrug pump inhibitor. PNAS 97: 1433–1437
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