Aristolochiasäure

Zuletzt aktualisiert am: 08.05.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

3,4-Meethylendioxy-8-methoxy-10-nitrophenanthren-1-carbonsäure, Aristolochin; Aristolochic acid

Definition

Als Aristolochiasäuren werden verschiedene Derivate der Aristolochiasäure (Summenformel C17H11NO7) bezeichnet. Aristolochiasäure ist eine Pflanzensäure, ein gelbes, bitter schmeckendes Kristallpulver, das leicht löslich ist in Alkohol, Ether und Chloroform.   

Wirkungsspektrum

Die versch. Aristolochiasäuren sind sekundäre Pflanzenstoffe, toxische, aromatische Nitroverbindungen die in Arten der Gattungen Aristolochia (Pfeifenblumen), Asarum (Haselwurz), Saruma und Thottea, aus der Familie der Aristolochiaceae (Osterluzeigewächse) zu finden sind.Das Vorkommen von Aristolochiasäuren außerhalb der Familie der Aristolochiaceae ist bei Pflanzen nicht dokumentiert.

Verschiedene Aristolochiasäuren waren früher in einigen verbreiteten, vor allem aus der chinesischen Medizin stammenden, Schlankheitsmitteln sowie in Stärkungs-Tonika (z.B. Frauengold) enthalten. Verschiedene Präparate enthielten das Natriumsalz der Aristolochiasäure und wurden bei Infektionen als Immunstimulanzien eingesetzt.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Aristolochiasäure wirkt nachgewiesenermaßen nephrotoxisch und kanzerogen. So wird die sog. „Balkan-Nephropathie“ (s.u. akute tubulointerstitielle Nephritis), eine endemisch in einigen Regionen von Rumänien, Bulgarien und Serbien auftretende, chronisch-toxische, interstitielle Nierenerkrankung, durch Aristolochiasäuren verursacht (Turesky RJ et al. 2015). Es war dort üblich das Brotmehl mit Samen der gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) zu vermischen. Hierdurch kam es schleichend zu den toxischen Nierenschäden. Weiterhin ist Aristolochiasäure mutagen. Die Mutagenität beruht auf einer Transversion von A-T-Nukleotidpaaren nach T-A an verschiedenen Stellen im Genom.

In Deutschland gelten alle „Aristolochiasäure-haltigen Human- und Tierarzneimittel, einschließlich phytotherapeutischer und homöopathischer Arzneimittel, die unter Verwendung Aristolochiasäure-haltiger Pflanzen hergestellt werden“ als bedenklich. Ein Inverkehrbringen ist gemäß § 5 AMG somit verboten (www.bfarm.de/cln).

Ausgenommen sind homöopathische Arzneimittel, die Zubereitungen von Pflanzen der Aristolochia Asarum ab der Potenzstufe D11 enthalten (www.bfarm.de/cln). Für diese Potenzstufe wird ein vertretbares Risiko angenommen. Sie entspricht einer maximalen täglichen Exposition von 3,6 pg Aristolochiasäure.

Hinweis(e)

Aristolochiasäure findet sich in verunreinigten alternativen chinesischen Heilmitteln und war Auslöser der sog. in Belgien aufgetretenen „Chinese herb Nephropathy“, einer chronisch interstitiellen Nephritis, die zu einer langsam progredienten Niereninsuffizienz führte (Luciano RL et al. 2015).

Literatur
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  1. Debelle FD et al. (2008)  Aristolochic acid nephropathy: a worldwide problem. Kidney Int 74:158-169.
  2. Luciano RL et al. (2015) Aristolochic acid nephropathy: epidemiology, clinical presentation, and treatment. Drug Saf 38:55-64.
  3. Turesky RJ et al. (2015) Aristolochic acid exposure in Romania and implications for renal cell carcinoma. Br J Cancer 114:76-80.
  4. Yi JH et al. (2018) Effects of aristolochic acid I and/or hypokalemia on tubular damage in C57BL/6 rat with aristolochic acid nephropathy.  Korean J Intern Med 33:763-773.
  5. www.bfarm.de/cln_028/nn_1160684/SharedDocs/Publikationen/DE/ Pharmakovigilanz/stufenplverf/aristolochiaceae,templateId=raw, property=publicationFile.pdf/aristolochiaceae.pdf

Verweisende Artikel (1)

Akute tubulointerstitielle Nephritis;
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