Aphthen habituelle K12.0

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

chronisch rezidivierende Aphthen; habituelle Aphthe; habituelle Aphthen; Periadenitis mucosae necrotica recurrens; recurrent benign aphthosis; rezidivierende Aphthen; rezidivierende benigne Aphthosis

Erstbeschreiber

Heberden, 1802; von Mikulicz-Radecki u. Kümmel, 1898; Sutton, 1911

Definition

Ungemein häufige, meist harmlose Erkrankung mit Auftreten oberflächlicher, schmerzhafter Ulzera an der Schleimhaut.

Vorkommen/Epidemiologie

Bei 10-50% der Bevölkerung, meist Minortyp.

Ätiopathogenese

Ungeklärt, vermutlich multifaktorielle Auslösung bei entsprechender Disposition. Als Auslöser kommen Traumata, Magen-Darm-Störungen, hormonelle Beeinflussung (paramenstruelles Auftreten), Infektionen, Stress und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Nüsse, seltener Tomaten) infrage. Man denkt an eine immunologische bzw. autoimmunologische Fehlfunktion mit nachfolgender Zerstörung der Epithelzellen. Familiäre Häufung.

Manifestation

Beginn meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, aber auch schon im Kindesalter (mittleres Erkrankungsalter bei Kindern 9,6 Jahre); die Prävalenz nimmt mit steigendem Lebensalter ab. Es besteht eine Gynäkotropie.

Lokalisation

Mundschleimhaut (bevorzugt Umschlagfalte im Vestibulum oris) und Seitenränder der Zunge, v.a. vorderes Drittel der Mundhöhle.

Klinisches Bild

Typisch ist das über Jahre (mittlere Erkrankungsdauer liegt bei 3,6 Jahren)  rezidivierende Auftreten (Häufigkeit der Rezidive zwischen Wochen und Monaten schwankend) einzelner oder mehrerer stecknadelkopf-, seltener linsengroßer oder auch 3,0-5,0 cm großer, meist sehr schmerzhafter Erosionen oder Ulzerationen mit hochrotem Randsaum im Bereich der Schleimhaut. Seltener kann initial ein kleines serh schnell erodiertes, schmerzhaftes Bläschen beobachtet werden. Die Schmerzhaftigkeit erschwert Essen und Trinken (v.a. Säure-haltige Fruchtsäfte). Begleitsymptome sind vermehrter Speichelfluss sowie Foeter ex ore.   

Unterschieden werden 3 Typen:

  • Minortyp (80%): Wenige Erosionen oder flache Ulzera; Größe: < 0,3-05 cm; Allgemeinsymptomatik.
  • Majortyp (Typ Sutton; 10%): Wenige, tiefe, bis 3 cm im Durchmesser große Ulzera, häufig regionäre Lymphadenitis, mäßiges bis hohes Fieber; allgemeines Krankheitsgefühl.
  • Herpetiforme Aphthen (10%): Sehr zahlreich; Größe: < 0,3 cm; disseminiert, Erosionen oder flache Ulzera; gesamte Mundschleimhaut, ähnlich einer Gingivostomatitis herpetica. Jahre- bis jahrzehntelanger periodischer Verlauf. Kurze erscheinungsfreie Intervalle.

Histologie

Nicht aussagefähig. Biopsie nicht zu empfehlen.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Naturheilkunde

  • Gerbstoffdrogen:  Gerbstoffdrogen wirken anitinflammatorisch, schwach antimikrobiell und wundheilungsfördernd. Die Läsionen können mehrfach täglich mit einer unverdünnten Salbei- oder Tormentilltinktur eingepinselt werden. Alternativ ist eine Tinktur aus Rhataniawurzeln geeignet.   
  • Ätherisch-Öl-Drogen: die ätherisch-Öl-Drogen wie  Gewürznelkenöl, Kamillenblüten (Kamillosan Lösung), Myrrhe (10% Myrrhetinktur), Salbeiblätter (wässrige Lösung mit 1-5% Salbeiblätteröl)  und Thymiankraut (10% Thymiantinktur) wirken antibakterielle, virustatisch, antimykotisch und z.t. auch lokal antiphlogistisch. Sie sind bei habituellen Aphthen als "Alternativtherapie" gut geeignet.
  • Alternativ sind auch Kombinationen geeignet: (s.u. Tormentill-Myrrhe-Adstringens (NRF 7.1.)     

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Belenguer-Guallar I et al. (2014)Treatment of recurrent aphthous stomatitis. A literature review. J Clin Exp Dent 6e:168-174

  2. Gürkan A et al. (2015) Recurrent Aphthous Stomatitis in Childhood and Adolescence: A Single-Center Experience.
    Pediatr Dermatol doi: 10.1111/pde.12577 
  3. Heberden W (1802) Commentaries on the History and Cure of Diseases. T. Payne (ed.), London
  4. Sutton RL (1911) Pariadenitis mucosa necrotica recurrens. J Cutan Dis 29: 65-71
  5. von Mikulicz-Radecki J, Kümmel WF (1898) Die Krankheiten des Mundes. In: Die Krankheiten des Mundes. Gustav Fischer, Jena

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017