Aloe

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Aloe barbadensis extract; Aloe-Emodin; Bärengalle; Succus Aloes inspissatus

Definition

Als Aloe wird der stabilisierte Saft aus  Aloe-Blättern versch. Aloe-Arten bezeichnet. Dieser Saft wirkt antientzündlich und antibakteriell und wird v.a. in der Kosmetik angewendet.
Die pharmazeutisch genutzten Extrakte werden je nach Herkunft bezeichnet:

  • Curacao Aloe (Aloe barbadensis) besteht aus dem eingedickten Saft der Blätter von Aloe barbadensis Miller, der in entsprechenden Applikationen und Dosierungen verabreicht werden kann.
  • Kap Aloe (Aloe capensis), besteht aus dem eingedickten Saft der Blätter v.a. von Aloe ferox.

 

Inhaltsstoffe

Beide Drogen unterscheiden sich graduell in der Zusammensetzung ihrer Wirkstoffe. Sie enthalten Anthranoide (Bezeichnung für natürlich vorkommende Anthracenderivate) wie Aloin dem stark laxierend wirkenden Hauptwirkstoff (Aloin ist außerhalb des Wasserspeichergewebes der Blätter unter der Blattrinde lokalisiert).

Weiterhin finden sich die Chromon-Derivate Aloesin, Aleoson, Aloenin (ein Bitterstoff) sowie in eher geringer Konzentration (<1%) das 1,8 Dihydroxyanthrochinonderivat  Aloe-Emodin (s.u. Emodine). Nach Ph.Eur. 2 enthält Aloe capensis (Kap-Aloe) mindestens 18% Aloin, Aloe barbadensis (Curacao Aloe) mindestens 28% Aloin.

Vorkommen

Die pharmazeutische Droge Aloe  wird als Extrakt aus Aloe vera, der offizinellen Stammpflanze, durch Eindampfen bis zur Trocknung gewonnenen. 

Durch 2 graduell unterschiedliche Verarbeitungsweisen des Extraktes werden die folgenden Ausgangssubstrate gewonnen: 

  • Aloe hepatica: Entsteht durch langsames, schonendes Eindampfen an der Sonne oder im Vakuum als mattbrauner leberfarbene Festprodukt (sogenannter "Aloe-hepatica-Typ").
  • Aloe lucida: Entsteht durch rasches Eindampfen als tiefbrauner, glasig erscheinender Festprodukt (sogenannter "Aloe-lucida-Typ").

Aloe ist von stark bitterem Geschmack, ist wenig löslich in kaltem, sehr gut löslich in heißem Wasser.

Als Arzneimittel werden bezeichnet:

  • Curaçao-Aloe (Barbados Aloe) wird aus Aloe barbadensis Miller (Aloe vera Linné) enthält als wesentlichen Inhaltsstoff den stark abführend wirkenden 1,8-Dihydroxyanthracen-Abkömmling Aloin.
  • Kap-Aloe (Aloe capensis) wird v.a. aus Aloe ferox Miller Art gewonnen.

Wirkungsspektrum

Systemische Wirkungen: 1,8-dihydroxyanthracenderivate hat eine stark laxierende Wirkung. Die beta-glykosidischen gebundenen Glykoside sind wahrscheinlich Prodrugs, die erst im Dickdarm durch bakterielle Enzyme  zu Aloe-Emondinanthron katalysiert werden. Aloe-Emondinanthron ist der eigentliche Wirkstoff mit den laxierenden Eigenschaften.  

Externe Wirkungen: Bei äußerlicher Anwendung (Salben und Gels) wird der antientzündliche und antiseptische Effekt genutzt.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Aloe ist ein fester Bestandteil in der Phytotherapie und der modernen Kosmetik. Bei äußerlicher Anwendung (Salben und Gels) wird dem Saft der Aloe ein positiver Effekt auf Juckreiz von Insektenstichen zugeschrieben.

Weitere Indikationen sind Sonnenbrand (Aloe Gel), Acne vulgaris und Psoriasis vulgaris. Durch ihre antiseptische Eigenschaft eignet sich Aloe Vera auch zur Wundbehandlung.

Dosierung

Als Abführmittel 0,2-0,25g Kap-Aloe. Als Bittermittel 0,05-0,1g Kap-Aloe. Applikationsformen sind Pilulae laxantes, Extractum Aloes siccum normatum (Ph.Eur.2): Tinctura Aloes.  

Unerwünschte Wirkungen

Nebenwirkungen bei systemischer Applikation: Bei längerer Einnahme mögliche Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt; Kaliumverluste. Gefahr der Neprotoxizität (Proteinurie, Hämaturie). Die therapeutische Bedeutung der „Aloe“ ist in der Systemtherapie deutlich zurückgegangen, da  für die Indikationen besser verträgliche Stoffe existieren.

 

Handelsnamen

Phönix Kalophön-Salbe

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