Adonidis herba

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Adoniskraut

Definition

Adonidis herba, auch Adoniskraut genannt Adonidis herba wird als pflanzliches Arzneimittel bei Herz- und Kreislaufbeschwerden verwendet. Es wird aus seiner Stammpflanze Adonis vernalis L. dem Frühlings-Adonisröschen  gewonnen. Bemerkung: Die arzneiliche kardiotherapeutische Nutzung von Adonidis herba spielt heute keine wesentliche Rolle mehr, da es deutlich besser wirksame und steuerbare Kardiotherapeutika gibt. 

Inhaltsstoffe

Wirksamkeitsbestimmende Inhaltstoffe sind: enthält die Cardenolide Adonidosid, Adonivernosid, Cymarin und das Hauptglykosid Adonitoxin (ein Digitalis ähnliches Glykosid). Weitere Inhaltsstoffe sind unter anderem Flavone.

Wirkungen

Adonidisherba wirkt zentral sedierend; weierhin positiv inotrop und venentonisierend. Im Gegensatz zu Digitalis wirkt das Adoniskraut schneller, jedoch weniger nachhaltig. 

Anwendungsgebiet/Verwendung

Adoniskraut wird bei leicht eingeschränkten Herzleistungen (Herzinsuffizienz Stadium I-II) vor allem mit nervöser Begleitsymptomatik eingesetzt. Darüber hinaus findet es in Anwendung bei funktionellen Herzbeschwerden und Kreislauflabilität mit nervöser Begleitsymptomatik, die noch nicht einer Digitalisierung bedürfen.

Dosierung

Die gebräuchliche, mittlere Tagesdosis liegt bei 0,6 g Adonispulver. Die maximale Einzeldosis beträgt 1,0 g, die maximale Tagesdosis liegt bei 3,0 g. 

Rezeptur(en)

Fixe Kombination: Eine Fixe Kombination aus Adonidis herba (Adoniskrautflüssigextrakt), Convallariae herba (Maiglöckchenkrauttrockenextrakt), Scillae bulbus (Meerzwiebeltrockenextrakt) und Oleandri folium (Oleanderblättertrockenextrakt)

beeinflusst die Erregungsleitung des Herzens negativ und die Reizschwelle des Herzens positiv.

Indikationen: Fixe Kombinationen dieser Zusammensetzung werden bei einer eingeschränkten Herzleistung mit einhergehender Kreislauflabilität verwendet.

Kontraindikationen: Bei einer bestehenden Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien III und IV, während einer Therapie mit Digitalisglykosiden, Kaliummangel, Digitalisintoxikation, Bradykardie oder einer ventrikulären Tachykadie sollte auf eine Einnahme verzichtet werden.

Unerwünschte Wirkungen: Es kann in seltenen Fällen zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Magenbeschwerden, unregelmäßigem Puls oder Herzrhythmusstörungen kommen.

Wechselwirkungen: Bei einer gleichzeitigen Einnahme von Kalzium, Chinidin, Saluretika, Laxanzien oder bei einer Langzeittherapie mit Glukokortikoiden, kann es zu einer Steigerung der Wirkungen und Nebenwirkungen kommen.

Dosierung:
Bei Erwachsenen liegt die Tagesdosis an festen und einzeln dosierten Darreichungsformen zwischen 270 und 540 MSE, bei flüssigen Darreichungsformen 3101 MSE.
Die Extrakte werden dabei in einem Verhältnis von 25 : 15 : 25 : 25 gemischt. 

Für flüssige Darreichungsformen entstehen pro 100 ml folgende Zusammensetzungen:
Adoniskrautflüssigextrakt 5,99 mg Gesamtglykoside (= 5.000 MSE), Maiglöckchenkrauttrockenextrakt 0,97 mg Gesamtglykoside (=3.125 MSE), Meerzwiebeltrockenextrakt 1,73 mg Gesamtglykoside (=5.000 MSE) und Oleanderblättertrockenextrakt 0,86 mg Gesamtglykoside (=5.000 MSE).

Handelsnamen

Fertigpräparate sind nicht bekannt. Kombinationspräparate von Adonisröschenkraut+ Maiglöckchenkraut (Convalleriae herbae)  +Meerzwiebel (Scillae bulbus) +Oleanderblätter (Oleandri folium) finden breite  Verwendung (Mirotonlösung®). Soweit nicht anders verordnet nehmen Erwachsene und Heranwachsende ab 12 Jahren 1 - 3mal täglich 20 - 30 Tropfen (max. 60 Tropfen täglich) ein. 

Hinweis(e)

Fertigarzneimittel des Adoniskrauts sind heute nicht mehr im Handel erhältlich. Auch von der Verwendung individueller Rezepturen wird abgeraten, da die aus Wildbeständen stammende Pflanze je nach Standort und Erntezeit unterschiedliche Mengen der Wirkstoffe enthalten und eine Standardisierung der Substanzen so nicht möglich ist.

Literatur
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  1. Schlicher H (2016) Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag, München, S. S46.
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