Wellmittel

Zuletzt aktualisiert am: 03.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dauerwellmittel

Definition

Eine dauerhafte Umformung des Haares wird erreicht, indem die Disulfidbrücken des Haarkeratins aufgebrochen und nach Umformung wieder  verknüpft werden. Somit können glattes Haar gewellt werden, krauses Haar geglättet werden. Die wichtigsten Chemikalien für die Haarwellung sind Derivate der Thioglykolsäure.

Allgemeine Information

Thioglycolsäure ist eine farblose, flüssige Verbindung (Summenformel C2 H4 O2 S), die chemisch zur Gruppe der Thiole gehört, die an Stelle eines Sauerstoffatoms ein Schwefelatom enthalten. Die Säure ist mischbar mit Wasser, Ethanol, Chloroform, Toluol und Diethylether. Die Salze/Ester der Thioglycolsäure werden als Thioglycolate bezeichnet.

Als Dauerwellenflüssigkeit wird i.A. 1%-10% Ammoniumthioglycolat verwendet, ein Ammoniumsalz der Thioglycolsäure (im Friseurbereich als Entwickler bezeichnet). Hierbei kommt es zu einer molekularen Verschiebung innerhalb des Keratins (die Disulfidbrücken zwischen 2 Cystein-Einheiten des Keratins werden gelöst).

Ammoniumthioglycolat:  Aus allergologischer Sicht hat Ammoniumthioglycolat eine eher schwache sensibilisierende Potenz (Uter W 2017). Hierzu im Gegensatz steht das Glycerylthioglycolate (INCI) auch als Glycerylmonothioglykolat (GMTG) bezeichnet, das bei seinem Einsatz eine hohe Rate an Kontakallergien hervorrief. Es wird heute weitgehend gegen Ammoniumthioglycolat ersetzt.

Weitere Thioglycolate in kosmetischen Anwendungen:

Kaliumthioglycolat: Das Kaliumsalz der Thioglycolsäure wird unter der INCI-Bezeichnung "Potassium thioglycolate"  als Enthaarungsmittel verwendet.

Calciumthioglycolat: Das Kalziumsalz der Thioglycolsäure wird unter der INCI-Bezeichnung "Calcium thioglycolate"  als Enthaarungsmittel verwendet.

 

Literatur
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  1. Borelli S (1957) Toxic and allergic reactions to organic sulfur compounds in permanent-wave preparations. III. Investigations of the comparative tolerance of  ammonium- and sodium-thioglycolate solutions. Hautarzt 8:247-251.
  2. Engasser P (2000) Type I and type IV immune responses to glyceryl thioglycolate. Contact Dermatitis 42:298.
  3. Helaskoski E et al. (201) Prick testing with chemicals in the diagnosis of occupational contact urticaria and respiratory diseases. Contact Dermatitis 72:20-32.
  4. Silva EA et al. (2012) Study of the frequency of allergens in cosmetics  components in patients with suspected allergic contact dermatitis. An Bras Dermatol 87:263-268.
  5. Uter W (2017) Friseurallergene. Allergo J 26: 20-23
  6. Valks R et al. (2005) Contact dermatitis in hairdressers, 10 years later: patch-test results in 300 hairdressers (1994 to 2003) and comparison with previous study. Dermatitis16: 28-31.

Verweisende Artikel (1)

Glyceryl thioglycolate (INCI);

Weiterführende Artikel (2)

Glyceryl thioglycolate (INCI); Thioglycolsäure;
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