Von-Hippel-Lindau-Syndrom Q85.8

Zuletzt aktualisiert am: 17.06.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Angiomatosis cerebelli et retinae; (e) Cerebroretinal angiomatosis; (e) Lindau's disease; Enzephaloretinale Angiomatose, Angiomatosis cerebelli et retinae, Netzhautangiomatose, Familiäre retinozerebelläre Angiomatose; (e) von Hippel-Lindau syndrome; Familiäre Retino-zerebelläre Angiomatose; OMIM: 193300; ORPHA:892; Retino-zerebelläre Angiomatose, familiäre; Retino-Zerebelläre Angiomatose Hippel-Lindau; VHS; Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom; von-Hippel-Lindau-Krankheit

Erstbeschreiber

von Hippel, 1895; Lindau, 1926

Definition

Die von-Hippel-Lindau-Krankheit (VHS) ist eine autosomal-dominat vererbte, neuro-kutane Systemerkrankung mit Naevus flammeus, verschiedenen malignen und benignen Neoplasmen, am häufigsten retinale, zerebelläre und spinale Hämangioblastome, Nierenzellkarzinome (RCC) und Phäochromozytome.

 

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz: 1-9 / 100 000

Ätiopathogenese

Nachweislich sind hoch-penetrante Mutationen (meist Keimbahnmutationen) im VHL-Gen (3p25.3), einem klassischen Tumorsuppressor-Gen das für das gleichnamige Protein „Von Hippel-Lindau Tumor Suppressor“ (pVHL) kodiert. Das VHL-Tumorsuppressorprotein spielt eine Schlüsselrolle bei der zellulären Sauerstoffmessung, indem es auf durch Hypoxie induzierbare Faktoren für die Ubiquitylierung und den proteasomalen Abbau abzielt.

Manifestation

Säuglingsalter, Kindesalter, Jugendalter, Erwachsenenalter bis 7. Lebensjahrzehnt; das mittlere Diagnosealter liegt bei 26 Jahre.

Klinisches Bild

Die Symptome des Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndroms können bei den betroffenen Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen primär von der Größe und Lokalisation der Tumoren ab. Zu den häufigsten Symptomen zählen Allgemeinssymptome wie:

  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Hypertonie
  • Neurologische Symptome 
  • Visusstörungen (häufig Initialsymptom)
  • Hirndruckzeichen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • zerebelläre Ataxie

Klinisches Bild

Haut: Naevus flammeus 

Auge: Retinale Hämangioblastome sind das häufigste erste Zeichen (in 50 % der Fälle multiple und bilateral). In der Regel sind sie symptomlos, können aber Netzhautablösung, Makulaödem, Glaukom und Visusverlust hervorrufen.

ZNS: Hämangioblastome des Zentralnervensystems (ZNS) sind das erste Symptom in etwa 40 % der Fälle, insgesamt treten sie bei 60-80 % der Patienten auf. Am häufigsten liegen sie im Kleinhirn, aber auch im Hirnstamm und Rückenmark. Sie sind gutartig, verursachen aber Symptome durch Druck auf benachbartes Nervengewebe. Bei Tumoren im Kleinhirn sind die häufigsten Symptome erhöhter Schädelinnendruck, Kopfschmerzen, Erbrechen und Ataxie der Gliedmassen oder des Stamms.

Zystenbildungen: Sehr häufig nachweisbar sind multiple Nierenzysten. Weiterhin finden sich Zysten im Pankreas und der Leber.

Geschwulstbildungen in: Niere (Hypernephrom), Nebennieren (Phäochromozytom) Leber (Kavernome) und Pankreas (Inselzell-Tumoren bei etwa 10% der Patienten).

Sonstiges:

  • Epididymale Zysten und Zystadenome treten bei 60 % der männlichen Patienten auf. 
  • Geschwülste des endolymphatischen Sacks (ELST) werden bei bis zu 10% der Patienten gefunden und können Ursache eines Hörverlustes sein.
  • Selten (0,5%) sind Paragangliome des Kopfes und Halses. Das mittlere Diagnosealter dieser Tumoren ist bei der VHL erheblich jünger als bei sporadischen Fällen.

Über erhebliche intrafamiliäre Variabilität wurde berichtet.

Diagnose

Die Diagnose kann schon über einen einzigen typischen Tumor (retinale oder ZNS-Hämangioblastome oder Nierenzellkaarzinom) und eine positive Familiengeschichte von VHL gestellt werden. Bei fehlender Familiengeschichte (etwa 20% sind Neumutationen) ist für die Diagnose das Vorhandensein mehrerer Tumoren (z.B. 2 Hämangioblastome oder 1 Hämangioblastom und 1 RCC) erforderlich.

Bildgebende Verfahren dienen dem Nachweis von ZNS-Tumoren, Phäochromozytom, Tumoren des endolymphatischen Sackes, Nierentumoren und Nieren- und Pankreaszysten.

Therapie

Interdiszipilnärer ophthalmologischer, neurologischer und chirurgischer Therapieansatz.

Literatur
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  1. Cushing H, Bailey P (1928) Hemangiomas of cerebellum and retina (Lindau's disease), with the report of a case. Arch Ophthal 57: 447-463
  2. Lindau A (1926) Studien über Kleinhirncysten. Bau, Pathogenese und Beziehungen zur Angiomatosis retinae. Doctoral thesis. Acta pathologica et microbiologica Scandinavica (Copenhagen) 3 (supplement): 1-128
  3. von Hippel E (1895) Vorstellung eines Patienten mit einem sehr ungewöhnlicher Netzhaut beziehungsweise Aderhautleiden. Bericht über die 24. Versammlung der Ophthalmologischen Gesellschaft in Heidelberg 24: 269

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