Urämische Gastroenteropathie

Zuletzt aktualisiert am: 31.07.2020

Autor: Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Synonym(e)

Gastroenteropathie, urämische

Definition

Die urämische Gastroenteropathie zählt zu den Spätsymptomen einer Urämie (Herold 2020).

Ätiologie

Ätiologisch liegt der Urämie eine chronische Nierenerkrankung (CKD) im Endstadium zu Grunde (Herold 2020).

Pathophysiologie

Zur urämischen Gastroenteropathie kommt es durch die toxische Wirkung der harnpflichtigen Substanzen im Blut (Kuhlmann 2015).

Manifestation

Heutzutage wird in unseren Breiten eine urämische Gastroenteropathie kaum noch beobachtet (Herold 2020).

Klinisches Bild

Bei urämischen Patienten treten oft auf:

  • Gastritis
  • Ulkuserkrankung
  • Schleimhautulzerationen im Bereich des gesamten Gastrointestinaltraktes (Kasper 2015)
  • Gastroparese (besonders bei gleichzeitig bestehendem Diabetes mellitus)
  • Neigung zu Divertikulitis (durch die Obstipation bedingt) (Kuhlmann 2015)

Unter adäquater Dialysebehandlung können auftreten:

  • Oberflächengastritis
  • atrophische Gastritis
  • Mukosahypertrophie
  • Duodenitis
  • Infektionen mit Helicobacter- Bakterien sind jedoch nicht häufiger als bei der Allgemeinbevölkerung (Keller 2010)

Die Patienten klagen oftmals über:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • abdominelle Schmerzen
  • gastrointestinale Blutungen
  • Obstipation (kann sich durch Eisen- und Kalziumsubstitution noch verschlechtern) (Kasper 2015)
  • Diarrhoe (Keller 2010)
  • Anorexie
  • Dysgeusie (metallische Geschmacksempfindung durch den Abbau von Harnstoff) (Kasper 2015)

Diagnostik

Inspektion: Foetor uraemicus (entsteht durch den Abbau von Harnstoff zu Ammonium im Speichel) (Kasper 2015)

Bioimpedanzmethode: Mit Hilfe der Bioimpedanzmethode (BIA) lässt sich die fettfreie Masse im Verhältnis zum Extrazellulärvolumen abschätzen. Diese Methode findet besonders in Deutschland Anwendung. In anderen Ländern wird häufig die sog. „Dual- energy- x- ray- absorptiometry“ (DEXA) angewandt. (Kasper 2015)

Bildgebung

Endoskopische Diagnostik entsprechend der Symptomatik

Labor

  • Großes Blutbild (normochrome, normozytäre Anämie) (Herold 2020)
  • FGF 23 (Kassumeh 2016)
  • Blutzuckerbestimmung und ggf. HbA1c- Wert
  • Serumkreatinin
  • eGFR berechnen
  • Eisen
  • Ferritin
  • Transferrinsättigung
  • Vit. B 12
  • Folsäure
  • Blutgasanalyse (eine metabolische Azidose kann bei fortgeschrittener CKD auftreten)
  • Kalium (Gefahr der Hyperkaliämie)
  • Chlorid (Gefahr der Hyperchlorämie, diese kann bereits in frühen Stadien auftreten) (Kasper 2015)
  • Kalzium
  • Serum- Phosphatbestimmung (oftmals besteht eine Hyperphosphatämie)
  • Parathormon (u. U. erhöht)
  • Vitamin D (Weckmann 2019)
  • Urinuntersuchung:
    • Proteinurie (Weckmann 2019)
    • Albuminurie (die Albuminurie stellt den wichtigsten Risikofaktor für eine Progression der CKD und für die Entwicklung eines kardiologischen Risikos dar [Herold 2020])
    • Hämaturie (Weckmann 2019)
    • Eiweißbestimmung im 24 h- Urin (Woolliscroft 2013)

Komplikation

Sehr selten kann eine viszerale Amyloidose bei Langzeit- Dialysepatienten auftreten.  Diese wird ist Beta2- Mikroglobulin induziert (Kuhlmann 2015). 

Therapie

Das Auftreten einer urämischen Gastroenteropathie stellt eine Indikation zur Dialyse bzw. zur Optimierung der Dialysedosis dar (Kasper 2015).

Diätetisch kann die Restriktion von Eiweiß insbesondere hinsichtlich der Übelkeit und Erbrechen hilfreich sein. Damit es durch die Eiweißrestriktion aber nicht zu einer Eiweißmangelernährung kommt, sollte der Patient durch eine Diätassistentin beraten werden (Kasper 2015).

Hinweis(e)

Gemieden werden sollten bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) ulzerogene Medikamente wie z. B.:

  • NSAID
  • Steroide
  • ASS (Keller 2010)

 

Literatur
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  1. Herold G et al. (2020) Innere Medizin. Herold Verlag S 642
  2. Kasper D L et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education S 2426
  3. Kasper D L et al. (2015) Harrisons Innere Medizin. Georg Thieme Verlag S 2234
  4. Kassumeh S et al. (2016) Nephrologie und Rheumatologie. Urban und Fischer Verlag S 46 – 51
  5. Keller C K et al. (2010) Praxis der Nephrologie. Springer Verlag S 212 - 213
  6. Kuhlmann U et al. (2015) Nephrologie: Pathophysiologie - Klinik – Nierenersatzverfahren. Thieme Verlag S 445 – 446
  7. Weckmann S et al. (2019) S 3- Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nichtdialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis. AWMF-Registernummer: S 053 – 048
  8. Woolliscroft J (2013) Diagnose- und Therapielexikon für den Hausarzt: Die wichtigsten Erkrankungen von A – Z. Springer Verlag S 294 - 295
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