Strongyloidose B78.1

Zuletzt aktualisiert am: 18.11.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Larva currens

Erstbeschreiber

Leuckart, 1883; van Durme 1901; Looss, 1905; Fülleborn, 1914

Definition

Parasitäre Nematoden-Erkrankung durch Strongyloides spp.

Erreger

Strongyloides stercoralis, Strongyloides fuelleborni

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit sind mehr als 70 Millionen Menschen infiziert; in Endemiegebieten sind bis zu 60% der Bevölkerung befallen.

Meist in subtropischen oder tropischen Gegenden, insbes. Südostasien, Afrika u. Südamerika verbreitet. Selten in Europa (insbes. in Bergwerken).

Stark gehäuftes Auftreten bei Patienten mit HIV-Infektion.

Ätiopathogenese

Die infektionstüchtigen filariformen Larven dringen in die Haut ein (meist beim Barfußgang) und gelangen via Blutkreislauf über Lunge und Trachea in den Gastrointestinaltrakt. Weibliche Zwergfadenwürmer legen in der Mukosa von Duodenum und Jejunum Eier ab, aus denen nicht infektionstüchtige Larven schlüpfen (3 Wochen nach Infektion im Stuhl nachweisbar). Im Rektum Weiterentwicklung zu infektionstüchtigen Larven. Diese durchdringen im Gesäßbereich wiederum die Haut (Autoinfektion).

Manifestation

Auftreten ist in jedem Alter möglich. In Endemiegebieten Befall meist während der Kindheit.

Klinisches Bild

Am Eintrittsort der Erreger bilden sich kleinfleckige juckende Erytheme und Papeln, Petechien sowie ekzematöse Veränderungen (sog. Bodenkrätze).

Larva currens, eine Sonderform der Larva migrans, kann als Symptom der äußeren Autoinfektion im Gesäßbereich oder an anderen Körperregionen auftreten. Hier imponieren einzelne oder mehrere, bandartige, lang gestreckte Urticae, die sich innerhalb von Stunden bis Tagen ausbilden, intervallweise verschwinden und wiederauftreten. Diese typischen Morphen entstehen durch die Larvenwanderung in Haut und Unterhaut.

Außerdem sind unspezifische Hautreaktionen möglich, insbes. makulopapulöse oder urtikarielle Exantheme oder Prurigo.

Gastrointestinale und pulmonale Symptome können auftreten.

Bei immunsupprimierten Patienten kann es zu einer schweren, generalisierten Strongyloidose kommen, die unbehandelt auch letal enden kann.  

Diagnose

Nachweis der mobilen Larven im frisch abgesetzten Stuhl (meist ist die Untersuchung mehrerer Stuhlproben erforderlich). Im Duodenalsekret können Eier und Larven nachweisbar sein. Nachweis von spezifischen Antikörpern ( ELISA).

Komplikation

Cave! Die Anwendung von systemischen Glukokortikoiden kann einen Übergang in eine disseminierte Strongyloidose verursachen!

Therapie

Mebendazol (z.B. Vermox) 2mal/Tag 300 mg p.o. an 3 aufeinander folgenden Tagen; Wiederholung nach 2-4 Wochen.

Alternativ: Tiabendazol (Mintezol) 2mal/Tag 2-3 Tbl. p.o. (= 25 mg/kg KG) für 2-3 Tage, max. Tagesdosis von 3 g. Stuhlkontrollen monatlich über mind. 3 Monate.

In schweren Fällen: Ivermectin (z.B. Mectizan) 170-200 μg/kg KG als ED, ggf. Wiederholung alle 2 Wochen wenn Larven im Stuhl nachgewiesen werden.

Verlauf/Prognose

Symptomloser Verlauf bei immunkompetenten Patienten oft über Jahre. Unter Therapie fast immer Ausheilung. Bei immunsupprimierten Patienten in bis zu 80% der Fälle letale Verläufe.

Prophylaxe

Tragen fester Schuhe in Endemiegebieten.

Hinweis(e)

Anzeigepflichtige Berufskrankheit der Haut!

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Böckers M et al. (1988) Prurigo und weitere diagnostisch bedeutsame Hautsymptome bei Strongyloidose. Hautarzt 39: 34-37
  2. Fülleborn F (1914) Untersuchungen über den Infektionsweg bei Strongyloides und Ankylostomum und die Biologie dieser Parasiten. Arch Schiffs Tropen Hyg 18: 26-80
  3. Lemos LB et al. (2003) Hyperinfection syndrome in strongyloidiasis: Report of two cases. Ann Diagn Pathol 7: 87-94
  4. Leuckart R (1883) Ueber die Lebensgeschichte der so genannten Anguilulla stercoralis und deren Beziehungen zu der so genannten Anguilulla strongloides. Bericht über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellsch Wiss Leipzig Math-Phys 34: 84-107
  5. Looss A (1905) Die Wanderung der Ancylostoma duodenale und Strongyloides Larven von der Haut nach dem Darm. Comptes Rendus du Sixieme Congres Internationale de Zoologie, Bern, Switzerland, S. 255-233
  6. Maraha B et al. (2001) The risk of Strongyloides stercoralis transmission from patients with disseminated strongyloidiasis to the medical staff. J Hosp Infect 49: 222-224
  7. Satoh M et al. (2003) Predictive markers for development of strongyloidiasis in patients infected with both Strongyloides stercoralis and HTLV-1. Clin Exp Immunol 133: 391-396
  8. Van Durme P (1901-1902) Quelques notes sur les embryons de "Strongyloides Intestinalis" et leur penetration par le peau. Thompson Yates Lab Rep 4: 471-474

Disclaimer

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