Sepsis A41.9

Zuletzt aktualisiert am: 29.08.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Blutvergiftung

Definition

Die Sepsis, umgangssprachlich auch „Blutvergiftung“ genannt, ist eine lebensbedrohliche komplexe systemische Entzündungsreaktion des Organismus auf eine Infektion durch Bakterien, deren Toxine, aber auch Viren, Pilze oder Parasiten.

Die Definition einer Sepsis ist uneinheitlich. Eine Sepsis liegt dann vor, wenn ein systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS) besteht und klinisch oder mikrobiologisch eine Infektion nachgewiesen werden kann. Eine Sepsis kann als die "Gesamtheit der lebensbedrohlichen klinischen Krankheitserscheinungen und pathophysiologischen Veränderungen als Reaktion auf pathogene Keime und ihrer Produkte, die aus einem Infektionsherd kontinuierlich oder periodisch in den Blutkreislauf eindringen" betrachtet werden. Als fatale Folge der Sepsis kann ein lebensbedrohendes (Multi-)Organversagen eintreten, bedingt durch eine fehlgesteuerte Immunreaktion des Wirts auf die Infektion und seine Unfähigkeit diese Infektion zu begrenzen. 

Je nach klinischem Schweregrad wird ein septischer Prozess wie folgt unterteilt:

  • Sepis: Lebensbedrohliche Infektion bei der Krankheitserreger kontinuierlich oder periodisch in die Blutbahn gelangen.
  • Schwere Sepsis (zu der Bakteriämie) treten zusätzlich Symptome eines Organ versagens hinzu.
  • Septischer Schock: Anhaltender Blutdruckabfall trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr

Einteilung

Grundsätzlich sind folgende Begrifflichkeiten im Umfeld septischer Vorgänge zu unterscheiden:

  • Bakteriämie (auch Blutstrominfektion genannt, bezeichnet die Einschwemmung von Bakterien in den Blutkreislauf. In Abgrenzung zu einer Sepsis  sind in der Blutkultur zwar Bakterien nachweisbar, der Patient weist jedoch keine klinisch keine Anzeichen einer Sepsis auf. Analog zur Bakteriämie sind die Begriffe Fungämie, Parasitämie bzw. Virämie zu gebrauchen.
  • Septikopyämie (bezeichnet die durch hämatogene Streuung der Erreger im Rahmen einer schweren Sepsis hervorgerufene Ansiedlung von Bakterien in verschiedenen Organen mit Folge der Ausbildung multipler Entzündungsherde (Abszesse).
  • SIRS: SIRS steht für "Systemic Inflammatory Response Syndrome". Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das der Sepsis ähnelt. Im Unterschied zu einer Sepsis ist eine Infektion hier jedoch nicht nachweisbar ist.

Diagnose

Im Rahmen des Diagnoseverfahrens wird geeignetes Material für eine mikrobiologische Untersuchung gewonnen. Darüber hinaus erfolgt die Abnahme von zwei oder mehr Blutkulturen durch eine perkutane Punktion (aerobe und anaerobe Flasche verwenden). Dabei wird auch aus jedem Gefäßzugang, der länger als 48 Stunden liegt, eine Blutprobe entnommen. Die Entnahme der Blutproben erfolgt schnellstmöglich vor dem Beginn einer antimikrobiellen Therapie. Zusätzlich erfolgt eine bildgebende Diagnostik ohne, dass es zu einer Verzögerung des Therapiebeginns kommt.

 

Folgende Diagnosekriterien liegen bei einer Sepsis und einem septischen Schock zugrunde:

  1. Nachweis der Infektion über den mikrobiologischen Nachweis oder durch klinische Kriterien
  2. Severe inflammatory response syndrome (SIRS) (mindestens 2 Kriterien)
  • Fieber (≥ 38 Grad Celsius) oder Hypothermie (≤ 36 Grad Celsius) bei einer rektalen oder intravasalen Messung
  • Tachykardie: Herzfrequenz ≥ 90/min.
  • Tachypnoe (Frequenz ≥ 20/min) oder Hyperventilation (PaCo2 ≤ 4,3 kPa/≤ 33 mm Hg)
  • Leukozytose (≥ 12.000/mm³) oder Leukopenie (≤ 4.000/mm³) oder ≥ 10 % unreife Neutrophile im Differentialblutbild
     
  1. Akute Organdysfunktion (mindestens 1 Kriterium)
  • Akute Enzephalopathie: eingeschränkte Vigilanz, Desorientiertheit, Unruhe, Delirium
  • Relative oder absolute Thrombozytopenie: Abfall der Thrombozyten um mehr als 30 % innerhalb von 24 Stunden oder die Thrombozytenanzahl liegt ≤ 100.000/mm³. Eine Thrombozytopenie durch eine akute Blutung oder durch immunologische Ursachen muss abgeschlossen sein.
  • Arterielle Hypoxämie: PaO2 ≤ 10 kPa (75 mm Hg) unter Raumluft oder ein PaO2/FiO2-Verhältnis von ≤ kPa (≤ 250 mm Hg) unter Sauerstoffapplikation. Eine manifeste Herz- oder Lungenerkrankung muss als Ursache der Hypoxämie ausgeschlossen werden.
  • Renale Dysfunktion: Eine Diurese von ≤ 0,5 ml/kg/h für wenigstens 2 Stunden trotz ausreichender Volumensubstitution und/oder ein Anstieg des Serumkreatinins > 2 x oberhalb des Referenzbereiches
  • Metabolische Azidose: Base Excess ≤ -5 mmol/l oder eine Laktatkonzentratrion > 1,5 x oberhalb des lokal üblichen Referenzbereiches

 

Bei einer Sepsis sollten Kriterien 1 und 2 zutreffen, bei einer schweren Sepsis die Kriterien 1 bis 3. Bei einem septischen Schock sind die Kriterien 1 und 2 erfüllt. Darüber hinaus liegt für mindestens eine Stunde ein systolischer arterieller Blutdruck ≤ 90 mm Hg bzw. ein mittlerer arterieller Blutdruck von 65 mm Hg ≤. Alternativ muss der notwendige Einsatz von Vasopressoren gegeben sein, um den systolischen arteriellen Blutdruck  ≥ 90 mm Hg bzw. den mittleren arteriellen Blutdruck bei mindestens 65 mm Hg ≤ zu halten.
Die Hypotonie besteht trotz einer adäquaten Volumengabe und ist nicht durch andere Ursachen zu erklären.

Verlauf/Prognose

Die Letalität bei einer Sepsis liegt bei 40 %, bei einem septischen Schock bei bis zu 60 %.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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