Schlafbezogene Atmungsstörungen G47.39

Zuletzt aktualisiert am: 23.01.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

SAS; Schlafapnoe-Syndrom

Definition

Beim Schlafapnoesyndrom (Akronym SAS) handelt es sich um eine schlafbezogene Atmungsstörung, ein während des Schlafes auftretendes Apneosyndrom mit (OSAS) oder ohne (SBAS, auch als zentrales SAS bezeichnet) Obstruktion der oberen Atemwege.“  

Einteilung

Einteilung der Schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS)

  • SBAS mit Obstruktion der oberen Atemwege
    • Obstruktives Schnarchen (heavy snorer)
    • Obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS)
    • Upper airway resistance syndrome (UARS): Verengung der oberen Atemwege im  Tiefschlaf ohne Apnoen mit deutlicher Erhöhung des Atemwiderstandes.
  • SBAS ohne Obstruktion der oberen Atemwege (zentrales SAS, Hypoventialationssyndrom).

 

Vorkommen/Epidemiologie

Etwa 2 bis 4% der Erwachsenen leiden unter einer obstruktiven Schlafapnoe (Schlafapnoe = Atempause während des Schlafens mit einer Dauer =/>10Sek. >5x/h). Die obstruktive Schlafapnoe gehört zu den häufigsten Volkskrankheiten. Im mittleren bis höheren Lebensalter liegt die Häufigkeit bei Männern zwischen 15% und 19%, bei Frauen zwischen 9% und 15%.

Primäres Schnarchen wird bei etwa 25% der Erwachsenen und bei etwa 50% der Menschen > 65 Jahre beobachtet.

Ätiopathogenese

Beim OSAS kommt es zu einem Kollaps der Schlundmuskulatur durch nachlassenden Tonus der Pharynxmuskulatur im Schlaf, häufig im REM-Schlaf (REM= rapid eye movement). Erhalten bleibt die Aktivität der Atemmuskulatur einschließlich der Atembewegungen. Begünstigenden Faktoren sind Erkrankungen im Bereich des Oro-/Nasopharynx. Dies betrifft Tonsillenhyperplasie, Nasenpolypen, Nasenseptimdevitation, Makroglossie, Retrognathie, vergrößerte Uvula u.a. Bei Kindern wird ein obstruktives Schlafapnoesyndrom am häufigsten durch eine Hyperplasie der Rachen- oder Gaumenmandel verursacht (Marcus CL et al. 2012).

Bei SBAS ohne Obstruktion (zentrales SAS) bleiben infolge einer verminderten Stimulierbarkeit der Chemorezeptoren  zu einer intermittierenden Innervationsstörung der Atemmuskulatur. Thorakale und abdominale Atembewegungen bleiben vollständig aus. Etwa 50% der Patienten mit NYHA-Stadium II leiden an einem zentralen SAS. In Kombination mit einer Herzinsuffizienz wird dieses Syndrom als Cheyne-Stokes-Atmung bezeichnet.

Klinisches Bild

OSAS:

Lautes unregelmäßiges Schnarchen mit Atemstillständen

Gesteigerte Tagesmüdigkeit/-schläfrigkeit mit Einschlafneigung (Sekundenschlaf) bei monotonen Tätigkeiten (z.B. lange Autofahren -7fach erhöhtes Unfallrisiko-, Arbeiten am PC, beim Lesen (Costa G 2017).

Weiterhin:

  • eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit (Hyperaktivität)
  • eingeschränkte Hörfähigkeit, meist: Schallleitungsschwerhörigkeit (Spinosi MC et al. (2017)
  • intellektuelle Leistungsverminderung
  • Depressive Stimmungslagen, Vergesslichkeit
  • Morgendliche Mundtrockenheit, morgendliche Kopfschmerzen
  • Potenzstörungen (erektile Dysfunktion)

Zentrales SAS (SBAS):

Meist nur geringe Tagesmüdigkeit/-schläfrigkeit mit Einschlafneigung

Häufig stehen die kardialen oder neurologischen Grunderkrankungen im Vordergrund der klinischen Symptomatik.

 

Komplikation

"Eine SBAS“ ist ein erheblicher kardiovaskulärer Risikofaktor" der häufig vom Betroffenen nicht direkt wahrgenommen wird. Komplikativ werden folgende Symptome beobachtet:

  • Arterielle, therapieresistente Hypertonie (häufig ohne nächtlich Blutdruckabsenkung bei der 24 Stunden-Messung)
  • Nächtlich Hypoxie-induzierte, häufig bradykarde Herzrhythmusstörungen bis zum AV-Block (Xie J et al. 2017).
  • Charakteristisch ist eine Apnoe-induzierte Sinusarrhythmie (Herold G 2018)
  • Verschlechterung einer vorbestehenden Herzinsuffizienz.
  • Respiratorische Globalinsuffizienz  
  • Ansteigendes Herzinfarktrisiko: Mit einem OSA steigt das Herzinfarkt-Risiko auf das 3-fache, das Schlaganfall-Risiko auf das 4-fache an.
  • Neigung zu einer erhöhten Insulinresistenz.

Hinweis(e)

Eine obstruktive Schlafapnoe kann auch in Kombination mit einer zentralen Schlafapnoe auftreten.

Eine arterielle Hypertonie kann nur dann als essenziell bezeichnet werden, wenn eine SAS (schlafbezogene Atmungsstörung) ausgeschlossen ist. SAS ist eine der häufigsten Ursachen einer sekundären Hypertonie (Wang S et al. 2018)

Literatur
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  1. Costa G (2017) The obstructive sleep apnea syndrome (OSAS): implications for work and Occupational Health. Med Lav 108:251-259. 
  2. Herold G et al. (2016) Innere Medizin. Herold Verlag SS 346-349
  3. Marcus CL et al. (2012) Diagnosis and management of childhood obstructive sleep apnea syndrome. Pediatrics 130: e714-55. 
  4. Maspero C et al. (2015) Obstructive sleep apnea syndrome: a literature review. Minerva Stomatol 64:97-109.
  5. Sanna A (2017) Obstructive Sleep Apnea Syndrome (OSAS): Continuous Positive Airway Pressure(CPAP) therapy and other positive-pressure devices. Med Lav 108:283-287.
  6. Wang S et al.(2018) Analysis of OSAS incidence and influential factors in middle-aged and elderly patients with hypertension. Minerva Med  doi: 10.23736/S0026-4806.18.05635-5.  
  7. Xie J et al. (2017) Correlation Analysis between Obstructive Sleep Apnea Syndrome (OSAS) and Heart Rate Variability. Iran J Public Health 46:1502-1511. 

 

 

 

 

 

Verweisende Artikel (2)

Arousal; BIPAP ;

Weiterführende Artikel (1)

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