Prolaktin

Zuletzt aktualisiert am: 18.03.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Big big Prolactin; Big Prolactin; Laktotropes Hormon; LTH; Makroprolactin; Makroprolaktin; Prolactin

Definition

 Einkettiges Peptidhormon (198 Aminosäuren), das in den laktotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens gebildet wird. Weiterhin wird PRL in peripheren Blutzellen gebildet. PRL zirkuliert in  versch. Formen. In normalen Seren liegt PRL zu 85-95% als monomeres PRL mit einer molekularen Masse von 23kD vor. 10% entfallen auf das 50-kDa „big-Prolaktin“ oder auf das Makroprolaktin (150- bis 170-kDa „big-big-Prolaktin“). Hierbei handelt es sich um biologisch inaktive Makrokomplexe die sich nach der Sekretion des monomeren PRL-bilden.  

PRL wirkt auf die Brustdrüse  und steuert bei Frauen nach einer Schwangerschaft die Milchproduktion indem es die Laktogenese und Galaktopoese stimuliert. Strukturell ist PRL dem Wachstumshormon und dem humanen plazentaren Laktogen ähnlich. Prolaktin spielt eine wichtige Rolle bei der innate and der adaptiven Immunantwort. Erhöhte Prolaktin-Spiegel wurden bei Autoimmunerkrankungen beschrieben wie dem systemischen Lupus erythematosus, der rheumatoiden Arthritis, dem Sjögren-Syndrom und der systemischen Sklerodermie (Jara LJ et al. 2011).  

Prolaktin (PRL) wird durch den Prolactin Inhibiting Factor (PIF), der im Hypothalamus gebildet wird, gehemmt. Dieser ist mit dem Dopamin identisch. Entpsrehend führen Dopaminantagonisten zu einem Anstieg der PRL-Konzentration. Weiterhin gibt es einen PRL-Releasing-Factor dessen Struktur noch nicht vollständig aufgeklärt ist. TRH führt ebenfalls zu einer Stimulation der PRL-Sekretion.

Prolaktin zeigt Schwankungen im Tagesverlauf und wird pulsatil ausgeschüttet. Nachts ist die Ausschüttung erhöht (Anstieg um 60-80% während der späten Schlafphasen).

Allgemeine Information

Normwert: Der Referenzbereich liegt bei Frauen zwischen 4,8 – 23,3 µg/l, bei Männern zwischen 4,0 – 15,2 µg/l

Pathologisch erhöht: Prolaktinom, Niereninsuffizienz, Hypothyreose, Medikamente, gestörter Dopamintransport.

  • Erhöhungen der Serum-Prolaktin-Konzentration (Hyperprolaktinämie) werden meist durch Medikamente oder Funktionseinschränkungen anderer Organe, insbesondere der Nieren verursacht.
  • Seltener sind Prolaktin-sezernierende Hypophysen-Adenome die Ursache (Prolaktinom s. Hypophysenerkrankungen, Hautveränderungen).

Ätiologie

  • Erkrankungen und Zustände die zur Hyperprolaktinämie führen können:
    • Hypo- und Hyperthyreose
    • Eingeschränkte Nierenfunktion
    • Stress (psychisch und physisch).
  • Medikamente die zur Hyperprolaktinämie führen können:
    • Angiotensin II
    • Antiandrogene (Cyproteronacetat)
    • Antidepressiva (Amitryptilin, Clomipramin, Desipramin, Dopexin, Imipramin, Maprotilin u.a.)
    • Antiemetika (Domperidon, Metoclopramid)
    • Antihypertensiva (Clonidin, Methyldopa, Reserpin)
    • H2-Rezeptorenblocker (Cimetidin, Ranitidin)
    • Melatonin
    • Neuroleptika der Gruppe der Benzisoxazolpiperidin
    • Neuroleptika der Gruppe der Butyrophenone
    • Neuroleptika der Gruppe der Dibenzodiazepine
    • Neuroleptika der Gruppe der Phenothiazine (Chlorpromazin, Levomepromazin, Fluphenazin, Perphenazin)
    • Neuroleptika der Gruppe der Thioxanthene (Chlorprothixen, Zuclopenthixol, Flupentixol)
    • Opioide
    • Opiate, Kokain
    • MAO-Hemmer
    • Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (Fluoxetin)
    • Antiemetika (Metoclopramid, Domperidon)
    • Kalziumantagonisten (z.B. Verapamil)
    • Antihypertensiva (Reserpin, alpha-Methyldopa)
    • Protease-Inhibitoren (?).

Klinisches Bild

Klinischen Symptome der Hyperprolaktinämie sind u.a. Effluvium, Acne vulgaris, Hirsutismus, Infertilität, Amenorrhoe, evtl. Galaktorrhoe, Libidoverlust, Impotenz, Gynäkomastie.

Diagnose

  • Benötigtes Material: Blutserum.
  • Merke: Die Blutentnahme sollte circa 4 Stunden nach dem Aufstehen durchgeführt werden
  • Vor der Blutentnahme sollten Medikamente, die zu einer Hyperprolaktinämie führen können, möglichst 1 Woche vorher abgesetzt werden.
  • Prolaktin-Serumkonzentrationen über 200 ng/ml (bei einem Referenzbereich bis etwa 20 ng/ml) sprechen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prolaktin-produzierenden Hypophysenvorderlappen-Adenoms; Werte zwischen 20 und 80 ng/ml sind meist durch Medikamente verursacht.
  • Dynamische Tests eignen sich nicht zur Unterscheidung von funktioneller und Tumor-Hyperprolaktinämie. Als bildgebendes Verfahren ist bei Verdacht auf ein Prolaktin-sezernierendes Hypophysen-Adenom eine MRT der Sella-Region indiziert.
  • Jede hyperprolaktinämische Probe ohne entsprechende Symptomatik sollte auf die Präsenz von Makroprolaktin untersucht werden.

Literatur
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  1. Cabrera-Reyes EA et al. (2017) Prolactin function and putative expression in the brain. Endocrine 57:199-213.
  2. Chahal J et al. (2008) Hyperprolactinemia. Pituitary 11:141-146
  3. Jara LJ et al. (2011) Prolactin and autoimmunity. Clin Rev Allergy Immunol 40:50-59.
  4. Lopez Vicchi F et al. (2017) Prolactin: The Bright and the Dark Side. Endocrinology 158:1556-1559.

Tabellen

Normwerte (ug/l):

Alter                  Wert (w)                                 Wert (m)

5. Tag                102-496                                  102-496

2.-12. Monat      5,3-63,3                                  5,3-63,3

12-13-LJ             2,5-16,9                                  2,8-16,1

Erwachsene       3,8-23,2                                  3,0-14,7   

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