Mykobakterien A15 - A19

Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Definition

Mykobakterien sind weltwweit  verbreitete, aerobe, nicht Sporen bildende, alkohol- und säurefeste, grampositive, schlanke, unbewegliche Stäbchen. Die Gattung Mycobacterium umfasst etwa 170 Arten. Gemeinsames Merkmal dieser Bakterien ist die sog. Säurefestigkeit in der Ziehl-Neelsen-Färbung. 

Zu dem Mycobacterium-tuberculosis-Komplex gehören verschiedene Erreger von Hautinfektionen: M.tuberculosis, M.africanum, M. bovis u.a.

Die Lepra ist ein eigenständiger Infektionskomplex der in Deutschland sehr selten ist.  

Alle anderen Mykobakterien werden als "atypische Mykobakterien", "Nicht-Tuberkulöse Mykobakterien" (NTM) oder „Mycobacteria other than tuberculosis" (MOTT) bezeichnet.

NTM kommen in der Umwelt (Boden, Wasser) vor. Bei einer Isolierung von „Nicht-Tuberkulösen Mykobakterien“ aus Patientenmaterial kann nicht zwigend von einer realen „Erkrankung“ ausgegangen werden.  

 

 

Allgemeine Definition

Zu den wichtigsten pathogenen Mykobakterien gehören:

Nicht-tuberkulöse Mykobakterien (MOTT)

  • Mycobacterium-fortuitum-Komplex (MFK)
  • Mycobacterium avium -Komplex (Lungen- und extrapulmonale Infektionen)
  • M. kansasii (Infektionen der Lungen)
  • M. scrofulaceum (Lymphadenitis)
  • M. xenopi (Infektionen der Lungen)

Seltene Mykobakterien:    

  • M. flavescens
  • M. gordonae
  • M. smegmatis
  • M. terrae
  • M. vaccae (unterschiedliche Krankheitsbilder, jeweils nur in Einzelfällen beschrieben)

Erreger

Mykobakterien sind "säurefest". Freie Mykolsäuren in der Zellwand gehen mit Karbolfuchsin (Fuchsin + Phenol) eine Komplexbindung ein. Diese Färbung wird durch HCl-Alkohol nicht entfärbt. Die "nicht-säurefesten" Bakterienwerden hingegen entfärbt werden (Prinzip der Ziehl-Neelsen-Färbung). Die entfärbten, nicht säurefesten Keime können z. B. mit Malachitgrün gegengefärbt werden. Die säurefesten Bakterien färben sich nicht an. 

Diagnose

Kultur: Die Zellteilung der Tuberkulosebakterien ist langsam und erfolgt im Abstand von 18 - 20 Stunden. Kulturen werden deshalb über einen Zeitraum von mehrere Wochen beobachtet werden. Kolonien sind frühestens nach 3 - 4 Wochen zu erkennen. Die Resistenz von Tuberkulosebakterien gegen Tuberkulostatika kann in ca. einer Woche bestimmt werden. Dabei wird das Wachstum von Mykobakterien in Anwesenheit unterschiedlicher Tuberkulostatika geprüft.

Tierversuch: Ist in der Routinediagnostik entbehrlich.

Molekularbiologische Nachweis: Möglich bei M. tuberculosis-Komplex, M. kansasii und M. avium intracellulare-Komplex. Mittels ihrer Nukleinsäuresequenz können die Erreger identifiziert werden. Dazu müssen diese vorher kultuell angezüchtet werden. Die entsprechenden Nukleinsäureabschnitte werden mit einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) amplifiziert werden.  Bemerkung: Durch die Sequenzierung von Nukleinsäuren sind auch exotische und im Labor nicht anzüchtbare Mykobakterien identifizierbar.

Resistenztestung: Eine Lungentuberkulose muss 6 Monate lang behandelt werden. Die gebräuchlichsten Medikamente sind Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA), Ethambutol (EMB) und Streptomycin (SM). V.a. bei nicht-tuberkulösen Mykobakterien müssen Resistenzen berücksichtigt werden. Eine Resistenz liegt vor, wenn die Erreger auf einem Nährboden trotz Zusatz von Tuberkulostatika wachsen. 

 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2019