Legionella

Zuletzt aktualisiert am: 26.09.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Legionellen

Definition

Humanpathogene Arten der Gattung Legionella sind weltweit verbreitete Umweltkeime, die beim Menschen unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen, die von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen reichen. Legionellen sind in geringer Zahl natürliche Bestandteile von Oberflächengewässern und Grundwasser. Humanpathogen sind v.a. L. pneumoniae (15 Serogruppen), L. micdadei und L. bozemanii. Es existieren weitere 48 Arten und 70 Serogruppen, die nur bei Patienten mit erheblichen Immundefekten zur Erkrankung geführt haben.

Allgemeine Definition

Legionellen vermehren sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C. Oberhalb von 60 °C werden sie meistens abgetötet und unterhalb von 20 °C vermehren sie sich kaum noch. Besonders in künstlichen Wassersystemen wie Wasserleitungen in Gebäuden finden die Erreger bei entsprechenden Temperaturen gute Wachstumsbedingungen. In Ablagerungen und Belägen des Rohrsystems können sich die Legionellen besonders gut vermehren.

Übertragung: Die Erreger werden durch zerstäubtes, vernebeltes Wasser übertragen. Die erregerhaltigen Tröpfchen können sich in der Luft verbreiten und eingeatmet werden. Mögliche Ansteckungsquellen sind beispielsweise Duschen, Whirlpools, Luftbefeuchter oder Wasserhähne, ebenso Kühltürme u.a. Beim Trinken ist nur dann eine Ansteckung möglich, wenn Wasser beim Verschlucken versehentlich aspiriert wird.

Wichtig: Legionellen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Vorkommen/Epidemiologie

Epidem: m>w; Kinder erkranken nur selten.

Klinisches Bild

Legionellen lösen beim Menschen 2 Krankheitsbilder aus:

  • Legionärskrankheit / Legionellen-Pneumonie: Die Legionärskrankheit, oder Legionellen-Pneumonie, ist eine atypische Pneumonie. Sie betrifft v.a. Dingen ältere und abwehrgeschwächte Patienten.  Nach einer IKZ von 2-10 Tagen kommt es zu Husten, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, unterschiedlich schwerem Krankheitsgefühl und hohem Fieber. Bei etwa 50% der Patienten kommt es zusätzlich zu Diarrhöen. Anschließend respiratorische Symptome: Pneumonie und Pleuritis. Oft als nosokomiale Infektion!
  • Pontiac-Fieber:  Äußert sich bei Immunkompetenten in grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, aber nicht in einer Pneumonie. Häufig epidemisches Auftreten. Die Erkrankung heilt spontan innerhalb einer Woche aus.

Diagnose

Nachweismethoden: 

  • Kultur: Trachealsekret, BAL, Pleurapunktat und Biopsiematerial.
  • Urin für AG-Nachweis. Im Rahmen krankenhaushygienischer Maßnahmen Entnahme von Wasserproben aus Klima-  und Kühlanlagen.
  • Serologie: 1-2 ml Serum. AK jedoch erst ab der 2. Krankheitswoche nachweisbar. Bei einigen Patienten keine Serumkonversion.

Therapie

Prophylaxe

Wichtig ist, die Vermehrung von Legionellen im Leitungssystem der Trinkwasser-Installation zu vermeiden. Für Errichtungen und Wartungen von Trinkwasser-Installationen gelten spezielle technische Regelwerke. Von Großanlagen und öffentlichen Gebäuden sowie Anlagen zu gewerblichen Zwecken werden laut Trinkwasserverordnung regelmäßig Wasserproben untersucht. Wird eine bestimmte Konzentration von Legionellen nachgewiesen, muss dies dem Gesundheitsamt angezeigt werden. Folgende Sicherheitsmaßnahmen können helfen, um einer massenhaften Vermehrung von Legionellen im Warmwassersystem eines Wohngebäudes vorzubeugen:

Grundsätzlich sollten die Wasserleitungen regelmäßig genutzt werden.

Totstränge im Leitungssystem sollten vermieden werden (Vermeidung von Wasserstillstand in den Leitungen).

In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasser-Speicher sollte die Regler-Temperatur auf > 60 °C eingestellt sein.

Die Wassertemperaturen sollten im Leitungssystem an keiner Stelle Temperaturen < 55 °C aufweisen.

Literatur
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  1. Neumeister B (2018) Bakterielle Infektionen. In: Neumeister B et al. (Eds) Klinikleitfaden Labordiagnostik. Elsevier GmbH S. 605-606

Verweisende Artikel (1)

Legionärskrankheit;
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