Kit

Zuletzt aktualisiert am: 29.05.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

CD117; c-Kit; Stammzellfaktor-Rezeptor

Definition

Ein die Zellmembran verschiedener Zellen durchspannendes (transmembranes) Protein (Familie der Rezeptor-Tyrosinkinasen, zu denen auch der platelet-derived-growth-factor-receptor-alpha (-PDGFRA) gehört, mit einer molaren Masse von ca. 110 kDa. Kit wird durch das KIT-Gen auf dem Chromosom 4, Genlocus q11-q12 kodiert. Kit ist ein klassischer Wachstumsfaktorrezeptor und bindet spezifisch den sogenannten Stammzellfaktor (auch Kit-Ligand oder Mastzellwachstumsfaktor).

Kit wird physiologischerweise in hämatopoetischen Stammzellen, Keimzellen der Gonaden, den interstitiellen Zellen von Cajal (intestinale Schrittmacherzellen) und Mastzellen sowie Melanozyten exprimiert. Die Kit-mediierte Signaltransduktion reguliert Proliferation, Differenzierung und Apoptose und spielt eine Rolle bei der Gametogenese, Hämatopoiese, Mastzellentwicklung, Melanogenese und Entwicklung der Cajalzellen.
Beim KIT-Gen handelt es sich um ein Protoonkogen (Vorstufe eines potenziell krebsauslösenden Genprodukts). C-Kit wurde als Homolog des viralen Onkogens v-Kit entdeckt.
 

Allgemeine Information

  • Das C-KIT-Genprodukt (auch c-Kit, CD 117- s.a. CD-Klassifikation) wird v.a. in hämatopoetischen Stammzellen aber auch in multipotenten und myeloischen Vorläuferzellen gefunden. Es wird durch seinen Liganden (=Stammzellfaktor) aktiviert.
  • Kit ist für die Proliferation und Differenzierung von Stammzellen von entscheidender Bedeutung (Hämatopoese, Angiogenese).

  • Von herausragender diagnostischer Bedeutung ist der Nachweis einer  c-Kit-Expression bei den gastrointestinalen Stromatumoren (GIST). Ungefähr 95% aller GIST sind immunhistochemisch CD117-positiv. Die überwiegende Mehrzahl aller anderen Sarkome sowie Karzinome und auch Lymphome sind CD117-negativ, sodass dieser Marker eine sehr gute Sensitivität und Spezifität für die Diagnose eines GIST aufweist.

  • Neben GIST sind systemische Mastozytosen sowie Seminome am häufigsten CD117-positiv. Diese Neoplasien weisen allerdings Mutationen in anderen Exons des Kit-Gens als GIST auf und sind nur teilweise Imatinib-sensitiv. Die CD117-Expression ist aber nicht spezifisch für diese Entitäten. Andere maligne Tumore, vor allem adenoid-zystische Karzinome, Tymuskarzinome können das Protein ebenfalls exprimieren. Deutliche (Über-)Expressionen werden in malignen Melanomen vom akrolentiginösen Typ und in Schleimhautmelanomen gefunden.
  • Weiterhin spielt c-Kit eine bedeutende Rolle bei der Pigmentierung der Haut, der Darmfunktion und der Spermatogenese. C-Kit wird in den junktionalen Anteilen von gutartigen melanozytären Naevi vom Compound-Typ exprimiert, in den dermalen Anteilen nur in geringem Maße. 
  • KIT-Mutationen spielen bei den Mastozytosen eine bedeutende Rolle. Durch diese Mutation kommt es zu einer autokrinen Dysregulation, wodurch es zu einer vermehrten Proliferation, verlängertem Überleben und verstärkter Mediatorfreisetzung in den Mastzellen kommt.
  • Eine Mutation im KIT-Liganden (KITLG) wurde bei der Streifenförmigen und wirbelförmigen nävoiden Hypermelanose nachgewiesen (Sorlin A et al. (2017).

Hinweis(e)

Kit-Mutationen:

  • Kit-inaktivierende Mutationen können bei Heterozygoten zu Fertilitätsstörungen, zum Piebaldismus (Leuzismus) sowie bei Tieren zu Scheckungen (Pferde/Kühe) führen.
  • Kit-aktivierende Mutationen können zu einer Funktionsverstärkung ("gain of function") führen, z.B. zu einer "stem cell factor"-unabhängigen Proliferation von Mastzellen (Punktmutationen des Kit-Gens werden bei einem Teil der systemischen Mastozytosen nachgewiesen).

Resultierende Konformationsänderungen des aktiven Zentrums der Tyrosinkinase führen zu einer Autophosphorilierung des Tyrosinkinaserezeptors, mit konsekutiver Autostimulation und hierdurch zu einer ligandenunabhängigen Zellproliferation.

Literatur
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  1. Horny HP et al. (2008) Die Mastozytose. Dt. Ärzteblatt 40: 686-692 
  2. Pillomi L et al. (2011) The usefulness of c-Kit in the immunohistochemical assessment of melanocytic lesions. Eur J Histochem 55:e20
  3. Sorlin A et al. (2017) Mosaicism for a KITLG Mutation in Linear and Whorled Nevoid Hypermelanosis.
    J Invest Dermatol 137:1575-1578.
  4. Yarden Y et al. (1987) Human proto-oncogene c-kit: a new cell surface receptor tyrosine kinase for an unidentified ligand. EMBO Journal 6: 3341-3351.
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Zuletzt aktualisiert am: 29.05.2019