Infliximab

Zuletzt aktualisiert am: 02.05.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Chimärer monoklonaler Antikörper, bestehend aus humanen konstanten Regionen sowie variablen Regionen der Maus. Infliximab enthält eine Antigen-Binding-Stelle für den menschlichen Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α).

Wirkungen

  • Infliximab bindet mit hoher Affinität sowohl an löslichen als auch an transmembran gebundenem TNF-α, wirkt aber nicht gegen Lymphotoxin α (TNF-β).
  • Zellen, die transmembranen TNF-α exprimieren, werden nach Bindung von Infliximab entweder durch die Komplementkaskade oder zellvermittelte Effektormechanismen lysiert.
  • Infliximab hemmt die Bioaktivität von humanem TNF-α durch Bildung stabiler Antigen-Antikörper-Komplexe. Nach Bildung des Komplexes mit Infliximab, wird TNF-α nicht mehr von seinen TNF-Rezeptoren erkannt und kann daher keine Wirkungen mehr auslösen. Die Entzündung bei der rheumatoiden Arthritis wird dadurch unterbunden.

Indikation

  • Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen, wenn deren Ansprechen auf eine vorhergehende krankheitsmodifizierende, antirheumatische Arzneimitteltherapie unzureichend gewesen ist.
  • Psoriasis vulgaris (mittelschwere bis schwere Psoriasis vom Plaque-Typ bei Erwachsenen, die auf eine andere systemische Therapie, einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA, nicht angesprochen haben, bei denen eine solche Therapie kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.
  • Rheumatoide Arthritis
  • Morbus Crohn
  • mittelschwere bis schwere aktive Colitis ulcerosa.

Schwangerschaft/Stillzeit

Keine ausreichenden Daten über Anwendung in der Schwangerschaft und in der Stillzeit vorhanden. Sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verordnet werden.
  • Gebärfähige Frauen sollten eine adäquate Empfängnisverhütung (am besten mindestens eine mechanische Methode) anwenden und diese für mind. 6 Monate nach der letzten Infliximab-Applikation fortführen.
  • Wegen der Sekretion von Immunglobulinen in die Muttermilch sollten Frauen mind. 6 Monate lang nach der letzten Infliximab-Applikation nicht stillen.

Dosierung und Art der Anwendung

  • Psoriasis-Arthritis und Psoriasis vulgaris: 5 mg/kg KG i.v. über 2 Std., zusätzlich Infusion von 5 mg/kg KG jeweils 2 u. 6 Wochen nach der Erstinfusion, danach alle 8 Wochen.
  • Rheumatoide Arthritis: 3 mg/kg KG i.v. über 2 Std., zusätzl. Infusion von 3 mg/kg KG jeweils 2 u. 6 Wochen nach Erstinfusion, danach alle 8 Wochen. Infliximab muss zusammen mit Methotrexat verabreicht werden!

Cave! Durchführung der Infliximab-Therapie unter Überwachung eines Arztes, der in der Diagnose u. Behandlung von rheumatoider Arthritis oder entzündlichen Darmerkrankungen erfahren ist. Die Infusionsdauer muss mindestens 2 Stunden betragen. Außerdem müssen die Patienten während und mindestens 1 Stunde nach der Infusion hinsichtlich Nebenwirkungen überwacht werden. Eine Notfallausrüstung (Medikamente, ein Tubus und anderes geeignetes Material) müssen für die Notfallbehandlung von akuten infusionsbedingten Reaktionen zur Verfügung stehen!

Unerwünschte Wirkungen

  • Generell ist zu beachten, dass Substanzen, die den Tumornekrosefaktor-alpha hemmen, auch die körpereigene Abwehr gegen Infektionen und gegen Krebszellen schwächen. Vermehrtes Auftreten von Infektionen und Krebserkrankungen ist daher möglich.
  • Häufig: u.a. Hautveränderungen wie: Urtikaria, Hyperhidrosis, Hauttrockenheit, Pruritus, lupoide Rosacea. Weiterhin Virusinfektionen (z.B. Influenza, HHV), Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel/Benommenheit, Hitzewallungen, Infektionen d. oberen u. unteren Respirationstraktes, Dyspnoe, Sinusitis, Übelkeit, Diarrhoe, Abdominalschmerzen, Dyspepsie, Leberfunktionsstörungen, Ermüdung.
  • Immunogentiät: Anti-Infliximab -Antikörper treten bei 5-44% der Patienten auf. Damit wird ein gutes klinisches Ansprechen allerdings nicht ausgeschlossen (Hsu L et al. (2014). 

Kontraindikation

Tuberkulose oder andere schwere Infektionen (z.B. Sepsis, Abszesse, opportunistische Infektionen, Überempfindlichkeit gegenüber murinen Proteinen, mäßiggradige oder schwere Herzinsuffizienz (NYHA Klasse III/IV).

Präparate

Remicade

Hinweis(e)

Merke! Tuberkuloseausschluss vor Therapiebeginn wird empfohlen (Tuberkulintest und Röntgen Thorax)!

Literatur
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  1. Baert F et al. (2003) Influence of immunogenicity on the long-term efficacy of infliximab in Crohn's disease. N Engl J Med 348: 601-608
  2. De Rycke L et al. (2003) Antinuclear antibodies following infliximab treatment in patients with rheumatoid arthritis or spondylarthropathy. Arthritis Rheum 48: 1015-1023
  3. Gottlieb AB et al. (2003) Pharmacodynamic and pharmacokinetic response to anti-tumor necrosis factor-alpha monoclonal antibody (infliximab) treatment of moderate to severe psoriasis vulgaris. J Am Acad Dermatol 48: 68-75
  4. Gottlieb AB, Bos JD (2002) Recombinantly engineered human proteins: transforming the treatment of psoriasis. Clin Immunol 105: 105-116
  5. Hsu L et al. (2014) Antidrug antibodies in psoriasis: a systematic review. Br J Dermatol 170:261-273.
  6. Jacobi A, Manger B, Schuler G, Hertl M (2003) Therapeutischer Einsatz der Tumor-Nekrose-Faktor alpha-Hemmer Infliximab und Etanercet bei Hauterkrankungen. JDDG 4: 259-272
  7. Lebwohl M (2003) Psoriasis. Lancet 361: 1197-1204
  8. Seneschal J et al. (2007) Psoriasiform drug eruptions under anti-TNF treatment f arthritis are not true psoriasis. Acta Derm Venereol 87: 77-80
  9. Winter UM et al. (2008) Ein Fall granulomatöser Rosazea im zeitlichen Zusammenhang mit Etanercept. Hautarzt 59: 724-727
  10. Weinberg JM, Saini R (2003) Biologic therapy for psoriasis: the tumor necrosis factor inhibitors infliximab and etanercept. Cutis 71: 25-29
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