IgA-Nephropathie N02.8

Zuletzt aktualisiert am: 03.10.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

IgAN; IgA-Nephritis; IgA-nephropathy; Mesangiale Glomerulonephritis vom IgA-Typ; Mesangioproliferative Glomerulonephritis; Morbus Berger

Erstbeschreiber

Jean Berger, 1968

Definition

Immunkomplexerkrankung mit Bildung von abnormen IgA1-Molekülen (galaktosylierten IgA1) sowie Immunkomplex-Ablagerungen im Mesangium der Nierenglomerula.

Einteilung

Idiopathische Form der IgA-Nephropathie

Sekundär: bei Erwachsenen bleibt die IgA-Nephropathie häufig monorganisch auf die Niere begrenzt. Gehäuftes Auftreten bei SLE, Leberzirrhose, Sprue, monoklonaler IgA-Gammopathie; gehäuft auch bei Dermatitis herpetiformis. Bei der systemischen Purpura Schönlein-Henoch ist die IgA-Nephropathie eine Teilmanifestation.

MEST (Oxford)-Klassifikation der IgA-Nephropathie:

  • Mesangiale Hyperzellularität (0=<50%; 1=>50%)
  • Endokapilläre Hyperzellularität (0=nein; 1=ja)
  • Segmentale Sklerose/Adhäsion (0=nein; 1=ja)
  • Tubulusatrophie, interstitielle Nephrose (0=0-25%; 1=26-50%; 2=>50%)

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit die häufigste Form aller primären Glomerulonephritiden (Moeller S et al. 2014). Prävalenz: 100-150/100.000 Einwohner.

Ätiopathogenese

Auslösend sind häufig mukosale Infektionen; pathogenetisch werden weiterhin Nahrungsmittelallergene einschließlich Gluten als mitauslösend angesehen. Über eine gesteigerte Immunreaktivität auf Gluten ggfl. kombiniert mit Gluten-sensitiver Enteropathie wurde berichtet.

Manifestation

m>f; als monoorganische Nephropathie v.a. bei Männern zwischen dem 20. und 30.LJ (Thaiss F et al. 2000). Das seltene familiäre Vorkommen ist beschrieben. Als systemische Krankheitsbild in Kombination mit palpabler Purpura, Arthralgien, abdominellen Schmerzen und Darmblutungen (Purpura Schönlein-Henoch).

Klinisches Bild

Die klinischen Leitsymptome der IgA-Nephropathie können sehr unterschiedlich sein. Sie reicht von einem Minimalbefund mit einer geringen persistierenden Mikrohämaturie bis hin zu rezidivierenden Episoden einer Makrohämaturie. Eine Makrohämaturie ist fast immer assoziiert mit einer mukosalen Infektion. Häufig ist die Hämaturie ist von einer milden Proteinurie (0,5 bis 2,0 g/Tag) begleitet. Seltener (bis 10% der Patienten) tritt eine nephrotische Proteinurie (> 3 g/24 h) oder eine rasch progrediente Glomerulonephritis hinzu (Thaiss F et al. 2000). Eine leichte bis mäßige Hypertonie entwickeln etwa 40% der Patienten.

Nicht selten begleitende Flankenschmerzen. Bei Erwachsenen bleibt die IgA-Nephropathie meist monorganisch auf die Niere begrenzt. Bei Kindern ist die IgA-Nephropathie häufig Teilsymptom einer Purpura Schönlein-Henoch (Mani LY et al. 2015). 

Labor

Nicht selektive Proteinurie (meist <3g/Tag) und glomeruläre Hämaturie (Akanthozyten) im Urinsediment. Serum IgA-Spiegel bei 40% der Patienten erhöht. Nachweis  von zirkulierenden Immunkomplexen in 50-70% der Fälle möglich.

Diagnose

Klinik; Nierenbiopsie („Tripeldiagnostik“ aus licht-, immun- und elektronenmikroskopischer Untersuchung des Biopsiematerials. Nachweis der mesangialen Ablagerungen von IgA, Proliferation von Mesangiumzellen und Mesangiummatrix). Prognostisch ungünstige pathologisch-anatomische Faktoren sind: fokale und segmentale glomeruläre Sklerosen, tubulointerstitielle Fibrosierung sowie eine Arterio- und Arteriolosklerose der Nierengefäße. Bei Vorliegen dieser Faktoren ist die Indikation für therapeutische Maßnahmen gegeben.

Differentialdiagnose

Andere Erkrankungen mit Proteinurei mit/ohne Hämaturie.  Poststreptokokken-Glomerulonephritis.

Therapie

Therapie allgemein

Verlauf/Prognose

Prognosebeurteilung mittels MEST-Kriterien. Von entscheidender Bedeutung ist das Ausmaß der Proteinurie.  Als Remission werden 3 konsekutive negative Resultate bzgl. einer Hämaturie sowie einer Proteinurie bezeichnet (Suzuki Y et al. 2014).

Bei 25% der Patienten gute Prognose mit Abheilung. Bei 50% der Patienten kommt es im Verlauf von 10-20 Jahren zur terminalen Niereninsuffizienz, bei 25% zu einem nephrotischen Syndrom.  Nach Nierentransplantation Rezidiv in ca.40%. 

Literatur
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  1. Cheung CK et al. (2015) Gluten and IgA nephropathy: you are what you eat? Kidney Int 88:215-218. 
  2. Lai KN (2012) Pathogenesis of IgA nephropathy. Nat Rev Nephrol 8:275-283.
  3. Mani LY et al. (2015) IgA-Nephropathie und Purpura Schönlein-Henoch - ein breites Spektrum. Ther Umsch 72:157-1560.
  4. Moeller S et al. (2014) Lack of serologic evidence to link IgA nephropathy with celiac disease or immune reactivity to gluten. PLoS One 9: e94677. 
  5. Peters HP et al. (2015) Immunosuppressive therapy  in patients with IgA nephropathy. Neth J Med 73:284-289.
  6. Roberts IS (2014) Pathology of IgA nephropathy. Nat Rev Nephrol 10:445-454. 
  7. Suzuki Y et al. (2014) Proposal of remission criteria for IgA nephropathy. Clin Exp Nephrol 18:481-486. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23913115
  8. Thaiss F et al. (2000) IgA-Nephropathie: Klinik, Pathogenese und Therapie der häufigsten Glomerulonephritis. Dtsch Arztebl 97: A-2708 / B-2302 / C-2048

Verweisende Artikel (1)

Purpura Schönlein-Henoch;

Weiterführende Artikel (3)

Gluten; Purpura Schönlein-Henoch; Zöliakie;

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