Hämophagozytische Lymphohistiozytose, familiäre D76.1

Zuletzt aktualisiert am: 13.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Familial erythrophagocytic lymphohistiocytosis; Familial histiocytic reticulosis; Familiäre erythrophagozytische Lymphohistiozytose; Familiäre histiozytische Retikulose; Hemophagocytic lymphohistiocytosis; HLH; Lymphohistiozytose familiäre erythrophagozytische; Lymphohistiozytose, familiäre hämophagozytische; Retikulose familiäre histiozytische

Erstbeschreiber

Die familiäre Form des Krankheitsbildes wurde erstmals im Jahre 1952 beschrieben und wird nach dem Erstbeschreiber auch als Morbus Farquhar bezeichnet. 

Definition

Hereditäres hyperinflammatorisches Syndrom, verursacht durch eine massiv überschießende, sepsisartige, inflammatorische, entzündliche Reaktion des Immunsystemsmit überwältigender Aktivierung von T-Lymphozyten und Makrophagen. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich.

Das klinische Bild unterscheidet sich häufig kaum von einer Sepsis, einem SIRS bzw. einer schweren Infektion und verläuft protrahiert. Häufig in Kombination mit primären Immundefizienzerkrankungen auftretend.

 

Vorkommen/Epidemiologie

Die Häufigkeit der hereditären HLH wurde in Schweden auf 0,12/100.000 Kinder <15 Jahre geschätzt, entsprechend 1/50.000 Lebendgeborenen.

Der HLH bei Neugeborenen und bei Säuglingen liegt meist die angeborene Form zugrunde.

Ätiopathogenese

Bei der hereditären HLH finden sich Mutationen in verschiedenen Genen, die für die Bereitstellung und Funktion der zytotoxischen Granula wichtig sind:

Typ 1: Autosomal-rezessiv vererbte Defekte des Hemophagocytic lymphohistiocytosis 1-Gens (HPLH1 Gen; Genlokus: 9q21.3-q22).

Typ 2: Autosomal-rezessiv vererbte Defekte des Hemophagocytic lymphohistiocytosis 2-Gens (HPLH2 Gen; Perforin 1 Gen; Genlokus: 10q22) mit konsekutiven Defekten von Perforin.

Manifestation

Überwiegend im Säuglingsalter, selten im Kindesalter oder später auftretend.

Klinisches Bild

Charakteristisch ist die Symptomentrias

prolongiertes Fieber

Hepatosplenomegalie

Bi- oder Panzytopenie

Weitere mögliche Krankheitszeichen sind neurologische Symptome, Lymphadenopathie, Hepatitis, Gerinnungsstörungen, Lungeninfiltrate, Pleuraerguss und Aszites, Diarrhoe u.a.

Seltener sind persistierende Lymphknotenschwellungen und Ikterus.

Im Kindesalter hat etwa 1/3 der Patienten neurologische Symptome wie Krampfanfälle, meningitische Zeichen oder Ausfälle von Hirnnerven. 

Dermatologisch finden sich häufig Petechien, ekzematöse Hautveränderungen und rezidivierende purulente bakterielle Infektionen (Abszesse).; weiterhin aauch virale Infektionen mit Herpes-Viren (Herpes-simplex-, Varizella-Zoster-Virus).

 

Labor

Panzytopenie oder Anämie und Thrombozytopenie, Hypertriglyceridämie, Hypofibrinogenämie, Erhöhung der Lebertransaminasen. Die Funktion der natürlichen Killerzellen ist bei vielen Patienten vermindert.

Diagnose

Knochenmarkspunktion; ggf. Leber-, Milz- und/oder Lymphknotenbiopsie.

Therapie

Symptomatisch je nach Klinik. Allogene Knochenmarkstransplantation.

Verlauf/Prognose

Ohne allogene Knochenmarkstransplantation infaust. Gute Prognose nach allogener Knochenmarkstransplantation (selten Rezidive).

Literatur
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  1. Dufourcq-Lagelouse R et al. (1999) Linkage of familial hemophagocytic lymphohistiocytosis to 10q21-22 and evidence for heterogeneity. Am J Hum Genet 64: 172-179
  2. Farquhar JW, Claireaux AE (1952) Familial haemophagocytic reticulosis. Arch Dis Child 27: 519-525
  3. Farquhar JW, MacGregor AR, Richmond J (1958) Familial haemophagocytic reticulosis. Brit Med J 2: 1561-1564
  4. Imashuku S et al. (2004) Longitudinal follow-up of patients with Epstein-Barr virus-associated hemophagocytic lymphohistiocytosis. Haematologica 89: 183-188
  5. Ioannidou D (2003) Langerhans' cell histiocytosis and haemophagocytic lymphohistiocytosis in an elderly patient. J Eur Acad Dermatol Venereol 17: 702-705
  6. Ohadi M et al. (1999) Localization of a gene for familial hemophagocytic lymphohistiocytosis at chromosome 9q21.3-22 by homozygosity mapping. Am J Hum Genet 64: 165-171

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