Epstein-Barr-Virus

Zuletzt aktualisiert am: 13.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

EBV; EBV-Infektionen; Epstein-Barr-Virus-Infektion; Epstein-Barr-Virus-Infektionen

Erstbeschreiber

Epstein, 1964

Definition

Humanpathogenes, behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus aus der Familie der Herpesviridae (HHV-4).

 

Allgemeine Definition

Hauptübertragungswege des Virus sind Tröpfcheninfektionen oder Kontaktinfektionen (besonders Speichel) bzw. Schmierinfektion, seltener sind Übertragungen im Rahmen von Transplantationen oder Bluttransfusionen.

Manifestation

Das Virus ist Erreger der infektiösen Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) sowie weiterer EBV-assoziierten Erkrankungen:

Infektiöse Mononukleose: Bei Jugendlichen oder bei erwachsenen Infizierten kommt es in 30-60% aller Fälle zum Ausbruch einer Infektiösen Mononukleose.

Virus-Arzneimittel-Interaktionen: bei etwa 1/3 (Chovel-Sella et al. 2013, Untersuchungen an 173 Kindern) aller Kinder die auf Grund einer akuten Tonsillitis mit Aminopenicillinen behandelt  werden, tatsächlich jedoch an einer infektiösen Mononukleose erkrankt sind, tritt ein rumpfbetontes kleinfleckiges Exanthem auf. Die Ursache ist unklar (EBV-induzierte polyklonale B-Zell-Aktivierung?). Nach Abklingen der Infektion werden Aminopenicilline größtenteils wieder vertragen.  
Im höheren Lebensalter sind 95% der Menschen mit EBV infiziert. Auch nach der Abheilung der infektiösen Mononukleose bleibt das Epstein-Barr-Virus im Körper. Es kann wie alle Herpesviren reaktivieren (s.a. Organtransplantationen, Hautveränderungen).

EBV-assoziierte Malignome:

  • Als seltene Komplikation: Burkitt-Lymphom.
  • EBV-assoziierte B-Zell-Lymphome bei AIDS-Patienten.
  • Posttransplantations-Lymphoproliferative Erkrankung (PTLD).
  • Patienten mit einer anamnestischen Infektiösen Mononukleose haben ein dreifach erhöhtes Risiko an einem M. Hodgkin zu erkranken. 
  • Im asiatischen Raum gilt eine EBV-Infektion als Risikofaktor für Tumoren der Nase oder des Kehlkopfes (Nasopharynxkarzinom).
  • Auch bei Mammakarzinom und dem Leiomyosarkom (Aida N et al. 2019) scheint das EBV eine Rolle zu spielen.

Weiterhin wirken EB-Viren u.a. als Kofaktoren bei:

Diagnose

Klinik, Serologie

Serologischer Nachweis (frische Infektion):

  • Paul-Bunnel-Reaktion (heterophile IgM-AK, die Hammelerythrozyten agglutinieren) ist positiv, bei Kindern nur in 40-50% der Fälle. AK sind aber nicht EBV-spezfisch!
  • Anti-VCA (virales Capsid Antigen) IgG- + IgM - Antikörper gegen Epstein-Barr-Virus, vierfacher Titeranstieg im Abstand von 10-14 Tagen.
  • Nachweis von Epstein-Barr-Virus DNA via PCR.

Zurückliegende Infektion:

Nachweis von Anti-VCA vom IgG-Typ 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Aida N et al. (2019) A Case of Epstein-Barr Virus-Associated Leiomyosarcoma Concurrently With
    Posttransplant Lymphoproliferative Disorders After Renal Transplantation.
    Clin Med Insights Case Rep 12:1179547619867330. 
  2. Chovel-Sella A et al. (2013) Incidence of rash after amoxicillin treatment in children with infectious mononucleosis.Pediatrics 131:e1424-1427
  3. Epstein MA (1964) Virus particles in cultured lymphoblasts from Burkitt's lymphoma. Lancet 1: 702-703
  4. Trappe, R et al. (2006) Pathogenic, Clinical, Diagnostic and Therapeutic Aspects of Posttransplantation Lymphoproliferative Disorders. Dtsch Arztebl 103: A-3259 / B-2836 / C-2718
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