Chagas-Krankheit B57.2

Zuletzt aktualisiert am: 24.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Amerikanische Trypanosomiasis; Chagom; Trypanosomiasis amerikanische

Erstbeschreiber

Chagas, 1909

Definition

Durch Raubwanzen übertragene Trypanosomeninfektion (s.u. Protozoen).

Erreger

Trypanosoma cruzi, obligat intrazellulärer Parasit.

Vorkommen/Epidemiologie

  • 16-20 Millionen Infizierte in Zentral- u. Südamerika, davon ca. ein Drittel in Brasilien. Inzidenz (weltweit): 200.000-300.000 Neuerkrankungen/Jahr.
  • Geographische Verbreitung: Mexico, Mittel- und Südamerika (die südliche Grenze liegt auf der Höhe der nördlichen Provinzen Argentiniens), vereinzelt wurden Erkrankungsfälle in den Südstaaten (insbes. Texas) u. im mittleren Westen der USA beschrieben.

Ätiopathogenese

  • Übertragung durch Insektenstiche der Familie der Triatomiden (Raubwanze). Als Erreger-Reservoir dienen zahlreiche Tiere, insbesondere Hunde, Katzen, Affen und Schweine. Im Gewebe Invasion des retikuloendothelialen Systems u. Ausbreitung über das Lymphgefäßsystem, später auch über die Blutbahn. Mit zunehmender Erkrankungsdauer Befall der inneren Organe, insbes. Herz, Muskeln, Nervensystem.
  • Übertragung auch durch Bluttransfusion, intrauterin oder mit der Muttermilch möglich.

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit: 5-21 Tage nach Übertragung durch Raubwanzen, 30-40 Tage nach Bluttransfusion.
  • Akute Phase: Nur ca. 30-50% der neuinfizierten Patienten entwickeln akute Krankheitssymptome (die akute Phase wird zumeist bei Kindern gesehen!). Etwa 5 Tage nach dem Stich kommt es zur entzündlichen Schwellung in der Umgebung der Inokulation (Chagom), z.B. einseitige Gesichtsschwellung oder entzündlicher Tumor am Rücken oder Bein (mehrere Wochen persistierend). Bei Stich in die Lidhaut: Lidödem mit Konjunktivitis = Romana-Zeichen. Juckreiz, später regionale Lymphknotenschwellungen. Vergrößerung der oberen äußeren Tränendrüse. Entwicklung rezidivierender multiforme-artiger Erytheme. Weiterhin: Fieber, generalisierte Ödeme, Hepatosplenomegalie, allgemeine Lymphknotenschwellung, Konvulsionen, Erbrechen, Diarrhoe, Dilatative Kardiomyopathie (häufigste Ursache einer DCM in Zentral-und Südamerika)
  • Latenzphase: Lang andauernd (Monate-Jahre). Die Patienten sind meist symptomfrei. Selten kann es bei Patienten, die unter Erkrankungen leiden, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen ( HIV-Infektion), zum Wiederauftreten von akuten Krankheitssymptomen kommen.
  • Chronische Krankheitsphase ( Chagasleiden): Subakut oder chronisch kommt es zur Entwicklung von Myokarditis, Kardiomegalie, Reizleitungsstörungen, Herzinsuffizienz, Achalasie, Enzephalomyelitis, Megaösophagus, Megakolon.

Diagnose

  • Der Parasitennachweis gelingt hauptsächlich in der akuten Krankheitsphase und ist aufgrund der niedrigen Parasitendichte in der Latenzphase u. der chronischen Krankheitsphase seltener erfolgreich!
  • Akute Phase: Parasitennachweis im Chagompunktat, der Lymphknotenbiopsie oder dem Blutausstrich (dicker Tropfen, nativ oder Giemsafärbung).
  • Chronische Phase: Klinik; KBR; Hautreaktion mit Antigen aus Trypanosoma cruzi; Tierversuch mit infektionsfreien Raubwanzen (Nachweis der Erreger mehrere Wochen später im Raubwanzenkot); Nachweis von Antikörpern mit ELISA, oder IFT (6 Monate nach Infektion nahezu 100% Serokonversion (Kreuzreaktionen mit Leishmaniosen sind möglich!).

Differentialdiagnose

Interne Therapie

Prophylaxe

Maßnahmen zur Schaffung hygienischer Wohnverhältnisse. Bekämpfung der Raubwanzen mit Insektiziden. Individueller Schutz vor Raubwanzen (Moskitonetz, Fliegengitter). Raubwanzen sind nachtaktiv!

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Chagas C (1909) Über eine neue Trypanosomiasis des Menschen. Archiv für Schiffs - und Tropen-Hygiene 13: 351-353
  2. Chagas C (1909) Nova tripanosomiase humana. Estudos sobre e morfologia e o ciclo evolutivo do Schizotrypanum cruzi n. gen. n. sp. agente etiologico de nova entidade morbida do homem. Mem Inst Oswaldo Cruz 1: 159–218
  3. Kirchhoff LV (2003) Changing Epidemiology and Approaches to Therapy for Chagas Disease. Curr Infect Dis Rep 5: 59-65
  4. La Forgia MP (2003) Cutaneous manifestation of reactivation of chagas disease in a renal translant patient: Long term follow-up. Arch Dermatol 139: 104–105
  5. Prata A (2001) Clinical and epidemiological aspects of Chagas disease. Lancet Infect Dis 1: 92-100

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