Certolizumab Pegol

Zuletzt aktualisiert am: 01.09.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cimzia

Definition

Certolizumab Pegol ist ein pegylierter monoklonaler Antikörper aus der Medikamentenklasse der TNF-alpha-Blocker. Certolizumab Pegol bindet gezielt an das Zytokin TNF-alpha, und verhindert somit das Auslösen einer entzündlichen Kaskadenreaktion. Pegylierung bedeutet, daß Polyethylenglycol (PEG)-Anteile in den Antikörper eingebaut werden. Dadurch kann die Halbwertszeit des Arzneimittels verlängert werden.

Das Fehlen des Fc-IgG-Anteils in diesem monoklonalen Antikörper wird insofern als Vorteil angesehen, als vermutlich einige mögliche Nebenwirkungen von monoklonalen Antikörpern mit dem Fc-Anteil in Verbindung stehen. Zugleich verändert sich durch die Pegylierung die sogenannte Pharmakokinetik des Antikörpers, d.h. das Verhalten des Medikaments im Organismus.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Certolizumab Pegol wurde am 1. Oktober 2009 als Cimzia® in den Ländern der gesamten Europäischen Union offiziell für die Therapie der rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis) zugelassen. In den USA erfolgte die Zulassung durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA im April 2008 zunächst für den M. Crohn, im Mai 2009 erfolgte die Zulassung für die rheumatoide Arthritis (M06.9).

Certolizumab ist seit Juni 2018 auf Grund von 3 Phase-III-Studien (CIMPASI-1/-2 sowie CIMPACT), zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis zugelassen (Gottlieb AB et al. 2018). In der CIMPACT-Studie betrug der PASI 75 in der 12. Therapiewoche unter 200mg 61,3% unter 400mg 66,7% (Lebwohl M et al. 2018). Auch beim DLQI erreichte nach 16 Wochen jeder 2. Patient den besten Wert: Beeinträchtigung der Lebensqualität. In die Muttermilch findet nur ein minimaler bis überhaupt kein Transfer von Certolizumab statt (CRIB/CRADDLE). Es bietet somit eine mögliche Therapieoption für stillende psoriatische Mütter.

Indikation

Certolizumab Pegol wird zur Behandlung von Erwachsenen mit einer mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis, bei der konventionelle krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs, disease modifying antirheumatic drugs) einschließlich Methotrexat (MTX) nicht oder nicht ausreichend angesprochen haben. Um eine maximale Wirksamkeit zu gewährleisten, wird Certolizumab in der Regel in Kombination mit Methotrexat eingesetzt. Patienten, die eine Unverträglichkeit gegenüber Methotrexat aufweisen oder bei denen die weitere Behandlung mit Methotrexat aus anderen Gründen nicht sinnvoll ist, können auch ohne MTX mit Cimzia monotherapeutisch behandelt werden. 

Certolizumab ist zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis zugelassen. Dosierungen und Art der Applikationen richtet sich nach den langjährigen Erfahrungen in der Theapi der rheumatoiden Arthritis.

Dosierung und Art der Anwendung

Die Therapie mit Certolizumab Pegol erfolgt als subkutane Injektion (s.c.). 

Bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis beträgt die übliche Dosis 200 mg Certolizumab/14 Tage. In der Startphase der Therapie wird die Dosis verdoppelt, d.h. am ersten Tag werden 400 mg verabreicht, ebenso nach 14 und nach 28 Tagen.

Die gegenüber konventionellen DMARDs deutlich verbesserte Wirksamkeit von Certolizumab ist für die Therapie der rheumatoiden Arthritis durch umfangreiche klinische Studien überzeugend belegt.

Durch Rapid-1-Studie und Rapid-2 konnte gezeigt werden, daß unter der Therapie mit Certolizumab Pegol in Kombination mit Methotrexat bei mehr als 2/3 der Patienten ein völliger Stop der radiologisch nachweisbaren Progression erreicht werden konnte. Die maximale klinische Wirksamkeit wird in der Regel nach 8-12 Wochen erreicht.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den häufigsten UAWs zählen Infektionen, wobei es sich bei dem erhöhten Infektionsrisiko meist um banale Infekte der oberen Luftwege wie normale Erkältungen, weiterhin auch Bronchitis, Halsschmerzen oder Nebenhöhlenentzündungen handelt. Lokale Unverträglichkeiten sind gering. 0

Schwere Nebenwirkungen unter der Therapie mit Certolizumab sind selten. Sie betreffen in v.a. Infektionskomplikationen.  Ein spezieller Warnhinweis betrifft das mögliche Auftreten von Tuberkulosen. Dabei handelt es sich meist um eine Reaktivierung bereits vorhandener, latenter Infektionen.

Hinweis(e)

Vor Beginn der Therapie mit Certolizumab muss eine Tuberkulose ausgeschlossen werden (Amerio P et al. 2013). Dies betrifft ebenfalls eine Hepatitis-B-Virus-Infektion. Eine besonders strenge Indikationsstellung gilt für HBV-Carrier, d.h. Personen, die zwar keine Symptome einer aktiven Hepatitis-B-Infektion aufweisen, aber Träger des Hepatitis-B-Virus sind. Bei ihnen ist auch eine sehr engmaschige Überwachung im Therapieverlauf notwendig.

Nicht eingesetzt werden darf Certolizumab bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Herzinsuffizienz (NYHA Grad III/IV) sowie bei Patienten mit unbehandelten, aktiven akuten oder chronischen Infektionen.

Literatur
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  1. Amerio P et al. (2013) Detection and management of latent tuberculosis infections before biologic therapy for psoriasis. J Dermatolog Treat 24:305-311. 
  2. Clowse ME et al. (2015) Pregnancy Outcomes in Subjects Exposed to Certolizumab Pegol. J Rheumatol 42:2270-2278.
  3. Dhillon S (w014) Certolizumab pegol: a review of its use in patients with axial spondyloarthritis or psoriatic arthritis. Drugs 74:999-1016. 
  4. Gottlieb AB et al. (2018) Certolizumab pegol for the treatment of chronic plaque psoriasis: Results through 48 weeks from 2 phase 3, multicenter, randomized, double-blinded, placebo-controlled studies (CIMPASI-1 and CIMPASI-2). J Am Acad Dermatol 79:302-314.e6. 
  5. Lebwohl M et al. (2018) Certolizumab pegol for the treatment of chronic plaque psoriasis: Results through48 weeks of a phase 3, multicenter, randomized, double-blind, etanercept- and placebo-controlled study (CIMPACT). J Am Acad Dermatol 79:266-276.e5. 
  6. Punzi L et al.(2014) Efficacy and safety of certolizumab pegol in rheumatoid arthritis: meeting rheumatologists' requirements in routine clinical practice. BioDrugs 28 Suppl 1: 25-37.
  7. Sandborn WJ et al. (2014) Long-term safety and efficacy of certolizumab pegol in the treatment of Crohn's disease: 7-year results from the PRECiSE 3 study. Aliment Pharmacol Ther 40:903-916.
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