Candidose B37.9

Zuletzt aktualisiert am: 08.11.2019

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Angelika Németh

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Synonym(e)

Candidamykose; Candida-Mykose; Candidamykose interdigitale; Candidasis; Candidiasis; Candidosis; Erosio interdigitalis blastomycetica; Granuloma candidamyceticum; Kandidamykose; Kandidose; Kandidosen; Moniliasis; Mukokutane Candidose; Oidiomykose; Oidomycosis; Oidose; Soor

Definition

Lokalisierte oder auch disseminerte Infektion der Haut und/oder der Schleimhäute, hervorgerufen durch dimorphe Sprosspilze (Hefepilze), überwiegend durch Candida albicans. Invasive (systemische) Candidiasis betrifft v.a. Patienten mit zsätzlichen Risikofaktoren (längere Immunsuppression, Neutropenie, langzeitige Therapie mit Breitbandantibiotika).

Erreger

Runde bis ovale Hefepilze; Vorliegen meist in sprossender Form, im Gewebe (als invasiv wachsender Pilz) auch als Fadenform (Pseudomycel).

Häufigster Vertreter ist C. albicans, daneben seltenere Arten wie C. tropicalis, Candida guilliermondii, C. parapsilosis, C. krusei. Die menschenpathogenen Candida-Spezies sind verbreitete Schleimhautsaprophyten.

Vorkommen/Epidemiologie

Heffen der Gattung Candida findet sich als Saprophyt in geringer Konzentration bei einem Teil der gesunden Bevölkerung:

  • Stuhl > 50%
  • Oropharynx 30%
  • Vagina 25%
  • Haut, seltener ohne Krankheitserscheinungen.

 

 

Ätiopathogenese

Infektion mit Candida, meist Candida albicans. Zu den systemische Prädispositionsfaktoren (sehr alt, sehr jung, sehr krank) gehören:

Diabetes mellitus, Obesitas, Antibiotika-Therapie, Abwehrschwäche, Gravidität, Morbus Cushing, Morbus Addison, Hypoparathyreoidismus, Hypothyreose, Immundefekte infolge von immunsuppressiver Therapie (Glukokortikoid-Therapie, Zytostatika-Therapie) oder bei HIV-Infektion, Einnahme von Ovulationshemmern, Arbeiten im feuchten Milieu, langzeitiges Tragen von okkludierender Kleidung.

Auftreten invasiver Candida-Infektionen sind fast ausschließlich bei Immunsupprimierten zu beobachten!

Klinisches Bild

S.u. den jeweiligen klinischen Krankheitsbildern. 

Eine Candidastomatitis ggf. auch Ösophagitis (evtl. dysphagische Symptome) sind ein wichtige Indizien auf eine tiefgreifende Immunsuppression (z.B. HIV-Infektion). Bei Patienten mit komplexen immunsuppressiven Störungen (evtl. in Kombination mit Neutropenie, langdauernder Antibiotikatherapie, Chemotherapie) kann es zu einer Candidafungämie und disseminierter viszeraler Candidose (Septikämie) kommen mit Befall von Leber, Milz, Nieren, Augenhintergrund (Cotton-Wool-Herde), Endokarditis (I33.0) oder Osteomyelitis (M86.-). Ein für Patienten mit langdauernder Neutropenie (z.B. nach Stammzelltransplantationen) typisches Krankheitsbild ist die heptosplenische Candidiasis mit multiplen splenischen und hepatischen Abszessen (van Prehn J et al. 2017). 

Diagnose

Klinische Symptomatik die auf eine Candidose hinweist. 

Mykologische Diagnostik; die für Hefen typischen Sprosszellen werden in einem Nativpräparat auf KOH-Basis sichtbar. Ausschluss bakterieller Infektionen.

Kultur: Im Hinblick auf die Resistenzen einiger Candida-Spezies (z.B. bei Candida glabrata oder anderen Non-albicans-Spezies) gegenüber versch. Antimykotika ist die Identifikation der Spezies sinnvoll. Beim kulturellen Nachweis von nur einer einzigen Kolonie besteht der Verdacht auf eine einzige kommensale Hefezelle.

Die kulturelle Identifikation einer Spezies ist weiterhin bei allen chronisch-rezidivierenden Verläufen, v.a. bei  immunsupprimierten Patienten Patienten notwendig.     

Eine Wood-Licht-Untersuchung ist zum Nachweis der Candidose ungeeignet.

Differentialdiagnose

Bakterielle Infektionen durch Streptokokken oder Staphylokokken; Erythrasma; Intertrigo; Pustulosen anderer Genese.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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