Avelumab

Zuletzt aktualisiert am: 28.08.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Anti-PD-L1; Avelumabum; MSB0010718C

Definition

Intravenös applizierbarer, biotechnologisch hergestellter, humaner monoklonaler IgG1λ-Antikörper, der für die Behandlung von Patienten mit einem metastasierten Merkelzellkarzinom und weiteren Krebserkrankungen zugelassen ist. Avelumab wurde in den USA, in der EU und in der Schweiz im Jahr 2017 zugelassen.

Wirkungen

Avelumab bindet an den programmierten Zelltod-Liganden 1 (PD-L1) und verhindert so die Interaktion mit den Rezeptoren PD-1 und B7.1. Das Protein hat immunstimulierende, antitumorale und zytotoxische Eigenschaften und hemmt dadurch die Wechselwirkung zwischen PD-L1 und den Rezeptoren PD-1 und B7.1. Dies führt dazu, dass die hemmende Wirkung von PD-L1 auf die T-Zellen aufgehoben wird. Zytotoxische T-Zellen, die T-Zell-Proliferation und die Zytokinproduktion werden angeregt.

PD-L1 wird auf Tumorzellen und/oder tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert und hemmt die Immunantwort. In vitro konnte jedoch gezeigt, dass Avelumab zusätzlich auch mittels antikörperabhängiger zellvermittelter Zytotoxizität (ADCC) eine direkte Tumorzelllyse vermittelt. Die Halbwertszeit des Therapeutikums beträgt etwa 6 Tagen

Indikation

Metastasiertes Merkel-Zell-Karzinom (D'Angelo SP et al. 2018).

In einigen Ländern erweiterte Indikationen: Urothelkarzinoms, Magenkrebs.

Avelumab wird in Kombination mit Axitinib als Erstlinientherapie bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) angewendet (Choueiri TK et al. 2018).

Dosierung und Art der Anwendung

Die empfohlene Dosis von Bavencio als Monotherapie beträgt 800 mg alle 2 Wochen und wird über 60 Minuten intravenös verabreicht.

Prämedikation: Vor den ersten 4 Infusionen von Bavencio ist eine Prämedikation der Patienten mit einem Antihistaminikum und Paracetamol erforderlich. Wenn die vierte Infusion ohne infusionsbedingte Reaktion abgeschlossen wurde, sollte die Prämedikation bei darauffolgenden Dosen nach Ermessen des Arztes verabreicht werden.

Unerwünschte Wirkungen

Hinweis: Die Nebenwirkungen sind nach Systemorganklasse und Häufigkeit geordnet. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100); selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000); sehr selten (< 1/10.000). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe sind die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben. Die Organ- und Erkrankungsklassen (SOC) werden nach MedDRA benannt.

Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören:

Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Appetitverlust, Verstopfung, infusionsbedingte Reaktionen, Gewichtsverlust und Erbrechen.

UAWs im Rahmen einer Stdie (Merkelzell-Karzinom: Sicherheit und Nebenwirkungen einer Monotherapie mit Avelumab bei 1.738 Patienten mit soliden Tumoren, auch mit metastasiertem MCC). Diese Patienten erhielten im Rahmen klinischer Studien Avelumab 10 mg/kg alle 2 Wochen. In dieser Patientenpopulation waren die häufigsten unter Avelumab auftretenden Nebenwirkungen Ermüdung (32,4 %), Übelkeit (25,1 %), Diarrhö (18,9 %), verminderter Appetit (18,4 %), Obstipation (18,4 %), infusionsbedingte Reaktionen (17,1 %), Gewichtsabnahme (16,6 %) und Erbrechen (16,2 %). Die häufigsten Nebenwirkungen ≥ 3. Grades waren Anämie (6,0 %), Dyspnoe (3,9 %) und Abdominalschmerzen (3,0 %). Schwerwiegende Nebenwirkungen waren immunvermittelte Nebenwirkungen und infusionsbedingte Reaktionen

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

  • Sehr häufig: Anämie
  • Häufig: Lymphopenie
  • Gelegentlich: Thrombozytopenie, Eosinophilie

Erkrankungen des Immunsystems

  • Gelegentlich: Arzneimittelüberempfindlichkeit, anaphylaktische Überempfindlichkeitsreaktion, Typ-1-Überempfindlichkeit

Endokrine Erkrankungen

  • Häufig: Hypothyreose
  • Gelegentlich: Nebenniereninsuffizienz, Hyperthyreose, Thyreoiditis, Autoimmunthyreoiditis, akute Nebennierenrindeninsuffizienz, Autoimmunhypothyreose, Hypopituitarismus

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

  • Sehr häufig: Verminderter Appetit
  • Gelegentlich: Diabetes mellitus*, Diabetes mellitus Typ 1

Erkrankungen des Nervensystems

  • Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, periphere Neuropathie
  • Gelegentlich: Guillain-Barré-Syndrom*

Augenerkrankungen

  • Gelegentlich: Uveitis

Herzerkrankungen

  • Selten: Myokarditis

Gefäßerkrankungen

  • Häufig: Hypertonie, Hypotonie
  • Gelegentlich: Flush

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

  • Sehr häufig: Husten, Dyspnoe
  • Häufig: Pneumonitis

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

  • Sehr häufig: Übelkeit, Diarrhö, Obstipation, Erbrechen, Abdominalschmerzen
  • Häufig: Mundtrockenheit
  • Gelegentlich: Kolitis, Autoimmunkolitis, Enterokolitis, Ileus
  • Selten: Pankreatitis

Leber- und Gallenerkrankungen

  • Gelegentlich: Autoimmunhepatitis, akutes Leberversagen, Hepatitis

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

  • Häufig: Pruritus, makulo-papulöse Exantheme, trockene Haut
  • Gelegentlich: Psoriasis, exfoliative Dermatitis, Erythema multiforme, Pemphigoid, generalisierter Pruritus, Vitiligo (Wang PF et al. 2017)

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

  • Sehr häufig: Rückenschmerzen, Arthralgie
  • Häufig: Myalgie
  • Gelegentlich: Myositis

Bei < 1 % der Patienten wurden weitere klinisch bedeutsame immunvermittelte Nebenwirkungen berichtet: Myositis, Hypopituitarismus, Uveitis und Guillain-Barré-Syndrom (Wang PF et al. 2017).

 

Kontraindikation

Avelumab ist bei einer Überempfindlichkeit kontraindiziert. Die vollständigen Vorsichtsmaßnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Präparate

Bavencio®

Hinweis(e)

Die Patienten sollten auf Anzeichen und Symptome von infusionsbedingten Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Hitzegefühl, Hypotonie, Dyspnoe, Giemen, Rückenschmerzen, Abdominalschmerzen und Urtikaria überwacht werden.

Literatur
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  1. Arzneimittel-Fachinformation (Merck); abgerufen am 27.8.2020
  2. Choueiri TK et al. (2018) Preliminary results for avelumab plus axitinib as first-line therapy in patients with advanced clear-cell renal-cell carcinoma (JAVELIN Renal 100): an open-label, dose-finding and dose-expansion, phase 1b trial. Lancet Oncol 19: 451-460.
  3. D'Angelo SP et al. (2018) Efficacy and Safety of First-line Avelumab Treatment in Patients With Stage IV Metastatic Merkel Cell Carcinoma: A Preplanned Interim Analysis of a Clinical Trial. JAMA Oncol 4:e180077.
  4. Dirix LY et al. (2018) Avelumab, an anti-PD-L1 antibody, in patients with locally advanced or metastatic breast cancer: a phase 1b JAVELIN Solid Tumor study. Breast Cancer Res Treat 167: 671-686.
  5. Gaiser MR et al. (2018) PD-L1 inhibition with avelumab for metastatic Merkel cell carcinoma. Expert Rev Clin Pharmacol 11:345-359.
  6. Joseph J et al. (2018) Avelumab: A Review of Its Application in Metastatic Merkel Cell Carcinoma. Ann Pharmacother 52:928-935.
  7. Wang PF et al. (2017) Immune-Related Adverse Events Associated with Anti-PD-1/PD-L1 Treatment for Malignancies: A Meta-Analysis. Front Pharmacol 8:730.

Verweisende Artikel (2)

Avelumab; Monoklonale Antikörper;

Weiterführende Artikel (3)

MedDRA; Merkel-Zell-Karzinom; PD-1;
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