Asthma bronchiale intrinisisches J45.1

Zuletzt aktualisiert am: 10.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

intrinsic asthma; intrinsischesn Asthma bronchiale; nichtallergisches Asthma

Definition

Variable, intermittierend auftretende, ganz oder teilweise reversible Atemwegsobstruktion infolge Entzündung und Hyperreagibilität der Atemwege. Klinisch ist das Asthma bronchiale durch eine anfallsweise Atemnot aufgrund einer  Bronchokonstriktion gekennzeichnet. Unter einem Status asthmaticus wird ein schwerer, mindestens 24-Stunden dauernder therapierefraktärer Asthmaanfall verstanden.  

Einteilung

Bei dem nichtallergischen Asthma bronchiale wird unterschieden:

Infektinduziertes Asthma (bei Säuglingen und Kleinkindern liegt oft eine infektbedingte, evtl. rezidivierende, obstruktive Ventilationsstörung vor, die im Verlauf der ersten Lebensjahre abklingen kann).

Medikamentös induziertes (z.B. Analgetika-induziertes Asthma = Analgetika-Asthma-Syndrom

Toxin- oder Chemikalien –induziertes (irritatives) Asthma

Anstrengungsasthma (exercise induced asthma)

Late-onset-Asthma (Erstmanifestration bei Erwachsenen, Frauen bevorzugt befallen)

Asthma mit Adipositas (adipöse Frauen können an besonders schwer verlaufendem Asthma erkranken)

Bemerkung: Mischformen (mit allergischem Asthma) sind möglich, so kann bei einem initial allergischem Asthma im Verlauf die intrinsische, nichtallergische Komponente die klinische Symptomatik dominieren. 

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz bei Erwachsenen etwa 5%; bei Kindern bis zu 10%.

m:w=2:1

Etwa 15% der Bevölkerung leiden unter einer unspezifischen bronchialen Überempfindlichkeit.

Ätiopathogenese

Pathogenese: Die Ursache für die unspezifische Überempfindlichkeit der Atemwege die bei allen Formen des extrinsischen wie auch des intrinsischen Asthmas vorliegt ist weitgehend ungeklärt. Die z.T. sehr unterschiedlichen Auslöser bewirken eine Freisetzung von inflammatorischen Mediatoren aus Mastzellen, basophilen Leukozyten und Makrophagen. Diese induzieren Epithelschäden der Mukosa, Kontraktion der Bronchialmuskulatur, Schleimhautödem und eine Sekretion von zähem Schleim.

Auslösende (oder mitauslösende) Faktoren die geeignet sind asthmatische Reaktionen induzieren:

Respiratorische Infekte: Virale, bakterielle und mykotische Infekte können beim extrinsischen wie auch beim intrinsischen Asthma einen Asthmaschub induzieren.

Medikamentös: NSAR (Aspirin) ausgelöstes (sog. pseudoallergisches) intrinsisches Asthma

Chemische Reize: Rauch und Staub; Chemikalien

Situative Faktoren: Aufenthaltsort, Tätigkeiten (z.B. Arbeitsplatz, Hobbys);

Körperliche Belastungen (exercise induced asthma)

Sonstige Faktoren: Temperatureinflüsse wie  Kälte, psychische Belastungen.

​Menschen mit Polymorphismen in dem ORMDL3-Gen haben ein um 70% erhöhtes Risiko an Asthma bronchiale zu erkranken. 

 

Manifestation

Erstmanifestation im mittleren Erwachsenenalter (>40 Jahre)

Klinisches Bild

Die Diagnose „Asthma“ ist eine klinische Diagnose. Sie stützt sich auf charakteristische Beschwerden und Symptome und den Nachweis einer Atemwegsobstruktion und/oder einer bronchialen Hyperreagibilität. Charakteristisch ist das wiederholte Auftreten anfallsartiger, oftmals nächtlicher Atemnot und/oder Brustenge und/oder Husten mit und ohne Auswurf.

Die Beschwerden können intermittierend oder kontinuierlich vorhanden sein.

Auskultatorisch: Trockene Nebengeräusche (Giemen, Pfeifen, Brummen) bei der Auskultation, ggf. durch eine forcierte Exspiration zu provozieren; verlängertes Exspirium.

Bei schwerer Obstruktion mit Lungenüberblähung oder ausgeprägtem Emphysem oftmals sehr leises Atemgeräusch (silent lung).

Patient sitzt im Anfall aufrecht und atmet unter Zuhilfenahme der Atemhilfsmuskulatur

Bei schwerer Atemnot (v. a. im Kindesalter): thorakale Einziehungen (v. a. Jugulum, intercostal, epigastrisch);

Bei eintretender Erschöpfung des Patienten evtl. respiratorisches Alternans (Wechsel zwischen thorakaler und abdominaler Atmung)

Nachweis der Zeichen der Atemwegsobstruktion können im beschwerdefreien Intervall fehlen.

Chronischer Husten ohne Asthma (als Asthamäquivalent) kann ein Hinweis auf ein Asthma bronchiale sein.

Tachykardie: evtl. Pulsus paradoxus (inspiratorischer Blutdruckabfall >10mmHg)

Stadieneinteilung der Atemwegsobstruktion

Stadium I (gering): Geringe Dyspnoe, diffuses Giemen

Stadium II (mäßig): Ruhedyspnoe, Gebrauch der akzessorischen Atemmuskulatur, lautes Giemen, Gausaustausch normal oder  eingeschränkt

Stadium III (schwerwiegend): schwere Dyspnoe, Zyanose, Gebrauch der akzessorischen Atemmuskulatur, Giemen oder Fehlen von Atemgeräuschen (silent lung), Pulsus paradoxus (mit der Überblähung der Lunge geht bei einer Sekundenkapazität <1,25 l ein Abfall des systolischen Blutdrucks während der Inspiration parallel; RR exspiratorisch 10 mm Hg höher als inspiratorisch). Gausaustausch deutlich eingeschränkt.

Stadium IV (akut lebensbedrohlich): schwerste Dyspnoe, Zyanose, Lethargie, Verwirrtheit, Pulsus paradoxus (Abfall des systolischen Blutdrucks während der Inspiration >30-50mm Hg).

Diagnose

Ausführliche Anamnese

Nachweis der variablen und/oder belastungsinduzierten Atemwegsobstruktion durch eine Lungenfunktionsprüfung (Lufu)

Lufu (s.u. Spirometrie): FEV1, FEV1/VC, PEF vermindert, erhöhter Atemwegswiderstand, verbessert nach Inhalation eines beta-Sympathomimetikums (Broncholysetest). Methacholintest zum Nachweis einer bronchialen Hyperreagibilität.

Allergologische Stufendiagnostik zum Ausschluß einer Sensibilisierung (Pricktestung, spez. IgE im Serum, eosinophile Granulozyten und ECP in Blut und Sputum bei allergischem Asthma erhöht, s.u. Asthma bronchiale extrinsisches)

EKG: Zeichen der Rechtsherzbelastung

Lab.: Blutbild, BSG (CRP). Sputumuntersuchung 

Differentialdiagnose

Therapie

Literatur
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  1. Ahnert J et al. (2010)Systematic literature review on interventions in rehabilitation for children and adolescents with asthma bronchiale. Rehabilitation (Stuttg) 49:147-159.
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  3. Jayasinghe H et al. (2015)  Asthma Bronchiale and Exercise-Induced Bronchoconstriction. Respiration 89:505-512.
  4. Leuppi JD et al. (2014) Management of an acute exacerbation of asthma and COPD. Ther Umsch 71:289-293.
  5. Matthys H (2000) Asthma bronchiale In: Gross, Schölmerich, Gerok (Hrsg) Schattauer Verlag Stuttgart, New York S. 477-481
  6. Netter FH (2000) Netters Innere Medizin. Georg Thieme Verlag Stuttgart, S. 230-243
  7. Schneider Spence JA et al.(2014) The significance of an allergological examination in asthma and COPD. Ther Umsch 71:267-274.

Verweisende Artikel (2)

Asthma bronchiale (Übersicht); NARES;

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