Aspergillose B44.9

Zuletzt aktualisiert am: 13.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Aspergillus infection

Definition

Schimmelpilzinfektion meist verursacht durch Aspergillus spp.

Erreger

Aspergillusarten, z.B. Aspergillus fumigatusAspergillus flavus, Aspergillus niger, Aspergillus terreus (s.a. Schimmelpilze).

Vorkommen/Epidemiologie

Hauptreservoir von Aspergillus spp. sind langzeitig gelagerte pflanzliche Materialien (Heu, Kompost, Blumenerde). Aspergillus wird ubiquitär gefunden. Vielfach als Lungen- und ZNS-Komplikation bei immunsupprimierten Patienten auftretend.

Ätiopathogenese

Abwehrschwäche, maligne Tumorleiden, 15%  bei Patienten mit zystischer Fibrose (E84.8), langzeitiger Therapie mit Glucocorticoiden, Zytostatika, nach Röntgenbestrahlung; Patienten mit Stammzelltransplantation.

Klinisches Bild

Lokalinfektion:

  • Befall von Haut, Schleimhäuten u. Nägeln s.u. Onychomykose (primäre kutane oder muköse Aspergillose).
  • Weiterhin Lokalbefall von Gehörgang, Ohren- und Nasennebenhöhlenbefall möglich.

Systeminfektionen: 

  • Bei systemischem Befall erfolgt die Infektion durch Inhalation der Sporen. Hierbei ist in erster Linie die Lunge betroffen:
    • Aspergillom (PIlzball) der sich in einer Kaverne der Lunge ausbreitet. 
    • Allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) mit Asthma bronchiale (IgE-vermitteltes allergisches Asthma bronchiale kann auch unabhängig von ABPA auftreten). 
    • Invasive pulmonale Aspergillose und Aspergillus-Pneumonie 
  • Bei ausgepräger polyätiologischer Immundefizienz (z.B. AIDS, Organtransplantagionen) können hämatogene Streuung mit Befall mehrerer innerer Organe, pyämisch-septischem Verlauf mit Metastasierung v.a. in den Herzmuskel, das Endokard, das Zentralnervensystem und die Nieren erfolgen.
  • Primäre kutane neonatale Aspergillose bei Frühgeborenen: seltene, aber zunehmende Erkrankung die v.a. bei unreifen Säuglingen beobachtet wird. Ursächlich sind kleine lokale Verletzungen sowie die ungenügende Keratinisierung des unreifen Organismus. Klinisch finden sich 1 oder mehrere derb konsistente, oberflächenglatte, rötliche Papeln.

 Exogen-allergische Alveolitis: Aspergillus-Spezies können hier (eher selten) auslösend wirken.

 

Diagnose

  • Erregernachweis mikroskopisch und kulturell in Gewebeproben.  
  • Nachweis von Aspergillus-Anitkörpern im Aspergillus-/Galactomann-Antigentest aus Serum, Bronchialsekret oder Liquor.
  • Bei Organbefall: Röntgen, Spiral-CT, Ak-Nachweis, Brocnhoskopie mit Nachweis von Aspergillus im Bronchialsekret. 
  • Histologischer Nachweis in Biopsien. 

 

Therapie allgemein

Bei diesen in Lungenkavernen sich ausbreitenden Pilzbällen ist eine rein medikamentöse Theapie wirkungslos. Chirurgische Entfernung von Aspergillomen falls vorhanden. 

Externe Therapie

Breitbandantimykotika, z.B. Ciclopiroxalamin (z.B. Batrafen Creme) oder Clotrimazol-Tinktur 2% oder Tolnaftat (z.B. Tinatox Creme, Tonoftal Creme).

Interne Therapie

Bei systemischer invasiver Aspergillose:

  • Therapie der 1. Wahl ist Voriconazol (Erwachsene u. Kinder > 12 J.: 2mal/Tag (alle 12 Std.) 6 mg/kg KG. Erhaltungsdosis ab Tag 2: 2mal/Tag 4 mg/kg KG i.v. ).
  • Alternativ: Amphotericin B (z.B. Ampho-Moronal 100 mg) 4mal/Tag 1 Tbl. für 2-4 Wochen oder liposomales Amphotericin B (z.B. AmBisome®) initial 1 mg/kg KG i.v., bei Bedarf schrittweise Steigerung auf 3 mg/kg KG i.v.).  Eventuell Kombination mit Flucytosin (z.B. Ancotil®: 150-200 mg/kg KG/Tag i.v. für 3-4 Wochen in 4 Einzeldosen über jeweils 20-40 Minuten).
  • Alternativ: Itraconazol (z.B. Sempera) 2mal/Tag 2 Kps. p.o. für 2-5 Monate.
  • Alternativ: Bei Versagen aller o.g. Therapien Versuch mit Caspofungin (z.B. Cancidas®: initial 70 mg/Tag i.v. bis einschließlich 7 Tage nach Abklingen der Symptomatik).

Prophylaxe

Bei stark immunsupprimierten Patienten wird Posaconazol prophylaktisch eingesetzt.

Hinweis(e)

Es gibt zunehmende Hinweise auf Azol-Resistenzen bei Aspergillus-Spezies (Dabas Y et al. 2018).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Dabas Y et al. (2018) "Emergence of azole resistant Aspergillus fumigatus from immunocompromised hosts
    in India". Antimicrob Agents Chemother  pii: AAC.02264-17. 
  2. Helmi M (2003) Aspergillus infection in lung transplant recipients with cystic fibrosis: risk factors and outcomes comparison to other types of transplant recipients. Chest 123: 800-808
  3. Klotz D et al. (2013) Primäre kuntane Aspergillose be einem extrem unreifen Frühgeborenen. Hautarzt 64: 664-665
  4. Tarrand JJ et al. (2003) Diagnosis of invasive septate mold infections. A correlation of microbiological culture and histologic or cytologic examination. Am J Clin Pathol 119: 854-858

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