Antisynthetase-Syndrom M33.1

Zuletzt aktualisiert am: 26.12.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Jo-1-Syndrom

Definition

Sonderform der Dermatomyositis von bisher ungeklärter Ätiologie. Namensgebend für das Jo-1-Syndrom oder Antisynthetase-Syndrom sind Autoantikörper gegen das Jo-1-Antigen (Jo-1: = Initialen des ersten Patienten John P.). Dies ist identisch mit einer Histidyl-Transfer-RNA-Synthetase im Zytosol.

Manifestation

w:m=2/3:1 (Mirrakhimov AE 2015)

Klinisches Bild

Neben einer Muskelbeteiligung kommt es charakteristischerweise zu einer interstitiellen Lungenbeteiligung, die auch prognostisch und klinisch das Krankheitsbild bestimmt. Beklagt werden zunehmende Belastungsdyspnoe, Muskelschwäche, makulöse bzw. makulo-papulöses Exanthem. Nicht selten sind palmare- und plantare Hyperkeratosen (Hände wie einMechaniker, Füße ie ein Wanderer). 

Zusätzlich können klinisch eine Polyarthritis und weitere Symptome bestehen, die dem klinischen Bild anderer Kollagenosen ähneln. Ebenso wie die Polymyositis und Dermatomyositis kann sich das Jo-1-Syndrom in sog. Myositis-Overlap-Syndromen präsentieren (in solchen Fällen Nachweis von U1-RNP-Antikörper).

Diagnose

Diagnostisch für das Anti-Synthetase-Syndrom  (ASS) ist das Vorhandensein von Serum-Autoantikörpern gegen Aminoacyl-tRNA-Synthetasen (Anti-ARS ist an der Proteinsynthese beteiligt). Antisynthetase-Antikörper umfassen: Anti-Histidyl- (Anti-Jo-1), Anti-Threonyl- (Anti-PL-7), Anti-Alanyl (Anti-PL-12), Anti-Isoleucyl- (Anti-OJ), Anti-Glycyl- (Anti-EJ), Anti-Asparaginyl- (Anti-KS)Anti-Wa, Anti-Tyrosil- (Anti-YRS), Anti-Phenylalanyl-Transfer-RNA-Synthetase (Anti-Zo), und Anti-SRP. Anti-Jo-1 ist der häufigste Anti-Synthethase-Antikörper (in 20-30% der Patienten mit Dermatomyositis und Polymyositis) (Witt LJ et al. (2016).

Differentialdiagnose

Bei Patienten mit Anti-Synthetase-Syndrom besteht, im Vergleich zu Dermatomyositis und Polymyositis, entzündlichen Myopathien, mit denen sie sich phänotypisch überlappen können, eine höhere Prävalenz und ein erhöhtes Ausmaß von interstitiellen Lungenerkrankungen. 

Therapie

Gutes Ansprechen auf die Gabe von systemischen Glukokortikoiden. Falls notwendig zusätzliche Gabe von Azathioprin, Methotrexat und Cyclophosphamid. S. u. Dermatomyositis.

Fallbericht(e)

Ein 64-jähriger Mann klagte seit 5 Wochen über eine zunehmende Belastungsdyspnoe, Muskelschwäche, symmetrische Schmerzen der Handgelenke und ein Rumpf-betontes makulöses nicht juckendes Exanthem.

Hinzu kamen akrale, warzenartige Hyperkeratosen der Hände sowie flächige Hyperkeratosen an den druckausgesetzten Arealen der Fußsohlen.

Deutlich erhöht waren CRP, CK, BSG. Nachweis von anti-Jo-1 Antikörpern.

Unter der Behandlung mit hochdosierten Glukokortikoiden verschwanden die arthritischen Symptome und das Exanthem innerhalb von 4 Tagen. Auch die Atemnot und  Hyperkeratosen zeigten sich innerhalb von 14 Tagen deutlich verbessert.

 

Literatur
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  1. Cojocaru M et al. (2016) New Insights into Antisynthetase Syndrome. Maedica (Buchar) 11:130-135. 
  2. Johnston G (2017) Antisynthetase syndrome. Clin Med (Lond) 17:591. 

  3. Mirrakhimov AE (2015) Antisynthetase syndrome: a review of etiopathogenesis, diagnosis and management. Curr Med Chem 22:1963-1975.

  4. Witt LJ et al. (2016) The Diagnosis and Treatment of Antisynthetase Syndrome. Clin Pulm Med 23:218-226.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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Zuletzt aktualisiert am: 26.12.2018