Antibiotika (Übersicht)

Zuletzt aktualisiert am: 08.08.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Aminoglykoside; Chinolone; Diaminopyrimidine; Fusidinsäure; Glykopeptide; Lincomycine; Lipopeptide; Makrolide; Monobactame; Nitrofurane; Nitroimidazole; Oxalactame; Oxazolodinone; Peniciliine, Cephalosporine, Peneme; Polypeptide; Rifamycine; Sulfonamide; Tetrazykline

Einteilung

Übersicht über die gängigen Antibiotika in der Inneren Medizin (variiert n. H. Hof 2019)

Beta-Laktamantibiotika (Antibiotika mit Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese, die alle durch ein gemeinsames Strukturmerkmal - ein Beta-Laktamring - gekennzeichnet sind)

Penicilline

Klassische Penicilline (wirksam gegen grampositive Keime und gramnegative Kokken und sogar Pasteurella multocida; nicht wirksam gegen penicillinaseaktive Staphylokokken; Haemophilus-Arten und alle anderen gramnegativen Stäbchenbakterien)

Penicillinasefeste Penicilline (Mittel der Wahl gegen Staphylokokken; nicht wirksam gegen Hospital-Staphylokokken (MRSA); Kontraindikation: schwere Niereninsuffzienz

Aminopenicilline (wirksam gegen einige grampositive Bakterien und gegen manche Enterobacterales; nicht penicillinasefest, allergisierend)

Acylureidopenicilline (wirksam besonders gegen viele Enterobacterales und Pseudomonaden; gute Penetrationsfähigkeit durch Zellwand; nicht penicillinasefest)

Cephalosporine (alle Cephalosporine haben eine Lücke bei Enterokokken!)

  • Cephalosporine 1. Generation (gut wirksam auf Staphylokokken und Streptokokken, schwach gegen Haemophilus, E. coli, Klebsiella; penicillinasefest, empfindlich gegen Cephalosporinasen; Cefazolin nur i. v.)
  • Cephalosporine 2. Generation (im Vergleich zu 1. Generation verbesserte Wirkung gegen gramnegative Keime; stabil gegen Penicillinase und viele Cephalosporinasen)
  • Cephalosporine 3. Generation (sehr breites Wirkspektrum mit guter Wirkung gegen gramnegative Bakterien, jedoch im Vergleich zu 1. und 2. Generation schwächere Wirkung gegen grampositive Keime)
  • Cephalosporine  3a. Generation (sehr breites Wirkspektrum mit guter Wirkung gegen gramnegative Bakterien, jedoch im Vergleich zu 1. und 2. Generation schwächere Wirkung gegen grampositive Keime; nur i. v. Gabe)
  • Cephalosporine 3b. Generation (auffällig gute Aktivität gegen P. aeruginosa; nur i. v. Gabe)
  • Cephalosporine  4. Generation (sehr breites Wirkspektrum mit guter Wirkung gegen gramnegative Bakterien, jedoch im Vergleich zu 1. und 2. Generation schwächere Wirkung gegen grampositive Keime; besser gegen P. aeruginosa)
    • Cefepime
    • Cefpirom
  • Cephalosporine 5. Generation (gute Wirkung gegen Anaerobier)
    • Cefoxitin
    • Ceftarolin
    • Ceftobiprol
    • Hinweis: Ceftarolin und Ceftobiprol wirken gegen MRSA

Peneme (oft wirksam bei Keimen, die gegen Cephalosporine resistent sind; Inaktivierung von Imipenem durch Nierenenzyme (Applikation zusammen mit Cilastatin, einem Enzyminhibitor)

Monobactame (Enterobacterales, nicht wirksam gegen grampositive Bakterien)

Oxalactame (Inhibitor von Betalaktamasen; hat selbst nur sehr geringe antibakterielle Aktivitäten; Kombination mit Amoxicillin und anderen Penicillinderivaten; anfällig gegen spontane Hydrolyse (angesetzte Lösungen nicht lange stehen lassen)

Weitere Antibiotika mit Störung der bakteriellen Zellwandsynthese und der zytoplasmatischen Membran

Glykopeptide (nur grampositive Bakterien; Ototoxizität, Nephrotoxizität)

Lipopeptide (nur grampositive Bakterien; bakterizid; gute Gewebepenetration; wird durch Surfactant gehemmt)

  • Daptomycin
  • Fosfomycin (begrenztes Spektrum; gute Penetrationsfähigkeit)
  • Polypeptide
  • Bacitracin (grampositive Bakterien; zur Systemtherapie nicht geeignet)
  • Polymyxin B (gramnegative Stäbchen; reserviert für spezielle Situationen; Neuro- und Nephrotoxizität; rasche Resistenzentwicklung)
  • Colistin (gramnegative Stäbchen; reserviert für spezielle Situationen; Neuro- und Nephrotoxizität; rasche Resistenzentwicklung)

Ethambutol (Tuberkelbakterien, neurotoxisch)

Antibiotika mit Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese

Aminoglykoside

  • Streptomycin (Tuberkelbakterien; häufige Resistenzen; Neurotoxizität; Nephrotoxizität; Ototoxizität)
  • Gentamicin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative Bakterien; keine Wirkung gegen Anaerobier, Streptokokken und Enterokokken (als Einzelsubstanz); Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft im 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz)
  • Tobramycin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative Bakterien; keine Wirkung gegen Anaerobier, Streptokokken und Enterokokken (als Einzelsubstanz); Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft im 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz)
  • Amikacin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative Bakterien; keine Wirkung gegen Anaerobier, Streptokokken und Enterokokken (als Einzelsubstanz); Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft im 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz)
  • Netilmicin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative Bakterien; keine Wirkung gegen Anaerobier, Streptokokken und Enterokokken (als Einzelsubstanz); Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft im 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz)
  • Neomycin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative aerobe Bakterien; topische und orale Anwendung)
  • Paromomycin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative aerobe Bakterien; topische und orale Anwendung; wird nach oraler Gabe nicht resorbiert, oral zur Reduktion der Darmflora, zur Eradikation von Entamoeba histolyticum)
  • Kanamycin (breite Wirksamkeit, viele grampositive und gramnegative aerobe Bakterien; topische und orale Anwendung)
  • Spectinomycin (penicillinasepositive Gonokokken; zurzeit nicht im Handel)
  • Framycetin (nur als Topikum verfügbar, Salbe oder Puder)

 

Makrolide

Makrolide (wirksam auch gegen intrazelluläre Bakterien; unwirksam gegen Enterobacterales; Erythromycin steigert die Motilität der oberen Darmabschnitte; die neueren Derivate haben diese Nebenwirkungen nicht mehr).

Lincosamide

Lincomycine (grampositive Aerobier und Anaerobier sowie gramnegative Anaerobier; zunehmende Resistenzen; Cave: Gute Penetration ins Knochengewebe. Achten auf die eventuelle Entwicklung einer pseudomembranösen Enterokolitis!)

Tetrazykline

Tetrazykline (Gelegentlich Resistenzen; Ablagerung in den Milchzähnen und Knochen; Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft im 1. Trimenon, Kindern und schwerer Niereninsuffizienz)

Rifamycine (grampositive Erreger, Mykobakterien; wirksam auch gegen intrazelluläre Bakterien und im Biofilm)

Oxazolidinone (ausnahmslos alle grampositive Bakterien; UAW: Thrombozytopenie)

Fusidinsäure (grampositive Bakterien; rasche Resistenzentwicklung)

Hydrochinolin (Escherichia coli, andere Erreger von Harnwegsinfektionen; unwirksam gegen Pseudomonas; auch wirksam gegen Candida spp.; wirksam gegen Keime im Biofilm)

  • Nitroxolin

Antibiotika mit Störung der Folsäuresynthese und diverser anderer Enzymfunktionen in der Bakterienzelle

Sulfonamide (wirksam gegen Streptokokken, Pneumokokken, Aktinomyzeten, Nokardien; häufige Resistenzen; Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz; Allergie)

Diaminopyrimidine (sehr breites Spektrum; nicht wirksam gegen Anaerobier, Rickettsien, Chlamydien, Mykoplasmen; wirkt auch gegen den Pilz Pneumocystis

Paraaminosalicylsäure (Tuberkelbakterien)

  • PAS

Nitrofurane  (Harnwegsinfekte; Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft 1. Trimenon, Neugeborenen und schwerer Niereninsuffizienz sowie im hohen Alter; neurotoxisch, allergisierend)

Isonicotinamid (Tuberkelbakterien; neurotoxisch)

Antibiotika mit Wirkung auf die bakterielle DNA

Nitroimidazole (Strikte Wirkung auf Anaerobier und verschiedene Protozoen; Cave: kontraindiziert bei Schwangerschaft 1. Trimenon, Alkoholgenuss)

Chinolone

  • Chinolone 1. Generation (gramnegative Stäbchen)
  • Chinolone 2. Generation (systemische Infektionen mit Enterobacterales. Sehr gut wirksam gegen Meningokokken auch zur Prophylaxe; mäßige Wirkung gegen Pseudomonaden)
    • Ciprofloxacin (systemische Infektionen mit Enterobacterales. Sehr gut wirksam gegen Meningokokken auch zur Prophylaxe; mäßige Wirkung gegen Pseudomonaden; Ciprofloxacin wird z. T. über den Darm ausgeschieden. Auch hohe Konzentrationen in Sekreten, z. B. ELF (epithelial lining fluid)
  • Chinolone 3. Generation
    • Levofloxacin (recht gute Wirkung gegen grampositive Kokken; auch gegen Chlamydien und Mycoplasmen; wird vorwiegend renal ausgeschieden; auch hohe Konzentrationen in Sekreten)
  • Chinolone 4. Generation (recht gute Wirkung gegen grampositive Kokken; auch gegen Chlamydien, Mykoplasmen und Anaerobier, wird zu einem großen Teil über den Darm ausgeschieden; wirkt gegen die Anaerobier der Darmflora; auch hohe Konzentrationen in Sekreten)

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Hof H et al. (2019) In: Hof H, Schlüter D, Dörries R, Hrsg. Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme S.305-307
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