Angina nocturna I20.0

Zuletzt aktualisiert am: 26.02.2020

Autor: Dr. med. Leah Schröder-Bergmann

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Synonym(e)

Angina decubitus (AD); Nächtliche Angina; REM- Schlaf- induzierte Angina pectoris

Definition

Unter einer Angina nocturna findet sich in der Literatur überwiegend die Definition einer nächtlichen, aus dem Schlaf oder aus liegender Position heraus auftretenden Angina pectoris und / oder plötzliche Dyspnoe (Herold 2020).

Im weiteren Sinne versteht man darunter nächtliche, aus dem Schlaf oder aus liegender Position heraus auftretende thorakale Schmerzen (Rajy 2005). 

Einteilung

Die Angina nocturna wird unterteilt in zwei Hauptgruppen unterteilt:

  • Angina decubitus
  • REM- Schlaf- induzierte Angina pectoris (Stierle 2017)

Die Angina decubitus zählte zunächst zur Gruppe der instabilen Angina pectoris (Roskamm 1988), laut aktuellerer Literatur jedoch zur Gruppe der stabilen AP (Renz- Polster 2002).

 

Vorkommen/Epidemiologie

Angaben zur Häufigkeit einer Angina nocturna liegen mit nicht vor.

Ätiopathogenese

Die Angina nocturna im weiteren Sinne wird durch eine plötzliche Dekompensation zwischen Bedarf und Angebot der myokardialen Durchblutung ausgelöst.

Die Ursachen können sein:

  • akutes Koronarsyndrom
  • begleitendes Versagen des linken Ventrikels
  • vasospastische Angina pectoris
  • Erkrankungen der A. coronaria sinistra
  • durch Betablocker indizierter Vasospasmus
  • durch Propanol ausgelöste Angina nocturna
  • schwere Aortenregurgitation
  • plötzlicher Anstieg des arteriellen Blutdrucks
  • schwere Anämie
  • Schlafapnoe (eine Schlafapnoe findet sich laut einer Studie von Franklin et al. bei 9 von 10 Patienten mit Angina nocturna [Pack 2002 / Franklin 1997]) (Rajy 2005)

Angina decubitus

Die Angina decubitus entsteht ursächlich durch eine Überlastung der bereits vorgeschädigten Herzmuskulatur (Füeßl 2010). In einer Studie von Chen (2000) konnte nachgewiesen werden, dass bei Patienten mit einer Angina decubitus bereits eine linksventrikuläre Dysfunktion besteht. Bei der Linksventrikulographie zeigten sich im Vergleich zu den Kontrollgruppen (Gruppe I: keine AP, Gruppe II: mit KHK, aber ohne AD, Gruppe III: Patienten mit AD):

  • die 1. Füllfraktion (1/3 FF) war deutlich niedriger in Gruppe III
  • die späte Füllfraktion war erhöht in Gruppe III
  • der linksventrikuläre enddiastolische Druck war vor und nach der Linksventrikulographie deutlich in den Gruppen II und III erhöht (Chen 2000).

Vermutlich bewirkt ein Flüssigkeitsrückstrom im Liegen durch die erhöhte Vorlast eine erhöhte ventrikuläre Wandspannung (Stierle 2017).

REM- Schlaf- induzierte Angina pectoris

Diese Form der AP wird durch stark schwankende Blutdruckwerte und Pulsfrequenzen in der Traumphase ausgelöst. Eine myokardiale Schädigung findet sich i. d. R. nicht (Stierle 2017).

Klinisches Bild

Die Beschwerden der Angina decubitus treten im Liegen / Schlafen - bevorzugt in der ersten Nachthälfte - auf, wo hingegen die REM- Schlaf- induzierte Angina pectoris überwiegend in der 2. Nachthälfte auftritt (Stierle 2017).

 

Diagnose

Die Diagnostik besteht in einer ausführlichen Erhebung der Anamnese und Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit bzw. Angina pectoris (ausführliche Diagnostik s.d.).

Therapie

Angina decubitus

Die Beschwerden einer AD klingen durch Aufsetzen meistens rasch ab, ebenso durch Gabe eines kurzwirksamen Nitrates (Stierle 2017). Prophylaktisch ist eine Vorlastsenkung durch Diuretika (Stierle 2017) bzw. durch andere Medikamente, die zur Behandlung einer Herzinsuffizienz eingesetzt werden, möglich (Kasper 2015).

REM- Schlaf- induzierte Angina pectoris

Bei der REM- Schlaf- induzierten AP können therapeutisch zur Prophylaxe Betarezeptorenblocker eingesetzt werden (Stierle 2017).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Chen J et al. (2000) The effect of left ventricular diastolic dysfunction on the pathogenesis of angina decubitus. Chin. Med. Sci 15 (4) 214 – 216 PMID:12906140
  2. Franklin K A et al. (1997) Reserval of central sleep apnea with oxygen. Chest (111) 163 - 169
  3. Füeßl H S et al. (2010) Duale Reihe: Anamnese und klinische Untersuchung. Thieme Verlag 198
  4. Herold G et al. (2020) Innere Medizin. Herold Verlag 240
  5. Kasper D L et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education 1581, 1590
  6. Kasper D L et al. (2015) Harrisons Innere Medizin. Georg Thieme Verlag 1934
  7. Stierle U et al. (2014) Klinikleitfaden Kardiologie. Elsevier Urban und Fischer 100
  8. Pack A I (2002) Sleep Apnea: Pathogenesis, Diagnosis and Treatment: Lung Biology in Health and Disease. Marcel Dekker Verlag 357
  9. Raju B S (2005) Clinical Methods in Cardiology. Orient Longman Verlag
  10. Renz- Polster et al. (2008) Basislehrbuch innere Medizin: kompakt, greifbar, verständlich. Elsevier Urban und Fischer 64
  11. Roskamm H (1988) Nitroglycerin VI: Instabile Angina pectoris und extrakardiale Indikationen. Sechstes Hamburger Symposion Walter de Gruyter 9 – 10
  12. Stierle U et al. (2014) Klinikleitfaden Kardiologie. Elsevier Urban und Fischer 100

Weiterführende Artikel (1)

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