Amiodaron

Zuletzt aktualisiert am: 26.08.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Amiodaron·Hydrochlorid; CAS-Nummer: 1951-25-3; CAS-Nummer: 19774-82-4

Definition

Arzneistoff (Summenformel:  C25H29I2NO3), der als Mittel der 2. Wahl gegen tachykarde Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird (v.a. gegen ventrikuläre und supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen). Amiodaron ist ein  Benzofuran-Derivat (Phthalid-Derivat) und hat strukturelle Ähnlichkeiten mit Thyroxin und Procainamid. In handelsüblichen Arzneimitteln liegt der Wirkstoff als Amiodaronhydrochlorid vor.

Amiodaron ist ausgeprägt lipophil. Diese Lipophilie bewirkt das außerordentlich hohe Verteilungsvolumen und ist auch für die lange Halbwertszeit von 30 bis weit über 100 Tagen verantwortlich. Die Elimination findet zu > 95% in der Leber statt. Der kleinere Rest wird renal ausgeschieden.

Unerwünschte Wirkungen

Lunge: Die schwerste Nebenwirkung besteht in der Entwicklung einer interstitiellen Lungenfibrose (Kang IS et al. 2014). Bei etwa 5 % der behandelten Patienten kommt es zu einer fibrosierende Alveolitis (Nachweis im  CT). Schon nach einer Behandlungsdauer von wenigen Monaten kann diese Nebenwirkung beobachtet werden. Wird die die Fibrose im Vorstadium der Pneumonitis, rechtzeitig erkannt, so ist sie vollständig reversibel. Diese äußert sich in einer deutlich verminderten Diffusionskapazität der Lunge (DLCO im Lungenfunktionstest).

Schilddrüse: Wegen des hohen Jodgehaltes des Medikaments (37 %) kommt es zu häufig zu Schilddrüsenfunktionsstörungen. Über- oder Unterfunktionen der Schilddrüse findet man bei bis zu 40 % der Langzeitbehandelten. Amiodaron supprimiert die TSH-Produktion. Insofern ist eine Überwachung der Schilddrüsenfunktion halbjährlich (TSH-Messung) notwendig. Auch die Entstehung einer Amiodaron-induzierten Thyreoiditis ist möglich. Die gefürchtetste Nebenwirkung ist die amiodaroninduzierte Thyreotoxikose, die letal verlaufen kann.

Auge: Mikroablagerungen in der Hornhaut des Auges finden sich bei mehr als 90 % der Patienten, die das Medikament > 0,5 Jahr einnehmen (Cornea verticillata). 1 bis 10 % der Patienten geben beim Sehen einen leichten Blaustich an. Die Hornhautablagerungen sollten nur bei ausgeprägten Sehbehinderungen zum Absetzen des Medikamentes führen.

Magen-Darm-Trakt: Etwa 50% der Patienten zeigt eine reversible Erhöhung der Leberenzyme als Zeichen eines Leberparenchymschadens. Diese kann trotz weiterer Einnahme des Medikaments wieder verschwinden. In sehr seltenen Fällen kann Amiodaron zum Bild einer akuten toxischen Hepatitis oder eines chronischen Leberschadens bis hin zur Leberzirrhose führen.

Haut: Bei hellhäutigen Menschen wird eine erhöhte Lichtempfindlichkeit beobachtet (erhöhte Sonnenbrandgeen fahr). Sonnenexponierte Haut kann sich bei hellhäutigen Menschen grau- bläulich verfärben. Die Hautverfärbungen bilden sich nach Absetzen allmählich wieder zurück (Dereure O, 2001). Sie können aber jahrelang persistieren (s.u. Amiodaron-Hyperpigmentierung). Es empfiehlt sich die prophylaktische Einnahme von Lichtschutzpräparaten die v.a. langwellige UV-Strahlen blockieren.

NZN: Amiodaron kann zu einer demyelinisierenden Polyneuropathie führen. Weiterhin kommt es nicht selten zu Schlafstörungen.

Hemmung der Vitamin-A-Aufnahme: Amiodaron hemmt das Enzym Retinylester-Hydrolase sowohl in der Leber als auch im Darm. Länger dauernde Einnahme erzeugt daher einen künstlichen Vitamin-A-Mangel, der auch durch Zufuhr des Vitamins nicht behoben werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wechselwirkungen

Amiodaron ist ein Substrat von CYP3A4 und CYP2C8. Damit stellt sich ein hohes Potential für Wechselwirkungen mit Medikamenten ein, die ebenfalls von Cytochrom-P450-Enzyme verstoffwechselt werden.

Amiodaron kann somit andere Medikamente in ihrer Wirkung nachhaltig verstärken. So führt beispielweise die Aufsättigung mit Amiodaron über die Cytochrom-Interaktion zu einer Verdopplung der Plasmaspiegel des Betablockers Metoprolol. Ebenso kann die Wirkung von Cumarin durch Amiodaron verstärkt werden (Mo Y et al. 2018).

Umgekehrt kann die Einnahme von Grapefruitsaft über eine komplette Hemmung der N‐Desethylamiodaron-Produktion die Plasmakonzentration von Amiodaron erheblich erhöhen.

 

Präparate

Amiodaron 150mg i.v. Carino, Injektionslösung

Amiodaron 200 - 1 A Pharma®, Tabletten

Amiodaron 200 Heumann

Amiodaron 200 Heumann Heunet Tabletten

Amiodaron AL 200

Amiodaron Aurobindo 200 mg Tabletten

Amiodaron-CT 200 mg Tabletten

Amiodaron-ratiopharm® 100 mg Tabletten

Amiodaron-ratiopharm® 150 mg/3 ml Injektionslösung

Amiodaron-ratiopharm® 200 mg Tabletten

Amiodaron Sandoz® 200mg Tabletten

Amiodaron STADA® 200 mg Tabletten

AmioHEXAL® 200, 200 mg Tabletten

Cordarex®, 200 mg Tabletten

Hinweis(e)

Die Anwendung von Amiodaron muss wegen des breitem Spektrums an UAWs regelmäßig kontrolliert werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Dereure O (2001) Drug-induced skin pigmentation. Epidemiology, diagnosis and treatment. Am J Clin Dermatol 2: 253-262
  2. Dissemond J et al. (2003) Hyperpigmentation of the face. Hautarzt 54: 994-998
  3. Drosner M, Worret WI, Marquart KH (1990) Amiodaron-Hyperpigmentierung. Akt Dermatol 16: 67-69
  4. Kang IS et al. (2014) The diagnostic utility of chest computed tomography scoring for the assessment of
    amiodarone-induced pulmonary toxicity. Korean J Intern Med 29:746-753.
  5. Kudenchuk P J et al. (1999) Amiodarone for resuscitation after out-of-hospital cardiac arrest due to ventricular fibrillation. N Engl J Med. 341: 871–878.
  6. Mo Y et al. (2018) Evaluation of Potential Drug-Drug Interactions With Direct Oral Anticoagulants in
    a Large Urban Hospital. J Pharm Pract 1:897190018788264.

 

Verweisende Artikel (1)

Euthyreote Struma;
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