von-Willebrand-Faktor

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

von Willebrand-Faktor; vWF

Definition

Der von-Willebrand-Faktor, ein Glykoprotein, vermittelt die Plättchenaggregation durch Anheftung an die GPlb- und an die GPllb-/GPIIIa-Rezeptoren der Thrombozyten nach deren Aktivierung. Weiterhin vermittelt der von-Willebrand-Faktor nach Anheftung an die Thrombozyten die Adhäsion der Thrombozyten an die freiliegenden Kollagenfibrillen des Subendothels im Bereich einer Verletzungsstelle eines Gefäßes.

 

Allgemeine Information

Synthetisiert wird der von-Willebrand-Faktor in den Endothelzellen und in den Megakaryozyten. Zunächst wird ein Monomer gebildet, das aus 2813 Aminosäuren besteht mit einem  Molekulargewicht von 360 kD. Diese Monomere werden zu Multimeren polymerisiert, deren Molekulargewicht zwischen 500 und 20.000 kD liegt. Der von-Willebrand-Faktor wird teils in das Plasma freigesetzt, teils ist er zunächst in Endothelzellen in den sogenannten Weibel-Palade-Körperchen oder in den alpha-Granula der Thrombozyten gespeichert.

Durch Thrombin, Plasmin und Fibrin aktivierte Thrombozyten setzen ein Lysophospholipid frei, das Sphingosin-1-Phosphat frei. Sphingosin-1-Phosphat bewirkt die Freisetzung des von-Willebrand-Faktor aus den Weibel-Palade-Körperchen.  Dieser zirkuliert Im Plasma als Komplex mit Faktor VIII.  Durch die Komplexbildung wird der Faktor VIII von der Degradation durch das aktivere Protein C geschützt.

Im Falle einer Verletzung wird durch die Bindung des von-Willebrand-Faktors an das freiliegende Kollagen der Faktor VIII gleichzeitig auch an den Ort der Verletzung gebracht. Nach ihrer Sekretion sind die hochmolekularen Anteile des von-Willebrand-Faktors sehr gerinnungsaktiv und binden bereits bei geringsten Scherkräften an die Thrombozyten.

Unter physiologischen Bedingungen wird der von-Willebrand-Faktor zur Aufrechterhaltung der Homöostase unmittelbar nach seiner Sekretion aus den Endothelien enzymatisch durch eine Protease in kleinere Fragmente gespalten. Eine Fehlfunktion dieser spaltenden Protease führt zum Morbus Moschcowitz, und dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS).

Die Konzentration des von-Willebrand-Faktors steigt mit zunehmendem Alter an und ist bei Patienten, die Diuretika, Digitalis, Heparin oder orale Antikoagulanzien einnehmen, im Vergleich zu anderen Patienten signifikant erhöht. Patienten mit einer erhöhten von-Willebrand-Faktor-Konzentration weisen 1- bis zu 2-fach erhöhtes Risiko für konorare Herzkrankheiten auf.

Literatur
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  1. Hantschke M et al. (2016) Immunhistologische Techniken. In: L. Cerroni et al. Histopathologie der Haut. Springer Verlag Berlin-Heidelberg S. 33.
  2. HA Neumann (2014) Das Gerinnungssystem. ABW-Wissenschaftsverlag GmbH Berlin
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