Venenthrombose oberflächliche I80.9

Zuletzt aktualisiert am: 03.03.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Co-Autor: Julian Baur

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Synonym(e)

Oberflächliche Thrombophlebitis; Oberflächliche Venenthrombose; superfizielle Thrombophlebitis; Superfizielle Thrombose; SVT; Thrombophlebitis; Thrombophlebitis superficialis; Venenthrombose oberflächliche

Definition

Häufige, polyätiologische, sowohl lokalisiert als auch multilokulär, in Varizen (Varikophlebitis) wie auch in normalen Venen auftretende umschriebene, schmerzhafte  Entzündung der Venenwand oberflächlicher (epifaszialer) Venen. Der Entzündungsprozess geht mit einem partiellen oder kompletten thrombotischen Verschluss der epifaszialen Vene einher. 

Einteilung

Die oberflächliche Thrombose (Thrombophlebitis des epifaszialen Venensystems) wird je nach Art und Häufung wie folgt eingeteilt:

  • Thrombophlebitis superficialis (wie hier beschrieben)
  • Iatrogene Thrombophlebitis des Unterarms (nach Injektionen oder Dauerkanülen)
  • Varikophlebitis (oberflächliche Thrombophlebitis einer varikösen Vene)
  • Thrombophlebitis migrans (saltans): schubweise springende Phlebitis in nicht varikös veränderter Vene.
  • Mondor-Krankheit (strangförmige Phlebitis): oberflächliche, strangförmige, druckdolente  Thrombophlebitis der seitlichen Throraxvenen (Mondor Krankheit, strangförmige Phlebitis)
  • Kranzfurchenphlebitis (Sonderform der strangförmigen Phlebitis, auch als nichtvenerische Kranzfurchen-Lymphangitis bezeichnet)

Ätiopathogenese

Auslösung bzw. Auftreten u.a. nach allgemeinen oder lokalen Infekten, nach lokalen Traumen (z.B. nach Anlegen von Venenkathetern) und toxischen Schädigungen der Venenwand, bei längerer Immobilisierung, bei chronischer venöser Insuffizienz und idiopathisch (z.B bei migrierender Thrombophlebitis). 

Insbesondere bei oberflächlichen Thrombophlebitiden nicht variköser Venen, die nicht durch einen unmittelbar auslösenden Prozess erklärbar sind, besteht Abklärungsbedarf (Ausschluss Malignom als paraneoplastisches SyndromM. Behçet, Endangitis obliterans).

Bei ungeklärter Ätiologie sollte auch eine thrombophile Diathese ausgeschlossen werden.

Lokalisation

  • Am häufigsten an den Unterarmen nach intravenösen Injektionen.  
  • Thrombophlebitiden variköser Venen sind Folge einer venösen Stase und sind v.a. an den Beinen lokalisiert.

Klinisches Bild

Umschriebene, gerötete Anschwellung über einer derben, strangartig tastbaren, druckdolenten Vene. Je nach der Schwere des Krankheitsbildes unterscheidet man eine Phlebitis exsudativa simplex von einer Phlebitis suppurativa bzw. gangraenosa. Bei starker entzündlicher Lokalreaktion können Fieber und Störung des Allgemeinbefindens auftreten. 

Histologie

Entzündliche Infiltration der Venenwand, vollständiger oder teilweiser Verschluss des Lumens durch einen Thrombus.

Diagnose

Jeder Verdacht auf eine Thrombose der V. saphena magna und/ oder V. saphena parva sowie deren azessorische Venen sollte duplexsonographisch abgeklärt werden. Entscheidend ist a) die Gesamtlänge des Thrombus und b) die Nähe des Thrombus zum tiefen Venensystem. Insbesondere bei proximaler Lokalisation des superfiziellen Thrombose sollte ein sorgfältiger Ausschluss einer tiefen Thrombose erfolgen.

Komplikation

  • Septische Erscheinungen 
  • postphlebitisches Ulcus cruris 
  • Übergreifen auf insuffiziente Perforansvenen oder bei der Vena saphena magna via Krosse (VErbindung zwischen V. saphean magna und Vena femoralis) auf die Vena femoralis (ca. 20% der Fälle)
  • Lungenembolie (ca. 4% der Fälle; gemäß POST-Studie).

Therapie

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit von Ausdehnung und Lokalisation (s. Empfehlungen der LL Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie, Stand 10/2015):

a) oberflächliche Venenthrombosen in kleinkalibrigen Astvarizen: symptomatische Therapie mit Kühlung, Kompressionstherapie und nicht-steroidale Antiphlogistika nach Bedarf, ggf. eine Stichinzision mit Thrombusexpression

 b) Varikothrombosen der V. saphena magna oder parva und grosskalibriger Varizenäste: ab einer Thrombuslänge von 5 cm Länge in den Stammvenen oder größeren Seitenästen systemische Antikoagulation - halbtherapeutisch oder therapeutisch niedermolekulare Heparine (STEFLUX-Studie) oder prophylaktisch Fondaparinux (2,5 mg /Tag s.c.) (CALISTO-Studie). Zulassung von Fondaparinux in dieser Indikation mit einer empfohlenen Mindestbehandlungsdauer von 4 Wochen.

c) Annäherung des Thrombus auf weniger als 3 cm an eine Mündungsklappe zum tiefen Venensystem bzw. bei einem Progress in das tiefe Venensystem hinein: Antikoagulation wie bei einer tiefen Venenthrombose

 

Zum Einsatz der direkten oralen Antikoagulatien bei dieser Indikation gibt es bisher keine abgeschlossenen Studien.

Begleitend zur Antikoagulation erfolgt eine Kompressionsbehandlung bis zum Abklingen der Symptome, in der Regel über 3 Monate.

Entstand die superfizielle Thrombophlebitis der Venae saphenae magna oder parva auf dem Boden einer Varikose ist die Sanierung der Varikose zu planen. Die Komplikationsrate bei zunächst konservativer Therapie und nachfolgender Sanierung im beschwerdefreien Intervall erwies sich als geringer im Vergleich zur sofortigen Operation.

 

 

Verlauf/Prognose

Abheilung innerhalb von 14-21 Tagen bei entsprechender Therapie.

Literatur
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1. Leitlinie Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002l_S2k_VTE_2016-01.pdf

 

 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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