Unterschenkelekzem, periulzeröses bzw. paratraumatisches L24.9

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Toxisches Kontaktekzem infolge Mazeration der Haut durch Sekret eines Ulcus cruris venosum.

Komplikation

Kontaktsensibilisierung gegen Lokaltherapeutika (häufig Antibiotika, z.B. Chloramphenicol, Neomycin, Fucidinsäure).

Therapie allgemein

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Verhinderung einer weiteren Mazeration der Ulkusumgebung durch das Ulkussekret. Sekundär kommt es meist zu Kontaktallergien, die es ebenfalls zu verhindern bzw. zu behandeln gilt.

Externe Therapie

Keine Polypragmasie, da es häufig zu Sensibilisierungen kommt. Wenn möglich Epikutantestung (Salben, Salbenergänzungen, Desinfektionsmittel, Lokalanästhetika, Antibiotika) vor erneutem Therapiebeginn, s. Tabelle 1. Reinigung: Sorgfältige Reinigung der periulzerösen Umgebung. Entfernung von Salbenresten mit Ölen, z.B. Oleum olivarum oder Ablösen mit physiologischer Kochsalzlösung bzw. Ringer-Lösung. Reinigungsbäder bei sehr trockener Haut mit Zusatz eines Badeöls (z.B. Balneum Hermal Ölbad, Linola Fett Ölbad). Wichtig ist die Vermeidung von Irritationen der Ulkusumgebung durch das Ulkussekret, z.B. durch Abdecken der Ulkusumgebung mit Zinkpaste (Pasta zinci R295 ), Abdeckpaste R001 oder R002 , reiner Vaseline oder einer indifferenten Fettcreme. Auch eine weiche Paste wie z.B. Pasta zinci mollis/Ungt. molle kann zur Abdeckung und zur Pflege des chronisch schuppenden Ekzems neben Salben und Fettsalben hilfreich sein.

Pyodermisiert: Bäder mit Zusatz eines Desinfizienz wie Kaliumpermanganat (hellrosa) oder Polyvidon-Jod Lösung (z.B. R203 , Betaisodona Lsg.).

Akut, nicht nässend: Hydrophile Cremes (Typ O/W) wie Unguentum emulsificans aquosum oder Basiscreme (DAC) , Lotionen (z.B. Lotio alba) oder Emulsionen (Ungt. Cordes) wirken entzündungswidrig und kühlend.

Nässend: Feuchte- und fett-feuchte Umschläge über 2-3 Tage (sonst zu starke Austrocknung). Kurzfristig Glukokortikoid-haltige Externa in einer indifferenten Grundlage z.B. 0,1% Triamcinolon-Salbe  oder 0,25% Prednicarbat (z.B. Dermatop Salbe/Fettsalbe) in Kombination mit feuchten Umschlägen mit z.B. 0,9% Kochsalzlösung oder Polihexanid (Prontosan, Serasept, Prontoderm). Weiterhin kommen Pinselungen mit wässrigen, desinfizierenden Lösungen zum Abtrocknen infrage.

Trocken: Indifferent fetthaltige Externa, Vaseline alb. oder Fettsalben. In der initialen Phase des akuten Ekzems kurzfristig Externa mit Glukokortikoidzusatz z.B. 0,1% Triamcinolon-Salbe (z.B. Triamgalen oder als Rezeptur eine 0,1% Triamcinolonacetonid-Salbe) oder 0,5-1,0% Hydrocortison Creme (z.B. Hydro-Wolff, R120 ) oder 0,25% Prednicarbat (z.B. Dermatop Salbe/Fettsalbe). Bewährt hat sich Rückfettung durch eine kurzfristige Okklusivbehandlung durch Anlage einer Plastikfolie (z.B. Haushaltsfolie) über 8-12 Std. zu intensivieren. Nicht indiziert sind hier Puder, Schüttelmixturen und/oder feuchte Umschläge aufgrund ihrer austrocknenden Wirkung.
Die Kombination einer Fettsalbe mit feuchten Umschlägen kann man auch bei krustigen und/oder squamösen chronischen Ekzemformen kurzfristig anwenden.
Bei der Verwendung spezieller Rezepturen mit Heparin/ Heparinoid-Zusätzen in Pasten, die sich zur Durchblutungsförderung der Ulkusränder eignen, ist immer auch Vorsicht vor einer möglichen Sensibilisierung geboten.

Tabellen

Sensibilisierungen beim Ulcus cruris und/oder Unterschenkelekzem

Wirkstoffgruppen

Wirkstoffe

Salbengrundlagen

z.B. Wollwachsalkohole, Perubalsam

Desinfektions- und Konservierungsmittel

z.B. Chinolin, Isothiazole, Parabene, Sorbinsäure

Antibiotika

z.B. Neomycin, Gentamicin, Bacitracin

Lokalanästhetika

z.B. Benzocain, Pantocain

Glukokortikoide

Literatur
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  1. Daroczy J (2002) Antiseptic efficacy of local disinfecting povidone-iodine (Betadine) therapy in chronic wounds of lymphedematous patients. Dermatology 204(Suppl1): 75-78
  2. Lindemayr H et al. (1985) Unterschenkelekzem und Kontaktallergie. Hautarzt 36: 227–231
  3. Tronnier H (1996) Phasengerechte Therapie des Unterschenkelekzems. Vasomed 2: 82–92

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