Heparine systemische

Zuletzt aktualisiert am: 08.11.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Certoparin-Na; Dalteparin-Natrium; Reviparin-Natrium; Tinzaparin-Natrium

Definition

Direkt wirkende Antikoagulantien.

Wirkungen

Kofaktor von Antithrombin III, verstärkt die inhibitorische Wirkung auf die Prothrombinaktivierung und Thrombin, dadurch kann die Umwandlung von Fibrinogen in Fibrin nicht erfolgen. Hemmung der Thrombozytenaggregation, Hemmung der Gerinnungsfaktoren XII, IX und V, Abwehr allergischer und anaphylaktischer Reaktionen.

Indikation

Thromboseprophylaxe, lokal bei Thrombosen, Blutergüssen, Thrombophlebitis, Erythema nodosum.

Eingeschränkte Indikation

Chron. Alkoholismus, chron.-entzündliche Darmerkrankungen, Endocarditis lenta, Extremitätenverletzungen, Hypertonie, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Polytrauma.

Dosierung und Art der Anwendung

  • Thromboseprophylaxe: S. Tabelle 1.
  • Thrombose und Embolie: Gewichtsadaptierte Vollheparinisierung mit niedermolekularem Heparin z.B. Nadroparin (Fraxiparin) 2mal/Tag 0.1 ml/10 kg KG s.c.
  • Nur in Ausnahmefällen unfraktioniertes Heparin 5.000 IE i.v. im Bolus. über 5 Min.: 25.000 IE in 50 ml NaCl 0,9% über Perfusor 2,8 ml/Std. (= 1.400 IE/Std.), Kontrolle der PTT nach 6 Std. und Dosisanpassung entsprechend des PTT-Quotienten:
    • PTT: > 7: Unterbrechung der Infusion für eine Stunde, Dosisreduktion um 500 IE/Std.
    • PTT: 5,1-7: Reduktion um 500 IE/Std.
    • PTT: 4,1-5: Reduktion um 300 IE/Std.
    • PTT: 3,1-4: Reduktion um 100 IE/Std.
    • PTT: 2,6-3: Reduktion um 50 IE/Std.
    • PTT: 1,5-2,5: Keine Dosisveränderung erforderlich
    • PTT: 1,2-1,4: Erhöhung um 200 IE/Std.
    • PTT: < 1,2: Erhöhung um 400 IE/Std.

Merke! Nach Dosisanpassung erneute PTT-Bestimmung nach 10 Std. Bei PTT-Quotient > 5 vor Dosisänderung sind häufigere Kontrollen, z.B. alle 4 Std., erforderlich!

Unerwünschte Wirkungen

Blutungen in parenchymatöse Organe, Thrombopenie (seltener bei niedermolekularen Heparinen), allergische Reaktionen, Haarausfall, Osteoporose, gastrointestinale Störungen.

Wechselwirkungen

S. Tabelle 2.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Abortus imminens, Blutungsneigung, Lumbal-, Peridual- und Spinalanästhesie, Operationen an ZNS und Auge, Apoplex.

Hinweis(e)

Merke! Therapie von Blutungskomplikationen: Bei leichteren Blutungen Gabe von 5-10 mg Vitamin K p.o.; bei lebensbedrohlichen Blutungen Gabe von Protaminchlorid (z.B. Protamin ICN).

  • Nach i.v. Injektion von Heparin: 1 Amp. Protamin ICN 1000 IE/ml i.v. (je nach Schwere des Falles ggf. in Abständen von wenigen Minuten ein- oder mehrmals wiederholen).
  • Nach subkutaner Anwendung von Heparin: 1 Amp. Protamin ICN 1000 IE/ml i.v. (zur Inaktivierung des in der Blutbahn befindlichen Heparins; 1 ml Protamin neutralisiert etwa 1000 IE Heparin). Anschließend 1 Amp. Protamin ICN 5000 tief i.m. (zur Inaktivierung des aus der subkutanen Injektion stammenden Depots). Ggf. wiederholen!

Merke! Bei Heparin-induzierter Thrombozytopenie oder Heparin-Unverträglichkeit (HIT) kommen als Ersatzpräparate systemische Heparinoide wie Danaparoid (Organon), Pentasaccharide wie Fondaparinux (Arixtra) oder der Prostacyclinabkömmling Iloprost (Ilomedin) infrage!

Patienteninformation

Merke! Pat. mit Blutungsneigung dürfen nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen mit Heparinen behandelt werden. Alle Pat. mit Heparinnebenwirkungen sollten einen Ausweis bzw. Allergiepass erhalten, in dem die Nebenwirkung vermerkt ist!

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Trautmann A (2006) Heparinallergie: Spättypallergie gegen subkutane Heparininjektion. Allergo J 15: 501-506

Tabellen

Übersicht über wichtige Heparine

Wirkstoff

HWZ

Dosierung Thromboseprophylaxe

Präparate

Mittleres Risiko

Hohes Risiko

Vollheparinisierung

Unfraktionierte, konventionelle Heparine

Heparin

2 Std.

3mal/Tag 5000 IE s.c. oder 2mal/Tag 7500 IE s.c.

PTT-adaptierte Therapie mit bis zu 3mal/Tag 7500 IE s.c.

PTT-adaptierte Therapie: Initialer Bolus mit 80 IE/kg KG oder 5000 IE i.v., dann 18 IE/kg KG/Stunde i.v.

Liquemin

Heparinresistenz (Ausschluss AT Mangel!) wenn nach Gabe von 40.000 IE/24 Std. keine PTT Verlängerung erreicht ist!

Niedermolekulare Heparine

Certoparin-Na

100-180 Min.

1mal/Tag 3000 IE s.c.

1mal/Tag 3000 IE s.c.

2mal/Tag 8000 IE s.c.

Mono-Embolex NM

Dalteparin-Na

1mal/Tag 2500 IE s.c.

1mal/Tag 5000 IE s.c.

1mal/Tag 200 IE/kg KG s.c. oder 2mal/Tag 100 IE/kg KG s.c.

Fragmin

Enoxaparin-Na

1mal/Tag 2000-3000 IE s.c.

1mal/Tag 4000 IE bis 2mal/Tag 3000 IE s.c.

1mal/Tag 200 IE/kg KG s.c. oder 2mal/Tag 1 mg/kg KG s.c.

Clexane

Nadroparin-Ca

1mal/Tag 2850 IE s.c.

gewichtsadaptiert 2mal/Tag 0.1 ml/10 kg KG s.c.

gewichtsadaptiert 2mal/Tag 0.1 ml/10 kg KG s.c. bzw. 2mal/Tag 87,5 IE/kg KG s.c.

Fraxiparin

Reviparin-Na

1mal/Tag 2850 IE s.c.

1mal/Tag 4200 IE s.c.

2mal/Tag 87,5 IE/kg KG s.c.

Clivarin

Tinzaparin-Na

1mal/Tag 3500 IE s.c.

1mal/Tag 4500 IE s.c. oder gewichtsadaptiert 50 IE/kg KG s.c.

1mal/Tag 175 IE/kg KG s.c.

Innohep


Wesentliche Wechselwirkungen von Heparinen bei systemischer Applikation

Alkohol

Blutungsneigung ↑

Antikoagulantien, orale

Blutungsneigung ↑

Cephalosporine

Blutungsneigung ↑

Dapson

Blutungsneigung ↑

Dextran

Blutungsneigung ↑

Dipyridamol

Blutungsneigung ↑

Fibrinolytika

Blutungsneigung ↑

Glyceroltrinitrat i.v.

Heparinresistenz

Hochseefischöl

Blutungsneigung ↑

Mucopolysaccharidpolysulfat

Kreuzallergie

NSAR

Blutungsneigung ↑

Penicillin i.v.

Blutungsneigung ↑

Pentoxifyllin

Blutungsneigung ↑

Propanolol

Propanolol-Spiegel ↑

Propylenglykol

Heparinresistenz

Zytostatika

Blutungsneigung ↑

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