Fibrinogen

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Faktor I

Definition

Fibrinogen, ein Glykoprotein, ist ein Substrat des Thrombins, das aus dem Fibrinogen die Fibrinomere abspaltet. Es gehört zur Gruppe der Akute-Phase-Proteine und wird in der Leber synthetisiert. Das Molekulargewicht beträgt 340 kD und besteht aus zwei Sätzen von drei kovalent gebundenen Polypeptidketten.

Die Aktivierung von Thrombozyten führt zu einer Strukturänderung des Integrinrezeptors, der daraufhin Fibrinogen mit hoher Affinität zu binden kann. Die Folge ist eine Quervernetzung der Blutplättchen durch Fibrinogen. Dies kann die Initialzündung zur Erzeugung eines Thrombus sein. 

Fibrinogen liegt im Blut in gelöster Form vor.  Bei einer Verletzung eines Gewebes wird ein kaskadenartiger, an der Oberfläche der aktivierten Thrombozyten ablaufender Prozess der Aktivierung der im Plasma zirkulierenden prokoagulatorischen Faktoren ausgelöst.  Hierdurch entsteht das Enzym Thrombin aus seiner Vorstufe dem Prothrombin. Thrombin (Faktor II) spaltet sequenziell die Fibrinopeptide A (Fibrinopeptid-A) und B (Fibrinopeptid-B) von den A-alpha- und B-beta-Kette des Proteinkomplexes ab. Die derart freigesetzten Fibrinmonomere polymerisieren spontan zum wasserunlöslichen Fibrin. Durch eine weitere Quervernetzung mittels Faktor XIIIa entsteht ein stabiler Thrombus.

 

Allgemeine Information

Die Plasmakonzentration des Fibrins liegt bei 160-350 mg/dl. In der Lymphflüssigkeit ist die Fibrinkonzentration niedriger. Die Halbwertszeit des Fibrins liegt bei drei bis fünf Tagen.

Das Fibrinogen ist als Akute-Phase-Protein im Rahmen von akuten und chronischen Entzündungen, in der Schwangerschaft, bei Tumoren und bei Verschlusskrankheiten erhöht. Es ist vermindert bei Leberschäden, im Rahmen einer Verbrauchskoagulopathie oder unter einer fibrinolytischen Therapie.
Die Fibrinspaltprodukte polymerisieren zum Fibrin, das die Thrombozyten durch Anheftung an deren GPIIb-/ GPIIIa-Rezeptoren zu einem Trombus zusammenfügt.

Seit langem ist bekannt, dass erhöhte Fibrinogenspiegel ein Risikofaktor für die Entstehung arteriosklerotischer Veränderungen sind. Das Fibrinogen korreliert mit anderen Risikofaktoren wie KHK, Adipositas, Nikotin, Diabetes und Cholesterin. Frauen vor der Menopause und Frauen, die hormonelle Antikonzeptiva einnehmen, weisen eine erhöhte Fibrinogenkonzentration auf.

Durch regelmäßige körperliche Betätigung lässt sich ein erhöhter Fibrinogenwert deutlich senken und so das Risiko für die Entwicklung einer Arteriosklerose merklich reduzieren. Menschen mit niedrigen Fibrinogenkonzentrationen weisen ein deutlich geringeres Risiko für konorare Erkranken auf, auch wenn diese ein erhöhtes Serumcholesterin zeigen.
 

Normwert: Der Normwert liegt bei 150 bis 400 mg/dl; 4,8 - 12,0 µmol/l

Pathologisch erniedrigt: Kachexie, Medimante, Hyperfibrinolyse, angeborene A-, Hypo und Dysfibrinogenämien, schwere Leberparenchymschäden, Verbrauchs- und Verlustkoagulopathie

Pathologisch erhöht:  nephrotisches Syndrom, Infektionen, entzündliche und rheumatische Errankungen, maligne Tumoren, Nekrosen und Gewebsschädigungen

 

Hinweis(e)

Der Faktor I, das Fibrinogen, wurde von Dennis de Commercy und Olof Hammarsten entdeckt.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. HA Neumann (2014) Das Gerinnungssystem. ABW-Wissenschaftsverlag GmbH Berlin S. 49f.

Weiterführende Artikel (1)

Prothrombin;
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