Faktor XII

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Hageman-Faktor

Definition

Faktor XII ist ein Enzym und der Trigger-Faktor des intrinischen Systems. Es stellt die Verbindung von Bindegewebe bzw. vom Ort der Läsion zum intrinischen System her.

Die Synthese des Faktors XII erfolgt in der Leber. Der nicht aktivierte Faktor XII besteht aus einer Einzelkette eines ß-Globulins mit einem Molekulargewicht von 80.000-90.000 D. Er lässt sich durch eine Vielzahl von Substanzen aktivieren. Die physiologischen Aktivatoren sind das Endothel und das Kallikrein.
Der Plasmaspiegel beträgt 23-47 ug/ml, die Halbwertszeit 50 bis 60 Stunden.

Der Faktor XIIa hat ein Molekulargewicht von 28.000 D und besteht aus zwei Polypeptidketten, die durch Disulfidbrücken verbunden sind. Er aktiviert den F-IX zu F-IXa. Zusätzlich greift der F-XIIa in die Fibrinolyse ein und spaltet Plasminogen.
Bei der Analyse der nach und nach gefundenen Gerinnungsfaktoren wurde beobachtet, dass bei einigen der Kontakt mit Glasoberflächen die Gerinnung aktivierte und bei anderen nicht.
Ratnoff hat nachgewiesen, dass die Aktivität des Hageman-Faktors durch direkten Kontakt mit Glasoberflächen aktiviert wurde. Das führte zu einer Reihe von Experimenten, die zeigen konnten, dass viele Substanzen wie Fett, bestimmte Kollagenarten, Tannine und Eiweiße im Bindegewebe ebenfalls den Faktor XII aktivieren. Dabei wurde beobachtet, dass alle Materialien, die den Hageman-Faktor durch Kontakt aktivieren, eine negative Oberflächenladung besitzen.

Differenzierte Analysen der Aktivierung des Hageman-Faktors zeigten, dass im Rahmen dieser Aktivierungsvorgänge die Permeabilität der kleinen Blutgefäße verändert wird, sodass es zum Austritt von Plasma in das extravaskuläre Gewebe kommt, oft verbunden mit Schmerzen und Dilatation der kleinen Blutgefäße und einem lokalen Abfall des Blutdruckes, wodurch die Kontraktion von glatter Muskulatur induziert wird. Diese Beobachtung führte zur Entdeckung der Kinine, die aus ihren Vorstufen, den Kininogenen, freigesetzt werden. Margolis entdeckte dann, dass der Hageman-Faktor das Plasma-Kallikrein aktiviert; dieses setzt Kikine aus den Kininogenen frei. Kininogen wurd durch Kallikrein in Bradykinin umgewandelt.

Kallikrein spaltet den F-XII und aktiviert ihn somit. Dieser F-XIIa aktiviert den F-XI, setzt aus Präkallikrein Kallikrein frei. Weiterhin aktiviert der F-XI das Plasminogen zu Plasmin. Die Plasminogenaktivierung führt wiederum über einen Feedback-Mechanismus zu einer Aktivierung des F-XII. Durch diese Feedback-Schleife werden sehr schnell große Mengen von F-XII produziert.

Hinweis(e)

Entdeckt wurde der Faktor XII von Ratnoff und Colopy bei einem Patienten namens John Hageman, der sich wegen eines blutenden Ulkus in Cleveland zur Operation vorstellte. Man beobachtete nicht die klassischen Symptome einer vermehrten Blutungsneigung, man stellte fest, dass sein Blut ungewöhnlich langsam koagulierte. Sehr schnell wurde entdeckt, dass sich der Fehler im intrinischen Weg lokalisieren ließ und man konnte durch Gabe von normalem Plasma, aus dem die bis dato bekannten Plasmafaktoren entfernt worden waren, die Gerinnung normalisieren. Weitere Analysen zeigten, dass dieser Faktor Eigenschaften hatte, wie sie in früheren Untersuchungen bereits postuliert worden waren. Die Hageman-Krankheit ist eine familiäre Krankheit, die bei beiden Geschlechtern vorkommt.
 

Literatur
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  1. HA Neumann (2014) Das Gerinnungssystem. ABW-Wissenschaftsverlag GmbH Berlin S. 65f.

Weiterführende Artikel (2)

Bradykinin; Kallikrein;
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