Cumarine systemische

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Phenprocoumon; Vitamin-K-Antagonisten; Warfarin

Definition

Cumarine sind Vitamin-K-Antagonisten (s.a. Cumnarin allg.). Grundgerüst ist das 4-Hydroxycumarin, davon abgeleitete Varianten sind die Dicumarine wie: 

  • Dicuamrol
  • Tromexan

sowie die Monocumarole wie:

  • Marcumar
  • Cumarin (Warfarin)
  • Sintron

Cumarine werden enteral fast vollständig resorbiert. Die Plasmproteinbindung liegt bei >90%. Die Halbwertszeit für Marcumar beträgt 6-7 Tage, für Warfarin 33-45 Stunden. Vitamin-K-Antagonisten (VKA) waren über 50 Jahre lang der Grundstein der Antikoagulationstherapie, bevor neuere Wirkstoffe die nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) für den klinischen Gebrauch verfügbar waren.  

 

Indikation

Rezidivprophylaxe nach Thrombosen und Embolien.

Eingeschränkte Indikation

Abortus imminens, Alkoholismus, Alter > 65 Jahre, Epilepsie, Angiographie, Blutbildungsstörungen, schwerer Diabetes, dekompensierte Herzinsuffizienz, Perikarderguss, Vaskulitiden.

Dosierung und Art der Anwendung

S. Tabelle 1.

Unerwünschte Wirkungen

Merke! Blutungskomplikationen (Antidot: Vitamin K 20 mg/Tag p.o., bei lebensbedrohlichen Blutungen: 2.000 IE Prothrombinkomplex als Kurzinfusion i.v., Wiederholung alle 6-8 Std. über 48 Std. sowie Vitamin K 20 mg/Tag p.o. bis zur Stabilisierung des Quick-Wertes).

Außerdem: Allergische Reaktionen, Pruritus, Haarausfall, Cumarinnekrosen, toxische Leberschäden, Darmnekrosen.

Wechselwirkungen

S. Tabelle 1.

Kontraindikation

Schwangerschaft (Chondrodysplasien), Stillzeit, Aneurysmen, Blutungsneigung, chron. entzündliche Darmerkrankungen, floride Endocarditis lenta, Gehirnverletzungen, Hypertonie (> 180 mm Hg systolisch bzw. 105 mm Hg diastolisch), viszerale Karzinome, Leukämie mit Blutungstendenz, kavernöse Lungentuberkulose, Ulcera ventriculi oder duodeni, manifeste Niereninsuffizienz, Nierensteine, Operation an ZNS, Auge, Prostata, Retinopathie mit Blutungsrisiko, Apoplex, thrombozytopenische Purpura, schwere Thrombopenie, offene Wunden.

Präparate

Marcumar, Phenpro-ratiopharm, Coumadin

Hinweis(e)

Merke! Zur Therapiekontrolle Bestimmung des Quick- oder INR-Wertes alle 3-4 Wochen!

Patienteninformation

Merke! Alle Patienten, die Cumarine erhalten, sollten einen Ausweis mit sich führen, in dem die Tagesdosis und die Quick-Werte (INR-Werte) festgehalten sind. Die Patienten sollten ausführlich über Lebensmittel, die einen besonders hohen Anteil an Vitamin K enthalten (antagonisiert Cumarin-Wirkung), informiert werden und diese Lebensmittel meiden!

Tabellen

Wesentliche Wechselwirkungen von Cumarinen

Allopurinol

Blutungsneigung ↑

Anionenaustauscherharze

Cumarin-Wirkung ↓

Antirheumatika, nichtsteroidale

Blutungsneigung ↑, Risiko hämorrhagisch-peptischer Ulzera

Barbiturate

Cumarin-Wirkung ↓

Benzodiaron

Blutungsneigung ↑

Carbamazepin

Cumarin-Wirkung ↓

Cephalosporine

Blutungsneigung ↑

Ciclosporin A

Cumarin-Wirkung ↓

Cimetidin

Blutungsneigung ↑ bei Warfarin

Ergotamine

Blutungsneigung ↑

Fibrate

Blutungsneigung ↑

Fibrinolytika

Blutungsneigung ↑

Heparin

Blutungsneigung ↑

Kontrazeptiva, orale

Cumarin-Wirkung ↓

Nahrung

Cumarin-Wirkung ↓ durch Brokkoli, rote Bete, Avocado

Penicilline i.v.

Blutungsneigung ↑

Schilddrüsenhormone

Blutungsneigung ↑

Sulfonylharnstoffe

Hypoglykämie

Valproinsäure

Blutungsneigung ↑


Wichtige Cumarine, Dosierung, Pharmakologie

Substanz

HWZ

Dosierung

Präparat

Phenprocoumon

160 Std.

Initial: Tag 1: 6-18 mg; Tag 2: 6-12 mg. Ab Tag 3 Dosierung anhand des INR/Quickwertes: Quick > 30%: Bis zu 4,5 mg; Quick 20-30%: Max. 1,5 mg.

Marcumar

Erhaltungsdosis: 1,5-6 mg/Tag

Warfarin

42 Std.

2,5-10 mg/Tag über 2-4 Tage

Coumadin

Erhaltungsdosis: 2-10 mg/Tag (anhand des Quick/INR)

Die Dosierung ist durch Bestimmung der Thromboplastinzeit (INR/Quick-Wert) zu überwachen u. individuell anzupassen, die Erstbestimmung muss stets vor Beginn der Behandlung erfolgen! Angestrebt wird ein wirksamer Bereich je nach Art der Erkrankung von INR 2,0-3,5 bzw. ein Quick-Wert von 15-30% der Norm. Tägliche Überwachung der Therapie mit Hilfe der INR-Methode. Anzustrebende INR-Werte: Therapie tiefer Venenthrombosen, Lungenembolie, Thromboembolie mit Vorhofflimmern: 2,0-3,0. Bei rezidivierenden tiefen Venenthrombosen, Lungenembolien, arteriellen Erkrankungen einschließlich Herzinfarkten: Bei Patienten mit großem Thromboembolierisiko muss evtl. auf einen höheren INR-Wert zugesteuert werden. Ein INR-Wert > 4,0 bringt jedoch keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen.


Vitamin-K-Gehalt wichtiger Lebensmittel

100 g enthalten

Vitamin-K (mg)

Verbotene Lebensmittel

Brokkoli

0,2

Grünkohl, frisch

0,7

Kohlsorten, frisch (Wirsing, Rosen-, Blumen-, Grünkohl)

0,2

Leber (Dorsch, Kabeljau)

0,1

Leber (Rind, Ochse, Schaf, Kalb)

0,3

Muskel (Rind, Schaf, Schwein)

0,2

Salat, frisch

0,1

Spargel, frsich

0,4

Spinat, frisch

0,4

Erlaubte Lebensmittel

Bananen

0,002

Erbsen, Bohnen

0,02

Erdbeeren, Hagebutten

0,01

Hühnerei, ganz

0,05

Kartoffeln

0,05

Kuhmilch

0,004

Leber (Schwein)

0,03

Tomaten

0,008

Weiterführende Artikel (1)

Antikoagulanzien;
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