Zytostatika, supportive Therapie

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Therapeutische Maßnahmen die Nebenwirkungen einer differenten Tumortherapie vermeiden, mildern oder behandeln.

Allgemeine Information

Verschiedene dermatologische Tumorerkrankungen werden mit unterschiedlichen therapeutischen Modalitäten, oft auch multimodalen Verfahren behandelt. Falls chemotherapeutische Behandlungsmodalitäten notwendig sind, sollten diese stets durch eine symptomorientierte Supportivtherapie unterstützt oder ergänzt werden. Ohne Supportivtherapie sind Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie nicht denkbar.

Vorkommen

  • Antiemetische Therapie:
    • Chemotherapieinduzierte Übelkeit (akut:1-3 Std. nach Applikation der Chemotherapeutika; verzögert: 26-24 Std. nach Applikation der Chemotherapeutika) und Erbrechen gehören zu den häufigsten und am meisten gefürchteten Nebenwirkungen in der antitumoralen Therapie. Ausgelöst v.a. durch Cisplatin, Carboplatin, Doxorubicin und Antrazykline. Durch korrekte Anwendung von Antiemetika können 70-80% dieser Nebenwirkungen vermieden werden. Unterschieden werden:
      • Antizipatorische (oder psychische) Emesis: Therapie: Dopaminrezeptorantagonisten wie Metoclopramid (z.B. MCP-Ratiopharm 10-20 mg p.o. alle 6-8 Std. in höherer Dosierung 2 mg/kg KG alle 2 Std.), Benzodiazepine (z.B. Lorazepam 1-2 mg p.o. alle 12 Std.) oder Neuroleptika (z.B. Haloperidol 1-2 mg p.o. alle 8-12 Std.).
      • Chemotherapeutische Emesis: Therapie: 5-HT3-Antagonisten wie Ondansetron (z.B. Zofran 8 mg i.v.) oder Dolasetron (z.B. Anemet 100 mg i.v. etwa 30 Min. vor der Chemotherapie), Glukokortikoide (z.B. Dexamethason 20 mg i.v.), Neurokinin-1-Antagonisten wie Aprepitant (z.B. Emend 125 mg p.o. 1 Std. vor Applikation der Chemotherapeutika).
    • Merke! Eine präventive antiemetische Therapie ist effektiver als eine Behandlung bei eingetretener Nausea oder Emesis.

  • Therapie und Prophylaxe der Myelodepression (s.u. Common Toxicity Criteria):
    • Anämie: Zielgerichtete Abklärung der Ursache. Prinzipiell ist eine Indikation für die Applikation von Erythropoese-stimulierenden Substanzen bei einem HB von < 10 g/dl gegeben mit dem Ziel, Werte zwischen 10 und 13 g/dl zu erreichen. Initiale Dosierung von Erythropoetin alfa (z.B. Erypo FS) 40.000 IE s.c. 1mal/Woche. Alternativ: Darbepoetin alfa (Aranesp) 2,25 µg/kg KG 1mal/Woche s.c. oder 500 µg s.c. alle 3 Wochen.
    • Neutropenie: Zielgerichtete Abklärung der Ursache. Eine Neutropenie WHO-Grad IV mit Leukozytenzahl < 1000/ul (s.u. Common Toxicity Criteria) sollte unter Abwägung weiterer Riskofaktoren (Alter > 65 J., hohes Risko einer febrilen neutrophilen Leukopenie) mit G-CSF wie Filgrastim (z.B. Neupogen 5 ug/kg KG/Tag s.c.) behandelt werden. Eine Neutropenie WHO-Grad IV in Kombination mit Fieber und Zeichen einer Infektion bedarf einer zusätzlichen hochdosierten antibiotischen Therapie.
    • Thrombopenie: Derzeit ist die Applikation von Thrombozytenkonzentraten die einzige Möglichkeit der Behandlung. Die Indikation ist bei einer Thrombopenie < 10.000-20.000/µl mit oder ohne Blutung gegeben, bei einer Thrombopenie < 10.000-20.000/µl wenn weitere Riskofaktoren wie Hirnmetasen vorhanden sind, bei einer Thrombopenie zwischen 20.000-50.000/µl mit starken Blutungen oder bei geplantem chirurgischem Eingriff.
  • Cancer related fatique (CRF):
    • Dosiertes körperliches Training, Glukokortikoide in geringer Dosierung (z.B. Prednisolon 5,0-10,0 mg/Tag p.o.). Für Amphetamine oder Antidepressiva gibt es derzeit keine Therapieempfehlungen, sie können jedoch im Einzelfall versucht werden.
  • Schmerztherapie: s.u. Schmerztherapie, medikamentöse.

Hinweis(e)

  • Am häufigsten werden supportive Maßnahmen in der palliativen Versorgung Tumorkranker benötigt. In der Terminalphase sind sie oft die einzigen und daher wichtigsten Behandlungen der Patienten.
  • Dementsprechend kann die supportive onkologische Therapie in verschiedene Aufgabenbereiche gegliedert werden:
    • Antiemetische Therapie bei Chemotherapie und Strahlentherapie
    • Prophylaxe und Therapie der Knochenmarkinsuffizienz (z.B. mit Wachstumsfaktoren der Granulopoese oder Erythropoese)
    • Prophylaxe und Therapie von Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue)
    • Schmerztherapie
    • Ernährung
    • Haut- und Schleimhautpflege (Zytoprotektion) bei Strahlen- oder Chemotherapie (s.u. Mukositis, orale)
    • Psychosoziale Betreuung
    • Rehabilitation.

Verweisende Artikel (1)

Mukositis orale;
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