Zerkariendermatitis B65.3

Zuletzt aktualisiert am: 09.05.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Badedermatitis; Badekrätze; cercarial dermatitis; Cercariendermatitis; Schistosomendermatitis; Schwimmbadkrätze; Schwimmerkrätze; swimmer's itch; Weiherhippel

Erstbeschreiber

Cortist WW, 1928 

Definition

Weltweit vorkommende Wurmerkrankung, ausgelöst durch die Fehlbesiedlung des Menschens mit Larven der Saugwürmer der Gattungen:

  • Orniothobilharzia
  • Austrobilharzia
  • Bilharziella
  • Trichobilharzia
  • Gigantobilharzia

In Europa sind Bilharziella,Trichobilharzia, Gigantobilharzia für die Erkrankung verantwortlich.

 

Erreger

Der physiologische Endwirt der Saugwürmer aus den o.g. Gattungen sind Vögel in den meisten Fällen Enten. Nachdem die Larven der Würmer durch die Haut der Vögel eingedrungen sind, entwickeln sie sich in darmnahen Blutgefäßen zu geschlechtsreifen Saugwürmern. Diese legen dort ihre Eier ab. Diese gelangen in den Darm der Vögel, werden mit den Faeces ausgeschieden.

Im Wasser entwicklen sich die Larven der 1. Generation (Mirazidien). Diese befallen einen weiteren Zwischenwirt, meist Schnecken der Gatttungen Limnae und Radix (Lungenschnecken). Danach entstehen über ein weiteres Larvenstadium und einem 3. Zwischenwirt (Fische)  Larven der 3. Generation (Zerkarien). Zerkarien suchen bei steigenden Wassertemperaturen im Frühjahr und Sommer wieder ihren natürlichen Endwirt (Vögel) womit sich der Kreislauf schließt.

Badende Menschen können zufällig befallen (Fehlwirt) werden, wobei sich die in die Haut gebohrte Zerkarien nicht weiter entwicklen können. Sie sterben ab.          

Vorkommen/Epidemiologie

Mitteleuropäische Gewässer mit Vorkommen von Süßwasserschnecken der Gattung Limnaea und Radix.

Ätiopathogenese

Baden in Zerkarien-verseuchten Gewässern, Eindringen der Zerkarien in die menschliche Haut, in der sie bald absterben. Der Mensch ist Fehlwirt; befallen werden vor allem Wasservögel, Zwischenwirte sind Wasserschnecken.

Lokalisation

Stamm und Extremitäten, an Stellen, die von der Badebekleidung nicht bedeckt wurden.

Klinisches Bild

Stark juckende, 0,2-0,5 cm große, rote oder auch hämorrhagische Papeln und Quaddeln an den Invasionsstellen, wenige Minuten bis zu einer Stunde nach Exposition. Dauer bis zur kompletten Abheilung: etwa 10-20 Tage. Bei durch vorherigen Kontakt bereits sensibilisierten Personen kann sich 10-24h nach wiederholter Exposition ein generalisiertes makulo-papulöses Exanthem einstellen.

Diagnose

Die Anamnese mit dem Bezug zum Baden in freien Gewässern sowie das Befallsmuster (vom Badeanzug nicht bedeckte Körperpartien) führen zur Verdachtsdiagnose.

Differentialdiagnose

Trombidiose: Urtikarielles Exanthem unter der enganliegenden Bekleidung. Kein Bezug zu Schwimmereignis.

Nesseltierlarven-Dermatitis die nach Baden durch Larven der Qualle Linuche unguiculata ausgelsöt wird. Diese kommt v.a. im westlichen tropischen Atlantik vor (Salzwasser). Ausgelöst wird ein urtikarielles Exanthem durch die Nesselzellen der Larven. Diese treten jedoch typischerweise unter der Badebekleidung auf.

Urtikaria: wechelhafte Quaddelbildungen. Kein Bezug zu einer einmaligen Badesituation.

Therapie

Keine spezifische Therapie verfügbar. Durch kräftiges Frottieren (Massieren) kann versucht werden, die Zerkarien mechanisch aus den oberen Schichten der Epidermis zu entfernen.

Externe Therapie

Blande austrocknende Therapie mit z.B. Lotio alba, bei Juckreiz Zusatz von 2-5% Polidocanol R200 . Alternativ kurzfristige Anwendung topischer Glukokortikoide wie Hydrocortison (Hydro-Wolff, Hydrogalen R121 , R123 ).

Interne Therapie

Passagere Einstellung auf orale Antihistaminika: Levocetirizin (z.B. Xusal) 1 Tbl./Tag oder Desloratadin (z.B. Aerius) 1 Tbl./Tag. Ggf. sedierende Antihistaminika: Clemastin (z.B. Tavegil) 2mal/Tag 1 Tbl. p.o. oder Dimetinden (z.B. Fenistil) 2mal/Tag 1 Tbl. p.o.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Kolářová L et al. (2013) Cercarial dermatitis, a neglected allergic disease. Clin Rev Allergy Immunol 45:63-74.
  2. Omar HM ET AL. (2016) Gigantobilharzia, possible cause of cercarial dermatitis: Case report. Int J Health Sci (Qassim) 10:147-Q50.
  3. Selbach C et al. (2016) Estimating the risk of swimmer's itch in surface waters - A case study from Lake 
  4. Baldeney, River Ruhr. Int J Hyg Environ Health 219:693-699.
  5. Stanger Ch (2015) Zerkariendermatitis. In: E.v.Stebut (Hrsg) Reisedermatosen. S.176-177. Springer-Verlag Berlin, Heidelberg
  6. Veleizán AA et al. (2016) Cercarial dermatitis of bathers in northern Argentine Patagonia. Medicina (B Aires) 76:25-29.

 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 09.05.2019