Xanthogranulom, nekrobiotisches mit Paraproteinämie D76.3

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Necrobiotic xanthogranuloma; Necrobiotic xanthogranuloma with paraproteinemia; nekrobiotisches Xanthogranulom

Erstbeschreiber

Kossard u. Winkelmann, 1980

Definition

Den adulten  Non-Langerhanszell-Histiozytosen zuzuordnende, seltene, normolipämische, infiltrierend und destruierend wachsende, lokalisierte oder disseminierte, histioproliferative Neubildung (Systemerkrankung), die häufig (>70%) mit einer monoklonalen Gammopathie kombiniert ist.

Vorkommen/Epidemiologie

Sehr seltene Erkrankung. Inzidenz und Prävalenz nicht bekannt. 

Ätiopathogenese

Ungeklärt. Assoziationen mit monoklonalen Gammopathien werden bei etwa 70% der Fälle beobachtet (z.B. Plasmozytome in 50% der Fälle, z.T. auch Assoziation mit einem multiplen Myelom), weiterhin gibt es Zusammenhänge mit anderen  lymphoproliferativen (z.B. M. Waldenström, M. Hodgkin, chronische lymphatische Leukämie) Erkrankungen.  

Manifestation

Durchschnittserkrankungsalter: 6. Lebensdekade. Der jüngste Patient über den berichtet wurde, war 17 Jahre alt. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Lokalisation

Gesicht (periorbital), seltener Stamm, Extremitäten und Genitalien (z.B. Vulva). Augenbeteiligungen wie Konjunkitvitis, Keratitis, Skleritis, Uveitis werden gehäuft beobachtet. Interne Manifestationen der Erkrankung betreffen die oberen Luftwege, Lunge, Herz, Milz und das Zentralnervensystem.  

Klinisches Bild

  • Meist multiple, disseminierte oder auch gruppierte, langsam über Monate bis Jahre wachsende, 0,3-20 cm große, rötlich-bräunliche, oder rötlich-gelbliche, teils auch livide, Plaques bzw. Knoten (selten) mit atrophischer Oberfläche. Konsistenz derb-elastisch. Ulzeration möglich.
  • Häufig Augenbeteiligung, z.B. Konjunktivitis, Uveitis, Iritis oder Proptose. Vereinzelt führt die Erkrankung zur Erblindung.

Labor

BSG deutlich beschleunigt. Häufig monoklonale Gammopathie vom IgG-oder IgA-Typ, Kryoglobulinämie, Leukopenie, Neutropenie oder Hypokomplementämie (C4 vermindert). 

Histologie

Destruierende granulomatöse Gewebereaktion, die die gesamte Dermis, ggf. auch das subkutane Fettgewebe und darunter gelegene Organe erfasst. Histiozyten, Lymphozyten, bizarre Riesenzellen vom Fremdkörper- und Touton-Typ; Nekrobiosezonen ähnlich der Necrobiosis lipoidica. Diese können band-oder sternförmig sein, und reichen nicht selten in das subkutane Fettgewebe hinein. Cholesterinablagerungen innerhalb der Granulome. Wie bei allen Non-Langerhanszell-Histiozytosen keine Expression von CD1a, und S100B. Keine Birbeck-Granula. Hingegen Nachweis zahlreicher CD68 (Makrophagen) - positiver Zellen (s.a. CD-Klassifikation).

Komplikation

Angioneurotisches Ödem; ophthalmologische Komplikationen (Konjunktivitis, Skleritis, Keratitis); Komplikationen durch die Gammopathien. Gefahr der Erblindung.

Therapie

Eine wirksame Kausaltherapie ist nicht bekannt. Kontrollierte Studien liegen nicht vor. 

Einzelne störende Granulome können exzidiert werden. Intraläsionale Injektionen von Triamcinolonacetonid (z.B. Volon A) wurde ohne großen Erfolg versucht. Häufig Rezidive. 

Eine Reduktion der Hautläsionen konnte in Einzelfällen durch eine systemische Chemotherapie mit Chlorambucil (z.B. Leukeran) 2-6 mg/Tag in Kombination mit Glukokortikoiden z.B. Prednisolon (Decortin H) 20-40 mg/Tag erzielt werden. Wirkungsvoll auch bezüglich der Paraproteinämie.

Alternativ: Pulstherapie mit Cyclophosphamid und Dexamethason.

Alternativ: Therapieversuch mit DADPS, (z.B. Dapson-Fatol) initial 100 -150 mg/Tag. Dosisreduktion nach Klinik auf 50 mg/Tag. Ggf. Auslassversuch. Sporadische Therapieerfolge mit Plasmapherese, insbesondere zur Senkung hoher Paraproteinspiegel.

Kontrovers diskutiert werden Therapieergebnisse nach Anwendung von Melphalan, Thalidomid, Fumarsäure-Ester oder Radiotherapie, insbesondere bei lokalisierten Hautveränderungen mit Augensymptomatik.

Verlauf/Prognose

Unbehandelt muss mit einer langsamen aber kontinuierlichen Progression der Hautveränderungen gerechnet werden. Insofern ist die  Behandlung einer Grunderkrankung von größter Bedeutung.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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