Waardenburg-Syndrom (Übersicht) E70.32

Zuletzt aktualisiert am: 20.03.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Erstbeschreiber

Waardenburg, 1951

Definition

Sehr seltenes, kongenitales, autosomal-dominant (Ausnahme: WS Typ-IV: autosomal-rezessive Vererbung) vererbtes Fehlbildungssyndrom mit variabler Penetranz und Expressivität von Fehlbildungen im Augenbereich, Innenohrschwerhörigkeit bis Taubheit, Dyschromie. Die Innenohrschwerhörigkeit des Waardenburg-Syndroms beruht auf Defekten bei der Gewebsynthese in der Neuralleiste. Die Störung der Melanozyten, die ebenfalls aus neuronalem Gewebe entstehen, betreffen v.a. die Iris, die Augenbrauen, z.T. auch Haut und Kopfhaare ( Poliose). Klinisch auffällig ist eine Heterochromie der Iris (z. B. ein blaues und ein braunes Auge). Weiterhin: Augenfehlstellungen, Fehlbildungen des knöchernen Schädels ( Verschiebung der Lidfalte oder des Innenaugenwinkels beider Augen (Dystopia canthorum). Beim WS Typ IV tritt zusätzlich noch eine Aganglionose des Kolons hinzu (ähnlich der des M. Hirschsprung)

Klinisch werden 4 Haupttypen (neben genetisch unterschiedlichen Nebentypen) unter schieden (WSI-IV).

Typ III (häufigste Typ) wird als Klein-Waardenburg-Syndrom (MIM 148820) bezeichnet.

Einteilung

  • Nach genetischen und klinischen Kriterien werden 4 Haupttypen des Waardenburg-Syndroms (WS) unterschieden (WS1-WS4):
    • Typ I: Mutation auf dem Genlokus 2q35.
    • Typ II: (mit den Unterformen: WS2A, WS2B, WS2C, WS2D) Mutationen auf den Genloci 3p14.1-p12.3, 1p21-p13.3, 8p23, 8q11.
    • Typ III ( Klein-Waardenburg-Syndrom): Mutation auf dem Genlokus 2q35.
    • Typ IV (Waardenburg-Shah- und Waardenburg-Hirschsprung-Syndrom): nachgewiesene Mutationen auf den Genloci 13q22, 22q13, 20q13.2-q13.3.
  • Typ I und III werden durch Mutationen im PAX3-Gen verursacht. Das Gen kodiert unter anderem für ein Protein, das an der Regulation des Transkriptionsfaktors MITF (Microphthalmie-assoziierter Transkriptionsfaktor) beteiligt ist. MITF ist an der Regulation der Melanozytenentwicklung beteiligt, die bei allen bekannten Waardenburg-Syndromen gestört ist.
  • Beim Typ II (WS II A) wird eine Mutation direkt im MITF-Gen gefunden. Beim WSIIB ist bisher lediglich der DNA-Locus bekannt (WSIIB: 1p21-p13.3, WSIIC), in dem es zu Mutationen kommt. Dem WSIIE liegt eine Genmutation im SOX10-Gen zugrunde.
  • Das WS IV wird autosomal-rezessiv vererbt. Nachgewiesen wurden Mutationen der Endothelin-3- und Endothelin-B-Rezeptor-Gene sowie des SOX10-Gens, beides Gene die für die Neuralleistendifferenzierung zuständig sind.  Hinzu kommt eine Aganglionose des Kolons (ählich wie beim M. Hirschsprung).

Hinweis(e)

Erstbeschreibung 1951 durch den niederländischen Augenarzt und Genetiker Petrus Johannes Waardenburg (1886-1979).

Weiterführende Artikel (3)

Dyschromie; Klein-Waardenburg-Syndrom; Poliose;

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