Vulvovaginitis herpetica A60

Zuletzt aktualisiert am: 11.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Vulvitis aphthosa

Definition

Primärinfektion durch Herpes simplex-Viren im Vulvabereich.

Manifestation

Vor allem bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen auftretend.

Klinisches Bild

Inkubationszeit: 2-7 Tage. Akute Erkrankung mit Fieber und Störung des Allgemeinbefindens. Zunächst klare, dann eingetrübte, teilweise gruppiert stehende, später ulzerierende und verkrustete Bläschen im Bereich der entzündlich geschwollenen Vulva. Starker Juckreiz. Beteiligung der proximalen Vagina und der Portio sind möglich. Ausbildung großflächiger Erosionen nach Platzen der Blasendecke.

Differentialdiagnose

Primärstadium der Syphilis; Ulcus molle; Ulcus vulvae acutum.

Komplikation

Sekundärinfektion mit Candidaspezies oder Bakterien.

Externe Therapie

Desinfizierende Sitzbäder mit z.B. Polyvidon-Jod Lösung (z.B. Betaisodona Lsg., R203 ) oder Kaliumpermanganat Lösung (hellrosa).

Weiche Zinkpasten oder Gele mit Zinksulfat wirken antiphlogistisch.  

In der Entstehungsphase können auch kurizfristig Glukokortikoide z.B. als Schaum oder Creme verwandt werden, ggf. mit antiseptischem Zusatz. Sie verkürzen die Dauer der Erkrankung (z.B. magistral rezeptierte Hydrocortison-Creme 0,5–2,0%).

Des Weiteren eignen sich austrocknende Farbstoffpinselungen z.B. mit wässriger Eosin-Lösung (Eosin-Dinatrium-Lösung, wässrige 0,5/1/2% ) oder Methylrosaniliniumchlorid-Lösung oder desinfizierende Vaginalsuppositorien (z.B. Betaisodona Vaginal-Gel, Betaisodona Vaginal-Suppositorien).

Hinweis: Topische Virostatika (Aciclovir, Tromantadin, Penciclovir, Vidarabin u.a.) haben sich beim Herpes genitales als ineffektiv erwiesen. Sie sind bei der Vulvangitis herpetica als Primärinfektion nicht angezeigt.

Cave! Bakterielle oder mykotische Superinfektionen.

Interne Therapie

Primärinfektion:

  • In schweren Fällen systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 200) 5mal/Tag 1 Tbl. alle über 5-10 Tage. Eine orale Therapie ist zumeist ausreichend.
  • Alternativ: Aciclovir 400mg p.o. 3x tgl. über 7-10 Tage
  • Alternativ: Ggf. kann eine intravenöse Therapie mit Aciclovir erwogen werden (Aciclovir 5 mg/kg KG 3mal/Tag alle 8 Stunden über 5 Tage).
  • Alternativ: Valciclovir: 500-1000mg p.o./2x/Tag über 5-10 Tage.
  • Famciclovir: 250mg p.o. 3x/Tag über 5-10 Tage.
  • Patienten mit Immunsuppression: Aciclovir 400mg 4x/Tag oder Zovirax 800mg 5mal/Tag.

Rezidiv:

  • Systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 200) 2mal/Tag 1 Tbl. über 5-10 Tage. Eine orale Therapie ist zumeist ausreichend.
  • Alternativ: Aciclovir 800mg p.o. 3x tgl. über 2 Tage
  • Alternativ: Valciclovir: 500mg p.o./2x/Tag über 3-5 Tage.
  • Famciclovir: 125mg p.o. 2x/Tag einmalig

Rezidivprophylaxe:

  • Systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 400) 2mal/Tag 
  • Alternativ: Valciclovir: 500mg p.o./1x/Tag 
  • Famciclovir: 250mg p.o. 2x/Tag 

Üblicherweise wird eine Rezidivprophylaxe über Monate bis Jahre durchgeführt. Sie sit bei 80% der Betroffenen erfolgreich, die Rezidive reduzieren sich signifikant. Periodisch sind Therapiepausen einzulegen um das Rezidivverhalten zu kontrollieren. 

Verlauf/Prognose

Narbenlose Abheilung nach 2-3 Wochen.

Literatur
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  1. Corey L et al. (2004) Once-daily valacyclovir to reduce the risk of transmission of genital herpes. N Engl J Med 350: 11-20
  2. Kaplowitz LG et al. (1991) Prolonged continous acyclovir treatment of normal adults with frequently recurring genital herpes simplex virus infections. JAMA 265: 747–751
  3. Lautenschlager S et al. (2000) Herpes genitalis. Hautarzt 51: 964-980
  4. Maccato ML (1992) Herpes genitalis. Dermatol Clin 10: 15–22
  5. Villa A et al. (2003) Genital herpes infection: beyond a clinical diagnosis. Skinmed 2: 108-112

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