Vulvaatrophie, primäre N90.5

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Progrediente Atrophie der Labia majora und minora mit Stenosierung des Introitus vaginae und nachfolgender, zum Teil maligne entarteter Leukoplakia vulvae der Schleimhaut. Wahrscheinlich Variante des Lichen sclerosus et atrophicus. S.a.u. Vulvaatrophie, senile.

Manifestation

V.a. in der Menopause, aber auch bei jüngeren Frauen und Mädchen, auftretend.

Differentialdiagnose

Senile Vulvaatrophie.

Therapie allgemein

Ausschluss von Grunderkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus, Candidose, Trichomonaden-Infektion, Wurminfektionen.

Externe Therapie

  • Anwendung von Östrogen- Progesteron-haltigen Cremes (z.B. Linoladiol N, Oestro-Gynaedron M). Bei Juckreiz zusätzlich Sitzbäder mit Kamillosan oder synthetischer Gerbsäure (z.B. Tannolact). Kurzfristige Anwendung niedrig konzentrierter topischer Glukokortikoide wird empfohlen, ist aber aufgrund der Chronizität des Krankheitsbildes und unter Berücksichtigung der auftretenden Steroidatrophie bei längerem Einsatz kontrovers zu beurteilen R120 R030 R029 .
  • Gute Erfolge sind mit intraläsionalen Glukortikoidinjektionen wie mit Triamcinolonacetonid (z.B. Volon A 1:1 verdünnt mit dem Lokalanästhetikum Scandicain) hinsichtlich des Juckreizes zu erzielen. Cave! Schmerzhaftes Verfahren! U.U. Injektionen in Narkose oder in Kombination mit Kryochirurgie (offenes Sprayverfahren) durchführen.
  • Pflegende Externa wie Dexpanthenol-Creme R065 oder Östrogen-haltige hydrophile Cremes und eine penible Intimpflege (Bidet-Benutzung nach Toilettenbesuch, Abtupfen mit feuchtem Tuch, anschließend Öl-getränkte Hygienetücher) sind dringend zu empfehlen. Vor Sport oder längeren Märschen Auftragen einer hydrophilen oder auch hydrophoben Salbe, z.B. Vaselinum album.
  • Regelmäßige Befundkontrollen und Ausschluss maligner Entartung (PE, sonst chirurgische Zuweisung). Bei Stenosierung plastisch-chirurgische Zuweisung (Vulvaplastik). Bei leukoplakischer Betonung wird ebenfalls der operativen Therapie der Vorzug gegeben, z.B. Kryochirurgie (offenes Sprayverfahren) kommt hier zur Anwendung. Gynäkologische Mitbetreuung.

Interne Therapie

Einige Autoren berichten über gute Erfolge mit interner Anwendung von Vitamin E (z.B. Evion, Ephynal) 100 mg/Tag p.o. über Monate oder Vitamin A (z.B. Retinol) 100.000 IE/Tag. Versucht werden kann auch eine orale östrogenhaltige Therapie (z.B. Ovestin) 3 mg/Tag. Zusammenarbeit mit dem Gynäkologen.

Literatur
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  2. Dalziel K L et al. (1991) The treatment of vulval lichen sclerosus with a very potent topical steroid (clobetasol propionate 0,05%) cream. Br J Dermatol 124: 461–464
  3. Khumalo S et al. (2001) Vulval punch biopsies: what is the experience of patients and do they alter management? J Obstet Gynaecol 21: 181-183
  4. Lewis FM (2002) Vulval disease from the 1800s to the new millennium. J Cutan Med Surg 6: 340-334
  5. Rolfe KJ et al. (2003) TP53 mutations in vulval lichen sclerosus adjacent to squamous cell carcinoma of the vulva. Br J Cancer 89: 2249-2253

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